DGB-Ausbildungsreport 2022

Über 40 Prozent der ZFA-Azubis können in ihrer Freizeit nicht abschalten

Fast jeder dritte Azubi macht Überstunden, viele müssen fachfremde Aufgaben erledigen, die Betreuung ist oft nicht gut. Das gilt häufig auch für angehende ZFA. Dieses Fazit zieht der neue Ausbildungsreport der DGB-Jugend.

Unregelmäßige Schichtarbeit, fehlende Ruhezeit und ständige Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit: Insgesamt 43,8 Prozent der angehenden ZFA haben in der Freizeit Probleme, sich zu erholen. luna_adobe.stock.com

Der DGB hat für die repräsentative Studie über 14.400 Azubis befragt zu anfallenden Überstunden, der fachlichen Anleitung, ob sie ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen müssen und ob es einen betrieblichen Ausbildungsplan gibt. Das DGB-Team wollte außerdem von ihnen wissen, ob sie die Ausbildung weiterempfehlen, wie gut der Berufsschulunterricht ist und ob sie nach der Lehre eine Perspektive haben. Die Azubis sollten zudem Auskunft darüber geben, wie sie die schulische Berufsorientierung sowie die Berufsberatung der Agentur für Arbeit bewerten und ob sie nach der Ausbildung übernommen werden.

Die ZFA im Vergleich zu den anderen Ausbildungsberufen

  • Der Einzelhandel, Zahnarztpraxen, Friseure sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe waren besonders stark von den Folgen der Pandemie betroffen. Bereits bestehende strukturelle Schwächen der Ausbildung haben sich den Autoren zufolge durch die Corona-bedingten Einschränkungen weiter verfestigt.
  • Insgesamt 21,4 Prozent der angehenden ZFA und 19,1 Prozent der künftigen Hotelfachleute müssen "immer" beziehungsweise "häufig" ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten, jedoch "nur" 2,9 Prozent der künftigen Verwaltungsfachangestellten.
  • Von den 25 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen im dualen System liegt der Beruf der ZFA in der Gesamtbewertung auf Platz 23. Bei der Abfrage der fachlichen Qualität belegt er Rang 16, bei der persönlichen Beurteilung der Qualität Rang 24. Was Überstunden und Arbeitszeiten betrifft, kommt die ZFA-Ausbildung auf Platz 22. Der Beruf ist von allen 25 derjenige mit der höchsten Frauenquote.
  • Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen viel geringer ausgeprägt, was den Autoren zufolge vermutlich auf die Pandemie zurückgeht. Trotzdem gab noch immer fast ein Viertel der angehenden ZFA (23,6 Prozent) und jeweils ein Fünftel der künftigen Friseure und Hotelfachleute an, keinen Ausgleich für geleistete Überstunden zu erhalten.
  • Über zwei Drittel der ZFA-Azubis (68,6 Prozent) sind mit der Ausbildung (sehr) zufrieden, ein Viertel (24,5 Prozent) teilweise zufrieden und 6,9 Prozent eher beziehungsweise sehr unzufrieden.
  • Unter allen Auszubildenden, die "unzufrieden" oder "sehr unzufrieden" sind, sinkt der Anteil derjenigen, die sich weder unter- noch überfordert fühlen, auf 43,6 Prozent. Dagegen klagen 24,1 Prozent über eine Überforderung und 32,3 Prozent über eine Unterforderung. Am häufigsten überfordert fühlen sich Friseure (20,6 Prozent) und ZFA (19,8 Prozent), der höchste Anteil einer Unterforderung entfällt auf die Verwaltungsfachangestellten (19,6 Prozent).
  • Ein Viertel der befragten Auszubildenden (25,4 Prozent) hat nach eigenen Angaben "immer" oder "häufig" Probleme, sich in der Freizeit zu erholen. Nur gut jedem Fünften (21,1 Prozent) sind diese Probleme nicht bekannt. Seit einigen Jahren gibt es diese extrem hohen Werte. Während bei den Industriemechanikern nur etwa jeder Neunte "immer" oder "häufig" Probleme bei der Erholung hat, sind es bei den ZFA (43,8 Prozent) und Friseuren ( 42,3 Prozent) mehr als 40 Prozent.

Überstunden

Knapp ein Drittel der befragten Auszubildenden (32,8 Prozent) muss regelmäßig Überstunden machen und arbeitet dabei durchschnittlich 3,6 Stunden mehr in der Woche. Mehr als jeder zehnte (11,6 Prozent) bekommt für die Überstunden weder eine Vergütung noch einen Freizeitausgleich. "Ein klarer Verstoß gegen das Berufsbil-
dungsgesetz!", rügen die Autoren.

Fachliche Anleitung

2022 stieg der Anteil der Auszubildenden, deren Ausbilder "selten" oder "nie" am Ausbildungsplatz verfügbar sind, mit 11,6 Prozent auf den höchsten dokumentierten Wert seit 2008 (11,7 Prozent). Zudem gaben 13,2 Prozent der Azubis an, Arbeitsvorgänge nur "selten" oder "nie" zufriedenstellend erklärt zu bekommen.

Ausbildungsfremde Tätigkeiten

Insgesamt 11 Prozent der befragten Auszubildenden müssen "immer" oder "häufig" ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen, die nicht Bestandteil der Ausbildung sind und nicht dem Lernerfolg dienen. "Solche Tätigkeiten sind nach § 14 Berufsbildungsgesetz verboten", heißt es in dem Report.

Betrieblicher Ausbildungsplan

Mehr als ein Drittel der Auszubildenden (34,5 Prozent) haben laut Report keinen betrieblichen Ausbildungsplan, obwohl ein solcher gesetzlich vorgeschrieben ist. "Somit wissen diese Auszubildenden nicht, wie ihre Ausbildung ablaufen soll und was die Lerninhalte sind", tadeln die Wissenschaftler.

Weiterempfehlen der Ausbildung

Fast jeder Sechste (16,1 Prozent) würde die Ausbildung in seinem Betrieb nicht weiterempfehlen. Auffällig ist, dass die Begeisterung vieler Auszubildender im Laufe der Ausbildung abnimmt. Während im ersten Ausbildungsjahr noch sieben von zehn Auszubildenden (71,2 Prozent) ihre Ausbildung weiterempfehlen würden, sind es im dritten Ausbildungsjahr nur knapp über die Hälfte (54,4 Prozent). Das sei ein deutliches Zeichen.

Die Bewertung der Ausbildungsqualität hängt laut DGB-Report nach wie vor stark vom Ausbildungsberuf und der Branche ab. Von kleineren Schwankungen abgesehen ist das Ranking über die Jahre hinweg sehr konstant. An der Spitze und als Schlusslicht finden sich häufig die gleichen Berufe wieder. Daran hat sich dem Report zufolge auch durch die Folgen der Pandemie nichts Grundlegendes geändert.

Qualität in der Berufsschule

Nur etwas mehr als die Hälfte der Auszubildenden (59 Prozent) findet, dass die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts "sehr gut" oder "gut" ist.

Perspektive

Fast die Hälfte (45,3 Prozent) der Auszubildenden weiß selbst im letzten Ausbildungsjahr noch immer nicht, ob sie von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wird. Im Vergleich zu 2020 hat sich dieser Anteil um 6,2 Prozentpunkte erhöht. Von den Auszubildenden im dritten Ausbildungsjahr, die bereits wussten, dass sie nicht übernommen werden, hatten nur 13,4 Prozent eine Zusage für eine Weiterbeschäftigung in einem anderen Betrieb. Die Chancen auf eine Übernahme hängen dem Report zufolge dabei stark vom jeweiligen Ausbildungsberuf ab.

Befristung

Auszubildende mit Übernahmezusage werden zu knapp 30 Prozent nur befristet eingestellt, zumeist höchstens für ein Jahr.

Bewertung der schulischen Berufsorientierung

Mehr als sieben von zehn Auszubildenden (72,2 Prozent) geben an, dass ihnen die Angebote der Berufsorientierung in der allgemeinbildenden Schule "weniger" oder "gar nicht" bei der Berufswahl geholfen haben.

Bewertung der schulischen Berufsorientierung nach Schulabschluss

Je höher die Ausgangsqualifikation der Auszubildenden, desto schlechter bewerten sie die Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen. Während fast die Hälfte der Auszubildenden ohne Schulabschluss (45,4 Prozent) angibt, dass ihnen die schulische Berufsorientierung "(sehr) geholfen" habe, ist es bei denen mit (Fach-)Abitur nur jeder fünfte (19,6 Prozent).

Berufsberatung der Agentur für Arbeit

Nur etwa jeder vierte Auszubildende (28,9 Prozent) hat sich bei der Berufswahl von der Agentur für Arbeit beraten lassen. Vier von zehn (40,5 Prozent), die diese Berufsberatung in Anspruch genommen haben, hat sie dabei "weniger" oder "gar nicht" geholfen.

Übernahme im Anschluss an die Ausbildung

Nur gut ein Drittel der befragten Auszubildenden wussten zum Zeitpunkt der Befragung, dass sie im Anschluss an ihre Ausbildung von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden.

Die DGB-Jugend hat bundesweit 14.428 Auszubildende aus den 25 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen im dualen System befragt. Aufgrund der Pandemie erstreckte sich der Befragungszeitraum von September 2020 bis Frühjahr 2022, so dass die wesentliche Zeitspanne Corona-bedingter Einschränkungen und Auswirkungen auf die berufliche Ausbildung abgedeckt wird. Die repräsentative Studie wurde auch in diesem Jahr mit dem Institut für sozialpädagogische Forschung (ism) in Mainz erstellt.

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