Zahnmedizin

Amalgamdiskussionen sind oft Quecksilberdiskussionen

Für einige EU-Politiker ist Amalgam immer noch gleich Quecksilber. Der Greifswalder Zahnmediziner Prof. Dr. Georg Meyer entlarvt die oftmals irrationale Diskussion und erzählt, was wirklich gefährlich ist.

Amalgamverbot? Abgesehen davon, dass das Material gesundheitlich oder umweltbedingt kein Problem darstellt: "Wer auf Amalgam verzichtet, verursacht Kosten- und Langzeitprobleme, weil die alternativen Kunststoffe nicht entsprechend kariesresistent sind", betont Prof. Georg Meyer. Luis_Santos-Fotolia

Der Greifswalder Zahnmediziner Prof. Dr. Georg Meyer ist Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Greifswald und Mitglied im Science Committee der FDI World Dental Federation. Axentis

Sie sind seit fast sechs Jahren Mitglied im Science Committee der FDI – und beschäftigen sich dort intensiv mit der Amalgamthematik. Nach dem Minamata-Abkommen von 2013 unterstützt auch die FDI einen allmählichen Amalgam-Ausstieg. Wie kam es dazu?

Prof. Dr. Georg Meyer: Die Amalgamdiskussionen sind leider oft Quecksilberdiskussionen, denn Quecksilber in der Umwelt ist ein Problem. Politiker und Amalgamgegner fokussieren sich dabei vor allem auf die Zahnmedizin - obwohl das Quecksilber in der Umwelt zum allergeringsten Teil aus Amalgam stammt. Auf der Minamata-Konferenz wurden Beschlüsse gefasst, um die Quecksilberverschmutzung in der Umwelt zu reduzieren, etwa Lampen oder Batterien mit Quecksilbergehalt aus dem Verkehr zu ziehen.

Panikmache mit zitternden Leuten im Rollstuhl

Auch Amalgam sollte ursprünglich verboten werden. Eine große Zahl von Amalgamgegnern beeinflusste die Konferenz stark und rückte die Zahnmedizin in den Mittelpunkt. Sie schoben zum Beispiel zitternde Leute im Rollstuhl zur Meinungsmache herein, die Amalgam für ihr Leiden verantwortlich machten. Das waren Emotionskämpfe - und bis heute ist Amalgam auch ein psychisches Problem.

Die FDI, die Weltzahnärzteschaft, ist einhellig der Meinung, dass Amalgam aus wissenschaftlicher Sicht kein Problem darstellt. Also hatte die FDI dem Science Committee den Auftrag gegeben, Argumente zu sammeln, damit Amalgam als bewährtes Füllungsmaterial ohne Einschränkungen erhalten bleibt. Das versuchte sie auch auf der Minamata-Konferenz durchzusetzen, aber der Widerstand war zu groß, also wurde ein Kompromiss ausgehandelt: ein „Phase down“.

Phase down statt Phase out

Die United Nations Environment Programme (UNEP) und die Gegner wollten ein „Phase out“, also Amalgam verbieten. Die FDI verpflichtete sich im Gegenzug, weltweite Prophylaxe-Programme aufzulegen, die sehr effektiv und seriös sind - und von der UNEP kontrolliert werden. Damit geht die FDI in sehr große Vorleistung.

Obwohl die FDI also mit dem „Phase down“-Kompromiss in Minamata das Amalgam gerettet hat, wird dieser Erfolg von bestimmten Interessengruppen - leider auch aus der Dentalindustrie - so dargestellt, als sei das „Phase down“, also eine schrittweise Reduktion von Amalgam, primärer Wunsch der FDI gewesen.

Amalgam hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt und ist noch dazu preisgünstig. Doch die – quecksilberhaltige – Legierung hat nicht nur Befürworter.

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