Preise für Forschung und Video

AG Keramik: Das sind die prämierten Arbeiten 2019!

Die AG Keramik hat Ende vergangenen Jahres Preise in den Kategorien Forschung und Video vergeben. Wir stellen die ausgezeichneten Arbeiten vor.

Die Gewinner der AG Keramik-Preise für Forschung und Video 2019 wurden auf dem 19. Keramiksymposium vorgestellt, das im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) am 30. November 2019 in Hamburg stattfand (v.l.n.r.): Dr. Sven Rinke, ZT Reinhard Busch, Laudator Dr. Bernd Reiss, Zahnärztin Lisa Türp, Dr. M.S. Chaar, Dr. Wojtek Libecki. AG Keramik

Der 19. Forschungspreis der AG Keramik ging an das Autorenteam Priv.-Doz. Dr. Sven Rinke M.Sc., Universitätsmedizin Göttingen, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Praxisklinik für Zahnmedizin, Hanau; Dr. Tim Hausdörfer, Poliklinik für Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie, Universität Göttingen; und Prof. Dr. Dirk Ziebolz, Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Universität Leipzig für die Arbeit "5-Jahresuntersuchung von Teilkronen mit verschiedenen Wandstärken aus ZLS-Keramik".

Mit hochfesten glaskeramischen Werkstoffen können okklusale Schichtstärken auf 1,0 mm reduziert werden

Die prospektive Studie beobachtete 45 Patienten und untersuchte die klinische Leistungsfähigkeit von 61 Teilkronen, chairside im CAD/CAM-Verfahren aus zirkonoxid-verstärktem Lithiumsilikat (ZLS) gefertigt. Die Autoren evaluierten die Risiken: Herstellerempfohlenen Wandstärken wurden unterschritten und verschiedene Befestigungskonzepte genutzt. Okklusale Wandstärken mit 0,5 bis 0,74 mm erzielten eine Überlebensrate von 83 Prozent und zeigten damit ein 11-fach höheres Frakturrisiko als die Gruppe mit 0,75 bis 1,0 mm Wandstärke, die zu 100 Prozent frakturfrei blieb.

Die Lage im Kiefer (Molar versus Prämolar) hatte keinen Einfluss. Retentionsverluste traten eher mit selbstadhäsivem Befestigungszement auf im Vergleich zur Gruppe, die mit Total-Etch-Technik und dualhärtendem Komposit befestigt wurden. Mit dieser Studie konnte erstmalig klinisch belegt werden, dass mit hochfesten glaskeramischen Werkstoffen okklusale Schichtstärken auf 1,0 mm reduziert werden können.

Drei Videopreise

Der Videopreis der AG Keramik prämiert Filme, die besonders interessante Vorgehensweisen bei vollkeramischen Restaurationen in einer 3-Minuten-Sequenz komprimiert darstellen. Es wurden drei Videos ausgezeichnet, in denen die Autoren ideenreich die digital gestützte Rekonstruktion eines Abrasionsgebisses, das schonende Trepanieren einer implantatgetragenen Keramikkrone zur Behebung einer Schraubenlockerung, und die Konstruktion einer 2-Flügel-Krone für den Lückenschluss regio 46 geschickt und wirkungsvoll in Bild und Ton umgesetzt wurden.

Der 1. Preis ging an die Zahnärztin Lisa Türp und den Oberarzt Dr. M.S. Chaar, Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Kiel, für das Video "Vollkeramische Rekonstruktion eines Abrasionsgebisses – mit Tipps zum adhäsiven Befestigen". Das dreiminütige Video zeigt die komplexe Rehabilitation eines starken Abrasiongebisses (Abb. 2). Die Rekonstruktion erfolgte mit 28 Restaurationen inform von FZ-Kronen, Veneer-Kronen, Teilkronen und keramischen Kauflächen aus Lithiumdisilikat (Abb. 3). 

Ausgangssituation: Erheblich abradierte Zähne im OK und UK. | Türp, Chaar

 

Präparation und virtuelle Konstruktion (3shape) von Kronen, Teilkronen und Okklusal-Veneers. | Türp, Chaar

Die FZ-Kronen wurden im Cut-Back-Verfahren verblendet. Nach Herstellung eines Wax-ups an in zentrischer Relation einartikulierten Modellen wurde dies als Mock-up am Patienten visualisiert. Zum Austesten der neuen vertikalen Dimension sowie der Ästhetik wurden Polycarbonatschienen analog zum Wax-up gefertigt und als Provisorium getestet.

Die Präparation erfolgte defektorientiert und minimal-invasiv – in der UK-Front schmelzbegrenzt für die Veneer-Kronen. Nach Abformung und wechselseitiger Registrierung wurden die Restaurationen digital konstruiert auf Basis der provisorischen Versorgung und ausgeschliffen (Abb. 4). 

Vollkeramische Restaurationen aus Lithiumdisilikat zur Bisserhöhung und Wiederherstellung der Funktion und Ästhetik. | Türp, Chaar

Vor der adhäsiven Eingliederung wurde Zahnseide approximal auf die Schleimhaut gelegt und mit Gewebekleber fixiert, um nach kurzzeitigem Polymerisieren des Komposits die gelartigen Überschüsse entfernen zu können. Die Reihenfolge der Eingliederung wurde systematisch vorausgeplant. So wurden zuerst die Veneer-Kronen in der Front eingesetzt, dann folgte die Eingliederung im Seitenzahnbereich, abgestützt durch die befestigten FZ-Restaurationen.

Ein Positionierungsschlüssel unterstützte die schaukelfreie Eingliederung und kontrollierte die Passung in der Befestigungsphase. Eine nachts zu tragende Schutzschiene schloss die Behandlung ab. Das Video zeigt, dass trotz weitreichender Zahnhartsubstanzdefekte eine minimal-invasive Versorgung funktionell und ästhetisch perfekt umgesetzt wurde (Abb. 5). 

Ergebnis nach adhäsiver Eingliederung der Restaurationen. | Türp, Chaar

 

Hier das prämierte Video: 

 

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