US-amerikanische Studie

Auch negative Erfahrungen in der Kindheit beeinträchtigen die Zahngesundheit

Forscher aus den USA haben herausgefunden, dass sich das Risiko einer zahnmedizinischen Unterversorgung erhöht, wenn Patienten vier von elf möglichen negativen Kindheitserfahrungen machen.

US-amerikanische Forscher haben beobachtet, dass negative Kindheitserfahrungen, wie zum Beispiel emotionaler Missbrauch, Scheidung der Eltern sowie Suchterkrankungen in der Familie, in einem direkten Zusammenhang mit der Mundgesundheit stehen. Adobe Stock/akf

Die Entscheidung, ihr Kind dem Zahnarzt vorzustellen, treffen meist die Eltern. Wenn diese nicht zu einer ausreichenden Fürsorge in der Lage sind, könnten Kontrolluntersuchungen unterbleiben. Anzeichen dafür gibt es viele: Karies ist mit einer schlechten Ernährung, geringer Lebensqualität, einem geringen Familieneinkommen sowie Fehlen und schlechten Leistungen in der Schule assoziiert.

US-amerikanische Forscher haben nun untersucht, ob Personen mit negativen Kindheitserfahrungen seltener beim Zahnarzt vorgestellt wurden.

Gehen Kinder aus einem schwierigen Umfeld seltener zum Zahnarzt?

In einer Gesundheitsumfrage aus dem Jahr 2016 in South Carolina machten 7.079 Erwachsene zwischen 18 und 79 Jahren Angaben zu ihrer Kindheit. Der Katalog umfasste Fragen zu psychisch kranken Familienangehörigen, Scheidungen, Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, Inhaftierungen, häuslicher Gewalt, emotionalen Erniedrigungen oder sexuellem Missbrauch. Außerdem wurde die Anzahl der Zahnarztbesuche in der Kindheit erfragt, und ob es eine verlässliche erwachsene Vertrauensperson gab.

Wenigstens zwei Zahnarztbesuche wurden als ausreichend bewertet, weniger als zwei als unzureichend. Multivariate Regressionsmodelle wurden verwendet, um die Auswirkungen der Anzahl und Art negativer Kindheitserfahrungen und die Anwesenheit eines schützenden Erwachsenen mit unzureichender zahnärztlicher Kindheitsbehandlung zu untersuchen.

Vier oder mehr negative Erfahrungen beeinträchtigten die zahnmedizinische Versorgung

Insgesamt 71,7 Prozent aller Befragten gaben an, im Kindesalter eine angemessene zahnärztliche Behandlung erhalten zu haben, bei 28,3 Prozent war dies nicht der Fall. Die am häufigsten geschilderten negativen Kindheitserfahrungen waren emotionaler Missbrauch, Trennung oder Scheidung der Eltern und Alkoholmissbrauch.

Unter Berücksichtigung der soziodemografischen Merkmale hatten Befragte, die negative Kindheitserfahrungen in vier oder mehr Bereichen gemacht hatten, eine höhere Wahrscheinlichkeit einer unzureichenden zahnärztlichen Versorgung als Befragte, die keine schlechten Erfahrungen gemacht hatten (aOR 2,79; 95 % CI 2,77–2,82).

Personen, die in einer sicheren Umgebung unter dem Schutz eines Erwachsenen aufgewachsen waren, bei dem sie sich geborgen gefühlt hatten, waren hingegen häufiger beim Zahnarzt gewesen (aOR 0,38; 95 % CI 0,37–0,39).

Vor allem Kinder aus Familien mit Alkohol-, Drogen oder Medikamentenmissbrauch, Inhaftierungen, sowie häuslicher oder sexueller Gewalt bekamen seltener eine ausreichende zahnärztliche Versorgung.

Die Ursachen für seltenere Zahnarztbesuche bleiben unklar

Die Autoren spekulieren, dass Personen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, einen Zahnarztbesuch möglicherweise als psychisch belastend empfinden und ihn deshalb vermeiden. Auch bei sichtbaren Anzeichen von häuslicher Gewalt und körperlichen Misshandlungen wird ein Arztbesuch unter Umständen vermieden.

Die Autoren wiesen weiter darauf hin, dass durch die insgesamt 19 Fragen nur ein Teil der möglichen schwierigen Bedingungen in der Kindheit erfasst wurden. Auch sei es denkbar, dass einige der Befragten ihre persönlichen Erfahrungen nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben hätten.

Crouch E., Radcliff E., Department of Health Services Policy and Management, South Carolina Rural Health Research Center, Arnold School of Public Health, University of South Carolina, Columbia, SC, USA; Nelson J., Department of Stomatology, Division of Population Oral Health, Medical University of South Carolina, Charleston, SC, USA; crouchel@mailbox.sc.edu, Community Dent Oral Epidemiol. 2018 Oct;46(5):442-448. doi: 10.1111/cdoe.12389.

aus: IME Wissenschaftlicher Informationsdienst 01/2019

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