Poliklinik im Uniklinikum Aachen

Bergung eines Fremdkörpers – ein glasklarer Fall

Die 18 Jahre alte Patientin stellte sich mit unklaren Beschwerden submental in unserer Poliklinik im Uniklinikum Aachen vor. Anamnestisch berichtete sie, dass sie vor sieben Wochen bei einer Party unter C2-Einfluss gestürzt sei. Die primäre Wundversorgung war in einem Krankenhaus alio loco erfolgt.

Vor circa einer Woche hätte die Patientin jedoch ein schwer beschreibbares Fremdkörpergefühl im Bereich der submentalen Narbe festgestellt. Lateral der Narbe war ein hartes Fragment über eine Strecke von 2 mm palpabel. Intraoral war im Mundboden punktuell ein sehr harter Fremdkörper tastbar.

Die Hausärztin überwies die Patientin zur weiteren Abklärung in die Radiologie, wo eine seitliche Röntgenaufnahme in einer Ebene durchgeführt wurde. Dabei zeigte sich ein dreiecksförmiger Fremdkörper submental in der reklinierten Schädelaufnahme.

Es erfolgte ein DVT, um den radiologisch bereits detektierten Fremdkörper in seiner Lokalisation besser einschätzen zu können. Hierbei imponierte ein schmaler, dreieckiger Fremdkörper im Ausmaß von etwa 2 x 2 x 2 cm, welcher sich von der submentalen Kutis bis in den Mundboden erstreckte. Der untere Rand des Fremdkörpers lag auf Höhe des Os hyoideums.

Chirurgische Exploration

Bedingt durch die progressiven Beschwerden der jungen Patientin stellten wir die Indikation zur operativen Entfernung des Fremdkörpers in Lokalanästhesie. Es erfolgte die chirurgische Exploration des unbekannten Fremdkörpers. Bereits nach Durchtrennung der Kutis zeigte sich die scharfe Kante eines durchsichtigen Gegenstandes im Sinne einer Glasscherbe.

Während der weitergehenden Präparation konnte die 2,1 x 2,5 x 2,1 cm große Glasscherbe in toto aus dem submentalen Situs entfernt werden. Zirkulär um diese zeichnete sich eine bindegewebige Umbauung ab. Nach Entfernung der Glasscherbe waren die Beschwerden der Patientin sofort verschwunden und der Situs konnte problemlos verschlossen werden.

Diskussion

Laut Definition ist eine Wunde eine durch Zellschädigung, Zerstörung oder Trennung von Körpergewebe bedingter pathologischer Zustand, der mit Substanzverlust oder Funktionseinschränkung einhergeht [Protz et al., 2016]. Nach der initialen ärztlichen Sichtung und gegebenenfalls einer Blutstillung sollte eine Wunde definitiv primär chirurgisch versorgt werden.

In der Regel stellen Haut- und Weichteilverletzungen durch Glas eine Folge von Arbeits- oder Freizeitunfällen dar, wie zum Beispiel das Hineintreten in eine Glasscherbe oder das Hineingreifen in Bruchglas. Betroffen sind in diesen Fällen vor allem die oberen Extremitäten mit den Fingern oder Handinnenflächen. Verletzungen an Kopf oder Hals treten bevorzugt bei Arbeitsunfällen mit Glasscherben oder bei Verkehrsunfällen auf [Khalil et al., 2009].

Eine genaue Ursachenabklärung ist der Schlüssel zur Behandlung nicht oder schlecht heilender Wunden. So können Knochensequester Fistelgänge verursachen oder eine infizierte Fraktur führt zu einem chronischen Haut- oder Knochendefekt. Fremdkörper wie Glas oder Holz neigen zu druckempfindlichen chronischen Wunden oder Veränderungen.

Jede Wunde, die tiefer als 5 mm reicht, oder solche, bei welchen die Tiefe nicht genau beurteilt werden kann (beispielsweise sehr schmale Wunden), sind mit einem erhöhten Risiko für das Vorliegen eines Glasfremdkörpers assoziiert [Khalil et al., 2009].

Die radiologische Detektion von Fremdkörpern ist abhängig von deren Radioopazität. So ist die Erkennung von Zahnfragmenten, Glas, Asphalt, Stein oder Amalgam ohne Probleme mit einer konventionellen Bildgebung möglich, währenddessen Holz oder Plastik nicht abbildbar sind. Dafür wird Ultraschall oder die Anwendung einer Magnetresonanztomographie angeraten [Oikarinen et al., 1993]. Glas hingegen ist sowohl mit Ultraschall, konventionellen Aufnahmen, CT oder MRT darstellbar [Ginsburg et al., 1990].

Ist die Ursache der Beschwerden erst gefunden, so bestimmt die jeweilige Ätiologie den therapeutischen Ansatz. Liegt zum Beispiel die Ursache der Beschwerden in einem Glasfremdkörper wie im Fall unserer Patientin, so kann in der Regel die Wunde nach der Entfernung dieses Glasfragmentes schnell zur Abheilung gebracht werden [Berchtold et al, 2008].

Tipps für die Praxis

  • Eine ausführliche Inspektion der Wunde sollte vor jedem chirurgischen Wundverschluss erfolgen.
  • Besteht ein begründeter Verdacht auf einen Fremdkörper in der Wunde, so ist eine weiterführende Bildgebung zur Abklärung angeraten.
  • Um spätere Komplikationen wie Schmerzen oder Funktionseinschränkungen zu vermeiden, ist ein Fremdkörper immer aus einer Wunde zu entfernen.

Dr. Dr. Nora Lautner
Maurice Klein
Univ.-Prof. Dr. Dr. Frank Hölzle

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
nlautner@ukaachen.de

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