Nationale Klinische Studiengruppe

Post-COVID-Syndrom: Charité startet erste klinische Studien

Forschende der Charité haben eine Nationale Klinische Studiengruppe gegründet, um erste klinische Studien mit Arzneimitteln zur Behandlung des Post-COVID-Syndroms durchzuführen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund zehn Millionen Euro gefördert.

Das Wissen über gezielte Therapien zu Post COVID steckt laut Charité noch immer in den Kinderschuhen. ymgerman_adobe.stock.com

Studien zeigen, dass das Post-COVID-Syndrom (PCS) sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Ein Teil der Patienten leidet an der myalgischen Enzephalomyelitis/dem Chronischen Fatigue-Syndrom, kurz ME/CFS, – einer komplexen Erkrankung mit unterschiedlich ausgeprägten körperlichen und geistigen Symptomen, darunter Schwäche und Erschöpfung (Fatigue), Belastungsintoleranz, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen sowie Muskel- und Kopfschmerzen. ME/CFS wird in vielen Fällen durch eine Infektionskrankheit ausgelöst. Bereits vor der Pandemie litten in Deutschland schätzungsweise 250.000 Menschen darunter.

„Bislang wissen wir leider noch zu wenig über die genauen Krankheitsmechanismen von ME/CFS und dem Post-COVID-Syndrom“, sagt Prof. Carmen Scheibenbogen, kommissarische Direktorin des Instituts für Medizinische Immunologie der Charité. „Deshalb existieren auch keine gezielten medizinischen Behandlungen. Entsprechend sind viele Betroffene fortwährend krank und nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben oder ihre Familie zu versorgen. Die Schwerstkranken sind bettlägerig.“

Long COVID und Post COVID

Etwa jeder Zehnte leidet nach einer leichten bis mittelschweren COVID-19-Erkrankung unter anhaltenden Beschwerden – darunter häufig schwere Erschöpfung und Belastungsintoleranz. Halten diese Symptome mehr als vier Wochen an, spricht man von Long COVID.

Als Post-COVID-Syndrom hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Symptome definiert, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen und mehr als drei Monate andauern. Am häufigsten sind junge, bis dahin gesunde Frauen betroffen.

Quelle: Charité

Unter der Leitung von Scheibenbogen haben sich jetzt Ärzte und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen und mehrerer Universitäten in einer Nationalen Klinischen Studiengruppe (NKSG) zusammengeschlossen – darunter das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (MRI TUM) sowie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS und Long COVID Deutschland (LCD).

Die Studiengruppe will erste klinische Studien mit Arzneimitteln und medizinischen Verfahren für PCS und ME/CFS anstoßen und durchführen. Ziel ist, wirksame Therapieansätze zur Zulassung zu bringen, damit sie allen Patienten zur Verfügung stehen. Der Schwerpunkt liegt auf der Verwendung von Arzneimitteln, die bereits für andere Krankheiten verfügbar sind, um einen schnellen Fortschritt in der Behandlung zu erreichen.

Brandenburger Unternehmen entwickelt ersten Long-COVID-Test

Das Biotechnologieunternehmen CellTrend in Luckenwalde hat bereits 2015 gemeinsam mit Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen, Universitätsmedizin Charité Berlin, ein Testsystem für die Diagnostik des Chronique Fatigue Syndroms/Myalgische Enzephalomyelitis (CFS/ME) entwickelt und validiert. Die Ergebnisse wurden in Brain, Behavior, and Immunity publiziert (Löbel M., Scheibenbogen C. et al. 2015 Sep 20). Eine erste klinische Studie zur Behandlung wurde erfolgreich abgeschlossen und ist in PLoS ONE veröffentlicht (Scheibenbogen C. et al 2018).

Jetzt entwickelt das Unternehmen ein Test-Kit bei Long COVID. Für viele Betroffene ist die Diagnose mittels objektivierbaren Parametern, die man im Blut nachweisen kann, eine große Hilfe.

Die Studiengruppe wird zunächst drei Gruppen von Medikamenten untersuchen. Sie richten sich gegen Entzündungen, Durchblutungsstörungen und Autoantikörper – sogenannte Antikörper, die bestimmte körpereigene Proteine angreifen.

„Zunächst werden wir nur Patientinnen und Patienten in unsere Studie aufnehmen können, die an unseren Beobachtungsstudien teilnehmen oder die wir bereits aus unserer Hochschulambulanz kennen“, beschreibt Scheibenbogen den konkreten Ablauf. „In einem nächsten Schritt möchten wir dann größere Studien an verschiedenen Kliniken in Deutschland durchführen und dafür mit der pharmazeutischen Industrie zusammenarbeiten, natürlich auch für die Prüfung weiterer aussichtsreicher Medikamente.“

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