Zahnmedizin

Amalgamdiskussionen sind oft Quecksilberdiskussionen

Amalgamverbot? Abgesehen davon, dass das Material gesundheitlich oder umweltbedingt kein Problem darstellt: "Wer auf Amalgam verzichtet, verursacht Kosten- und Langzeitprobleme, weil die alternativen Kunststoffe nicht entsprechend kariesresistent sind", betont Prof. Georg Meyer. Luis_Santos-Fotolia

Der Greifswalder Zahnmediziner Prof. Dr. Georg Meyer ist Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Greifswald und Mitglied im Science Committee der FDI World Dental Federation. Axentis

Das Problem ist die Kremierung

Es gibt nur einen Problempunkt: Die Hälfte der dentalen Quecksilberbelastung, die insgesamt nur 0,1 Prozent der gesamten Quecksilberumweltbelastungen ausmacht, wird durch Kremierung verursacht. Auf 1.000 Grad erhitzt, zerlegt sich Amalgam in seine Einzelbestandteile und setzt Quecksilber frei. In Entwicklungsländern etwa, wo Angehörige oftmals rituell auf dem Feuer bestattet werden, ist dies ein größeres Thema als in den abendländischen Teilen der Welt, wo Erdbestattungen üblicher sind beziehungsweise Krematorien über Quecksilberabscheider verfügen.

Selbst das Umweltbundesamt empfiehlt, Energiesparlampen mit stabilem Amalgam statt mit Quecksilber als Katalysator auszustatten. Dann besteht nicht die Gefahr, dass Quecksilber austritt, wenn die Lampe zu Bruch geht, denn Amalgam ist aus Umweltsicht erheblich harmloser als reines Quecksilber.

"Wir Zahnmediziner stehen, was die Umwelt angeht, völlig zu Unrecht im Fokus."

Bei der Quecksilberproblematik stehen wir Zahnmediziner, was die Umwelt angeht, völlig zu Unrecht im Fokus. Bei der Kunststoffproblematik ist es zum Glück nicht so, dass sich Politik und Presse primär auf zahnärztliche Komposite konzentrieren, sondern ganz allgemein auf die in vielen Plastikprodukten enthaltene hormonartig wirkende Substanz Bisphenol A. Diese wird aber auch aus Versiegelungen und Kompositfüllungen in Speichel und Urin freigesetzt, wie neue Studien belegen.

Kürzlich hat Schweden mit einer Klage gegen die EU gedroht, um die Kommissionen, die dafür zuständig sind, zum Beispiel das Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR), auf die Gefahren von Weichmachern in Plastik hinzuweisen. Im Pazifik hat sich mittlerweile Plastikmüll in der Größe Europas angesammelt. Plastiktüten an sich sind eher harmlos - bis sie dann in Feinstpartikel zerfallen. Diese gelangen in den Nahrungskreislauf und können dort endokrine Wirkungen hervorrufen und weiter verstoffwechselt werden zu möglicherweise problematischen chemischen Verbindungen.

Die EU hat im Januar 2015 die maximale Aufnahme von Bisphenol A pro Tag pro Kilogramm Körpergewicht von 50 auf vier Mikrogramm heruntergesetzt, also auf ein Zwölftel reduziert. Allerdings existiert noch keine evidenzbasierte Untersuchung, aber - nicht nur in der Zahnmedizin - besteht hier erheblicher Forschungsbedarf. 

"Das allergene Potenzial von Kunststoff ist deutlich größer als das von Amalgam!"

Lässt sich dies auch im Hinblick auf gesundheitliche Auswirkungen von Kompositen sagen?

Ein großes Thema sind die Allergien: Der Münchner Dentaltoxikologe Prof. Franz-Xaver Reichl hat Hunderte von Fällen dokumentiert, in denen Patienten nachweislich durch zahnärztliche Komposite Allergien entwickelt und in Einzelfällen anaphylaktisch reagiert haben.

Das allergene Potenzial von Kunststoff, also auch von Kompositen, ist generell deutlich größer als von Gold oder Amalgam. Die amerikanische wissenschaftliche Gesellschaft für Kindermedizin empfiehlt bei Schwangeren, wegen einer möglichen östrogenen Wirkung, von Kunststofffüllungen abzusehen.

Amalgam hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt und ist noch dazu preisgünstig. Doch die – quecksilberhaltige – Legierung hat nicht nur Befürworter.

17121761690193169016716901681712177 1712178 1690169
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen