Zahnmedizin

Amalgamdiskussionen sind oft Quecksilberdiskussionen

Amalgamverbot? Abgesehen davon, dass das Material gesundheitlich oder umweltbedingt kein Problem darstellt: "Wer auf Amalgam verzichtet, verursacht Kosten- und Langzeitprobleme, weil die alternativen Kunststoffe nicht entsprechend kariesresistent sind", betont Prof. Georg Meyer. Luis_Santos-Fotolia

Der Greifswalder Zahnmediziner Prof. Dr. Georg Meyer ist Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Greifswald und Mitglied im Science Committee der FDI World Dental Federation. Axentis

"Sekundärkaries ist der Hauptversager!"

Amalgamgegner und insbesondere europäische Politiker fordern weiterhin einen sofortigen Amalgamausstieg. Das sei möglich, weil es geeignete Alternativen gebe.

Wer auf Amalgam verzichtet, verursacht Kosten- und Langzeitprobleme, weil die alternativen Kunststoffe nicht entsprechend kariesresistent sind. Je weiter hinten im Mund (Molarenbereich) sich Füllungen befinden und je größer sie sind, umso signifikant länger haltbar ist Amalgam im Gegensatz zu den Kompositen, bei denen Sekundärkaries der Hauptversager ist. Dieses Problem ist bis heute nicht gelöst.

Im Umkehrschluss gilt: Bei einer Erstversorgung und kleinen Füllungen, die weit vorne liegen und schmelzumgrenzt sind, sind Komposite die Indikation der Wahl. Es geht nicht um Amalgam oder Kunststoff, es kommt immer auf die Indikation an.

Wir bilden unsere Studenten seit Jahren im praktischen Phantomkurs und an Patienten mit klassischen Materialien, also Amalgam, Komposit, Goldlegierungen und Keramik bis hin zu CAD/CAM-Verfahren aus. Denn aus wissenschaftlicher Sicht haben wir keine Probleme mit diesen Materialien. Grundsätzlich sind alle vier Materialgruppen gleichberechtigt.

Es gibt im Umkehrschluss aufgrund der jetzigen Datenlage keinen Grund, eine amalgam- oder eine kompositfreie Praxis zu führen. Allerdings muss man die Indikationen zur Füllungstherapie auch unter medizinischen, biologischen und allergologischen Gesichtspunkten betrachten.

"Amalgam verzeiht eher Fehler"

Und welche Rolle spielt die Verarbeitung?

Kompositfüllungen setzen eine kompromisslos gute Verarbeitung voraus, denn eine kleine Unachtsamkeit kann ausreichen, damit Karies entstehen kann oder Füllungen versagen. Amalgam muss ebenfalls sorgfältig verarbeitet werden, aber Amalgam verzeiht eher Fehler. Gerät beispielsweise beim Füllen Feuchtigkeit in die Kavität, bleibt Amalgam trotzdem bakteriostatisch und hält noch eine ganze Weile.

Diese Aspekte spielen in der Alterszahnheilkunde eine äußerst wichtige Rolle. Wenn Sie einen Patienten im Altersheim unter widrigen Bedingungen behandeln müssen, dann hält Amalgam noch verantwortbar gut. Wenn Sie Komposit einsetzen und es passieren Fehler, dann entsteht mit hoher Wahrscheinlichkeit Sekundärkaries. Große und weit hinten gelegene Füllungen halten deshalb erheblich weniger lange.

Schneiden Komposite denn aus biologischer und gesundheitlicher Sicht besser ab als das quecksilberhaltige Amalgam?

Die auf organischer Chemie basierenden Alternativen, die wir haben, sind aus Umwelt- und Gesundheitssicht nicht besser als Amalgam. Zum Vergleich: Weltweit werden jährlich zirka 800 Tonnen Quecksilber für den Dentalbereich benötigt. Das wird zu der stabilen Legierung Amalgam verarbeitet, in der das Quecksilber optimal und dauerhaft gebunden ist.

Amalgam hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt und ist noch dazu preisgünstig. Doch die – quecksilberhaltige – Legierung hat nicht nur Befürworter.

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