Berlin

Sind FFP2-Masken der aukando GmbH minderwertig?

In einem offenen Brief warnt die Initiative Unabhängige Zahnärzte Berlin (IUZB) vor FFP2-Masken, die über die aukando GmbH bezogen wurden. Die Zahnärztekammer Berlin hatte den Händler Anfang April vermittelt – ohne Sicherheitsbedenken.

Mitten im Wahlkampf zur Berliner Kammerwahl warnte die IUZB am 21. Juli in einem offenen Brief und auf ihrer Website vor FFP2-Masken, die von der aukando GmbH  an rund 800 Berliner Praxen geliefert wurden – auf Rechnung und mit Rückgaberecht. 15 Praxen machten davon Gebrauch.

Die IUZB hält die Qualität der Masken für minderwertig. Als Beweis führt sie einen von ihr Mitte beauftragten Labortest an, bei dem zwei von drei Masken durchfielen, die aus einer aukando-Lieferung stammen sollen. Auch ohne Alterungssimulation überstieg demnach eine der getesteten Masken den zulässigen Durchlässigkeitswert um das Fünffache, eine verfehlte knapp die Vorgabe der europäischen Norm.

Zahnärztekammer Berlin: Damit ist gar nichts bewiesen

Für Dr. Michael Dreyer, Vizepräsident der Zahnärztekammer Berlin (ZÄKB), ist damit gar nichts bewiesen. Zum einen handele es sich bei der für den Labortest bemühten PACconsult GmbH um ein "nicht offiziell zugelassenes Institut" (aktuell gebe es nur vier solcher Institute in Deutschland), zum anderen sei völlig offen, woher die getesteten FFP2-Masken stammen oder wie sie zwischengelagert wurden. Obendrein ist der Test Dreyer zufolge schon aufgrund der Anzahl an getesteten Masken nicht repräsentativ. 

Der IUZB-Vorsitzende Gerhard Gneist ist anderer Meinung. Für die Testung einer größeren Stichprobe fehlten seiner Organisation schlicht die finanziellen Mittel. Der von ihr initiierte und bezahlte Test sei nichtsdestotrotz ein hinreichendes Indiz, sagt er. Gneist hält aber auch das Vorgehen, ein laut verschiedenen Medienberichten als dubios geltendes Unternehmen als Bezugsquelle für Atemschutzmasken zu empfehlen, schon für kritisch. Als er sah, dass die im niedersächsischen Stade ansässige aukando GmbH Beziehern der Masken per E-Mail ein quietschbuntes chinesisches CE-Zertifikat zuschickte, wuchs seine Skepsis noch. "Das Ding sieht aus wie selbstgemalt", sagt er. 

Die Not war so groß, dass man sogar Babywindeln zu Masken umarbeiten lassen wollte

Gefragt nach der Kontaktanbahnung mit dem Zwischenhändler, gibt Dreyer einen Blick auf die Situation zur Hochphase der krisenbedingten Lieferengpässe im März und im April. Als die ersten Mitglieder die Kammer über Lieferschwierigkeiten informierten, waren die Recherchen bereits in vollem Gange. Der Grund: Rund 100 Unternehmen hatten sich bereits bei der ZÄKB proaktiv gemeldet und Masken für Zahnärzte angeboten.

Während ein Teil des Teams die Angebote sichtete, wurden verschiedene Vorgehen diskutiert, etwa ob die Kammer in Vorleistung Masken kaufen sollte, um diese anschließend an die Kammermitglieder weiterzugeben. Dr. Dreyer: "Wir haben uns sogar ernsthaft mit dem Robert Koch-Institut darüber unterhalten, ob sich Babywindeln in Atemschutzmasken umarbeiten lassen" – eine theoretisch mögliche Lösung, die später aber verworfen wurde.

"Von etwa 100 Bewerbern entsprach nur die aukando GmbH den Kriterien"

Zeitgleich reduzierte sich die Auswahl der möglichen Anbieter aufgrund des Kriterienkatalogs der Kammer immer weiter. Ein garantiertes Gesamtvolumen von 200.000 bis 400.000 Masken mit CE-Zertifikat zu "einem halbwegs passablen Preis" lieferte auf Rechnung und inklusive Rückgaberecht am Ende genau ein Unternehmen: die aukando GmbH. Daraus entstand schließlich die damalige Empfehlung der ZÄKB an ihre Kammermitglieder, die von der IUZB heute scharf kritisiert wird.

Dreyer ist sich indes keiner Nachlässigkeit bewusst und würde mit dem Wissen von heute wieder so handeln. "Die Not der Kollegen, ihre Praxen schlimmstenfalls schließen zu müssen, war groß", sagt er und beteuert, dass die Kammer im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles getan hat, um die Qualität der Masken sicherzustellen – vor allem, weil man nach einer ersten Recherche sehr wohl von den kritischen Berichten über das Unternehmen gewusst habe. Entscheidend sei jedoch, dass es es nach Kammerrecherchen nie zu einer Verurteilung eines aukando-Mitarbeiters gekommen ist.

Es war eine einmalige Aktion in einer Notzeit

Da der Zwischenhändler jedoch ein CE-Zertifikat lieferte, das nicht auf einer Liste bekanntermaßen gefälschter Nachweise geführt wurde und ein ebenfalls von aukando belieferter Apotheker der Kammer gegenüber die einwandfreie Qualität der Masken bestätigte, wurde die potenzielle Bezugsquelle für die Mitglieder ausgewählt und weiterempfohlen. Rückblickend sei es eine "einmalige Aktion in einer Notzeit zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit der Berliner Zahnarztpraxen" gewesen, erklärt Dreyer, der den IUZB-Vorstoß als politisch motivierte Aktion in Wahlkampfzeiten bewertet.

Richtig ist, dass die Kammer in ihrem Newsletter Anfang April darauf hingewiesen hatte, dass sie "keine Gewährleistung für die den Masken beigefügten Zertifikate übernehmen kann". Auf die Preisgestaltung, die Lieferzeit und die Zahlungsmodalitäten habe die Zahnärztekammer Berlin keinen Einfluss, hieß es damals zudem.

Die IUZB wird indes nicht müde, die Aktion wie auch die diesbezügliche Informationspolitik des amtierenden Kammerpräsidiums zu rügen. Offen ist etwa noch, welcher Apotheker der Testcharge der aukando GmbH eine einwandfreie Qualität bescheinigte. Die Kammer erklärt: Ohne die Zustimmung des Mannes werde sie der Initiative diese Auskunft nicht geben können. Gneist und seine Mitstreiter müssen sich noch etwas gedulden – besagter Apotheker ist aktuell "im Urlaub", heißt es. 

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