Demineralisierungen um festsitzende Apparaturen

5.000 ppm-Fluoridzahnpasta reduziert White Spots

Forscher erprobten in einem In-situ-Studiendesign, ob sich Demineralisationen rund um Brackets mit hochkonzentrierter Fluoridzahnpasta und Fluorid im Klebematerial verhindern lassen.

Zahnpasta mit 5.000 ppm Fluorid reduziert wirksam Demineralisierungen von Zahnschmelz neben kieferorthopädischen Brackets. Adobe Stock_Pornpimon

Die festsitzenden Apparaturen generieren während einer kieferorthopädischen Behandlung bekanntlich ein hohes Kariesrisiko. Zudem wird die Zahnpflege für den Patienten sehr aufwendig. Das Behandlungsergebnis könnte aus kieferorthopädischer Sicht ein voller Erfolg sein, wären da nicht die laut einer Studie bei 68 Prozent der Patienten vorkommenden White Spots auf den Labialflächen der Zähne [Sundararaj et al., 2015] – viereckig um die ehemaligen Brackets gruppiert.

Brasilianische Wissenschaftler untersuchten nun erstmals in situ, ob die Demineralisationen mit der Verwendung einer hochkonzentrierten Fluoridzahnpasta und einem fluoridfreisetzendem Verbundmaterial für die Bracket-Klebung verhindert werden können.

Die Wissenschaftler klebten Brackets auf Rinderzahnschmelzproben und betteten sie in eine Art Gaumenplatte ein, die sie von zehn Probanden tragen ließen. Die insgesamt vier Bracket-Proben lagen dabei circa einen Millimeter unterhalb des Kunststoff-Niveaus der Trägerplatte und waren von einem Netz überspannt, damit sich ein Biofilm auf den Probekörpern bilden konnte. Dies sollte einen wenig motivierten Patienten simulieren.

Gemäß einem Split-Mouth-Design hatten die Forscher bei je zwei Probenkörpern rechts auf der Trägerplatte die Brackets mit fluoridhaltigem Adhäsivmaterial (OrthoCem® mit Natriumfluorid, FGM, Joinville, Brasilien) geklebt, die beiden Brackets auf der linken Seite befestigten sie mit fluoridfreiem adhäsiven Verbundmaterial (Natural Ortho®, Nova DFL, Taquara, Brazil) auf den Rinderschmelzproben.

Die Probanden durchliefen drei Versuchsphasen über je 14 Tage mit einer anschließenden siebentägigen Auswaschphase. Für jeden Versuchsabschnitt erhielten sie eine normale Zahnbürste und eine bestimmte Zahnpasta, mit der sie Zähne und Versuchsapparatur drei Mal täglich putzten:

  1. fluoridfreie Zahnpasta (Placebo)
  2. Zahnpasta mit konventionellem Fluoridgehalt von 1.100 ppm
  3. hochkonzentrierte Fluoridzahnpasta von 5.000 ppm Fluorid

In der Auswaschzeit benutzten sie immer fluoridfreie Zahnpasta. Um kariogene Angriffe zu simulieren, tropften die Probanden acht Mal am Tag eine Zuckerlösung auf die Proben, während des Essens nahmen sie die Gaumenapparatur aus dem Mund.

Nach jeder Versuchsphase sammelten die Forscher die Plaque von den Proben und bestimmten das darin enthaltene Fluorid. Weiterhin untersuchten sie die Schmelzhärte direkt neben der Klebefläche nach Entfernen der Brackets (Querschnittshärte in kg pro mm2).

Ergebnisse

Nach zweiwöchigem Putzen mit hochkonzentrierter Fluoridzahnpasta (5.000 ppm Fluorid) zeigte der Zahnschmelz um die Brackets die größte Härte und die gesammelte Plaque die höchste Fluoridkonzentration. Nach statistischer Analyse aller Variablen war nur die jeweilige  Zahnpasta ein signifikanter Faktor. Die Art des Adhäsivmaterials (fluoridfrei oder fluoridhaltig) und mögliche Wechselwirkungen zwischen Zahnpasta und Klebematerial hatten keine statistisch messbaren Auswirkungen auf Schmelzhärte und Fluoridkonzentration im Biofilm.

Fluoridhaltiges Komposit hat nicht das Fluoridfreisetzungspotenzial von mit Fluorid angereichertem Glasionomerzement, da das Fluorid bei ersterem lediglich passiv ausgelaugt wird [Burke et al., 2006]. So sinken die Fluoridlevel in der Umgebung schnell. Das könnte die geringe Wirksamkeit von fluoridangereichertem Komposit als Klebematerial für die Bracketbefestigung erklären.

Fazit

Zahnpasta mit 5.000 ppm Fluorid reduziert wirksam Demineralisierungen von Zahnschmelz neben kieferorthopädischen Brackets. Fluoridhaltiges Komposit zum Kleben der Brackets hat dagegen keinen Einfluss darauf. Die Verwendung einer hochkonzentrierten Fluoridzahnpasta während einer kieferorthopädischen Behandlung wäre eine Option, um White Spots bei wenig adhärenten Patienten zu verhindern. Doch kontrollierte klinische Studien über einen längeren Zeitraum sind erforderlich, um die Ergebnisse der brasilianischen Forscher zu untermauern.

Quelle: Robson S. Ferreira, Antonio Pedro Ricomini-Filho, Cínthia P. Tabchoury, Glauber Campos Vale: “ Effect of high-fluoride dentifrice and bracket bonding composite material on enamel demineralization in situ.“ Clinical Oral Investigations volume 24, pages 3105–3112 (2020), doi.org/10.1007/s00784-019-03182-7

Literatur: Sundararaj D, Venkatachalapathy S, Tandon A, Pereira A (2015): “Critical evaluation of incidence and prevalence of white spot lesions during fixed orthodontic appliance treatment: a meta-analysis.“ J Int Soc Prev Community Dent 5:433–439. doi.org/10.4103/2231-0762.167719

Burke FM, Ray NJ, McConnell RJ (2006) Fluoride-containing restorative materials. Int Dent J 56: 33–43

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