Zahnmedizin

DGI: Diese Arbeiten wurden prämiert

Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in Wien wurden drei Arbeiten ausgezeichnet: Eine Falldarstellung über 21 Jahre zur Versorgung des vorgeschädigten Implantatlagers, die Profession in der Genderperspektive und die Wechselwirkung von Knochen und Titan.

Drei Arbeiten, drei Preise: Die Auszeichnungen verdeutlichen das fachliche Spektrum der Profession. Fotolia_41975749psdesign1

Dr. Christian Ortmeier wurde in der Kategorie „Praktische Arbeit“ für seine Arbeit mit dem Titel "DVT-gestützte Implantatplanung und CAD/CAM-gefertigter Hybridaufbau bei der Versorgung des vorgeschädigten Implantatlagers - eine Falldarstellung über 21 Jahre" ausgezeichnet.

In der Kategorie „Klinische Arbeit“ überzeugten Dr. Peter Gehrke aus Ludwigshafen und Angela Boll aus Hamburg mit ihrer Arbeit "Die implantologische Profession in der Genderperspektive: Chancen und Karrierewege". Sie entwickelten einen Fragebogen, um zu ermitteln, worin die Ursachen für das zahlenmäßige Ungleichgewicht zwischen implantologisch tätigen Frauen und Männern in Deutschland liegen und ob es geschlechtsspezifische Einflüsse bei der Auswahl des Fachs Implantologie gibt.

In der Kategorie „Experimentelle Arbeit“ siegte Dr. Axel J. A. Wirthmann vom Fachkrankenhaus für Implantologie in Hamburg mit seiner Arbeit zum Thema "Wechselwirkung von Knochen und Titan - neue Einblicke in die ungewöhnliche "Hochzeit“ von Knochen und Metall". Er zeigt mithilfe röntgendiffraktometrischer Untersuchungen an sechs in menschlichem Knochengewebe des Oberkiefers osseointegrierten Implantaten, dass an der Oberfläche von rauen Titanimplantaten unter biologischen Bedingungen Perowskit (CaTiO 3) entsteht.


Abstracts der Preise

Einführung: Ästhetische Gesichtspunkte entscheiden sehr oft über den Erfolg einer implantatgestützten Restauration im Frontzahnbereich. Das Knochen- und Weichgewebsangebot beeinflusst das Langzeitergebnis. Seit vielen Jahren bewährte oralchirurgische Techniken, wie die Zystektomie nach Partsch, in Verbindung mit neueren Verfahren der Knochenregeneration und moderne Implantatmaterialien ermöglichen die Therapie solcher komplexen klinischen Fälle auch in der Praxis des niedergelassenen Zahnarztes.

Material/Behandlungsmethode: Bei der 46-jährigen Patientin musste wegen einer  Längsfraktur der Zahn 12 entfernt werden. In diesem Bereich war 21 Jahre vorher eine
Wurzelspitzenresektion mit apikalem Titanverschlussstift in Verbindung mit einer Zystektomie durchgeführt worden. Nach dreidimensionaler, präimplantologischer Diagnostik mit DVT erfolgte die Implantation eines durchmesserreduzierten Titanzirkoniumimplantats simultan mit einer membrangestützten Augmentation. Zunächst wurde das periimplantäre Weichgewebe mit einem individuell hergestellten Gingivaformer konditioniert. Nach Abformung mit einer individualisierten Abformkappe erfolgte die Eingliederung einer Glaskeramikkrone auf einem Hybridaufbau.

Ergebnisse: Die Kombination eines durchmesserreduzierten Implantats aus Titanzirkoniumoxid, aufwendiger Augmentation und Ausformung des periimplantären Weichgewebes sowie die Versorgung mit einer Lithium-Disilikatkrone auf einem Hybridaufbau zeigte ein sehr gutes funktionelles und ästhetisches Ergebnis.

Schlussfolgerung: Bei der Einhaltung eines anspruchsvollen chirurgischen und prothetischen Protokolls sind mithilfe der dreidimensionalen Planung, individueller Gingivaformer Reten sowie der Verwendung von zahnfarbenen, CAD-gefertigten Hybridaufbauten ästhetisch hochwertige und mechanisch stabile Frontzahnversorgungen zu erreichen. Aber auch bei einer chirurgisch und prothetisch aufwendigen Vorgehensweise ist das Ergebnis insbesondere im Bereich der roten Ästhetik nicht vollständig vorhersehbar.

Ortmeier C, Slomski F: DVT-gestützte Implantatplanung und CAD/CAM-gefertigter Hybridaufbau bei der Versorgung des vorgeschädigten Implantatlagers - eine Falldarstellung über 21 Jahre. Z Zahnärztl Implantol 2014;30:54–59 DOI 10.3238/ZZI.2014.0054–0059

Einführung: Bei der Betrachtung der Studienanfänger und Absolventen der Zahnheilkunde lässt sich eine steigende Frauenquote erkennen, jedoch zeigt sich bei der Berufstätigkeit von Zahnmedizinerinnen und Zahnmedizinern im Fachbereich Implantologie eine deutliche Disparität zulasten der Frauen.

Material und Methode: Es wurde ein spezieller Fragebogen entwickelt, um zu ermitteln, worin die Ursachen für das zahlenmäßige Ungleichgewicht zwischen implantologisch tätigen Frauen und Männern in Deutschland liegen, was Frauen in der Implantologie motiviert und demotiviert und ob es geschlechtsspezifische Einflüsse bei der Auswahl des Fachs Implantologie gibt.

Die Aktion umfasste 1.700 Fragebögen, die an 1.200 implantologisch tätige Frauen und 500 implantologisch tätige Männer versandt wurden. Die anonymisierte statistische Auswertung erfolgte mit SPSS (Windows) unter Zuhilfenahme von Student-t-Tests und Chi-Quadrat-Tests. Als maßgebendes Signifikanzniveau wurde die 5-%-Marke angenommen (p < 0,05).

Ergebnisse: Die Rücklaufquote der Befragung betrug 29,6 % (n = 504; 129 Männer; 365 Frauen). Die Ergebnisse der Umfrage lassen eine barrierefreie, zielgerichtete, implantologische Karriereorientierung bei Zahnärzten und einen „Motivmix“ in puncto Familie und Beruf, also eine „Vereinbarkeitsorientierung“, bei Zahnärztinnen erkennen, die es Zahnärztinnen schwerer macht, sich für das Fach Implantologie postgraduiert zu entscheiden oder es ähnlich konsequent durchzuführen wie ihre männlichen Kollegen. Frauen haben damit eine hervorragende Bildungs-, aber eine vergleichsweise schlechte Berufsbiografie.

Schlussfolgerung: Primär wichtig erscheinen die frühzeitige Integration der implantologischen Lehre in das Zahnmedizinstudium, aber auch Mentorenprogramme erfolgreicher Implantologinnen/ Mütter, die eine Beratungs- und Vorbildfunktion für Frauen einnehmen und Hilfestellung bei strategischen Karrierelaufbahnplanungen sowie in beruflichen Entscheidungs- und Konfliktsituationen leisten könnten.

Boll A, Gehrke P: Die implantologische Profession in der Genderperspektive: Chancen und Karrierewege. Z Zahnärztl Implantol 2014;30:267–287 DOI 10.3238/ZZI.2014.0267–0287

Einleitung: Osteoprogenitorzellen proliferieren an glatten Titanoberflächen und bilden eine bindegewebige Einscheidung. Raue Oberflächen beeinflussen die genetische Antwort
von Fibroblasten, was deren morphologischen Wandel in reife Osteoblasten auslöst. In seinem letzten Stadium der Differenzierung beginnt der Osteoblast mit der Produktion der
extrazellulären Matrixfasern (EM), die im Endstadium der Knochenformierung durch das biologische Molekül des Hydroxylapatits (bHA) verstärkt wird.

Material und Methode: In diesem Beitrag zeigen wir mithilfe röntgendiffraktometrischer Untersuchungen an 6 in menschlichem Knochengewebe des Oberkiefers osseointegrierten
Implantaten, dass an der Oberfläche von rauen Titan implantaten unter biologischen Bedingungen Perowskit (CaTiO 3) entsteht. In diesem Kristall ist das Calcium des Knochens ionisch gebunden und nicht kovalent, was bis 2004 jedoch angenommen wurde.
Ergebnisse: Der ionische Bindungstyp mit seinen geringeren Bindungskräften ermöglicht das vollständige Knochengewebsremodeling auch an der Implantatoberfläche, während eine kovalente Calciumbindung an/in das TiO-Kristall das Calciumion daran hindern würde, im permanenten Remodelingprozess zwischen Knochengewebe und dem Metall-Kristall frei verfügbar zu sein.

Auf der biologischen Seite bindet das positiv geladene Calciumion an die loci der Polyanionen des langkettigen Glycosaminglycans der extrazellulären Matrix, auf der Kristallseite der Implantatoberfläche an den covalent
verbundenen Titan-Sauerstoff-Komplex.

Die Elektronendichte dieses Komplexes ist signifikant höher (1,14 e Å-³) als die des Sauerstoff-Calcium-Komplexes (0,31 e Å-³), was eine isolierte Position und damit mehr ionische Bindung des Calciumatoms belegt. Der Begriff „Osseointegration" bedeutet
daher in besonderer Weise die dynamische Integration des Knochen-Calciumions im Titandioxidkristall auf der Implantatoberfläche.

Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse liefern die kristallografische wissenschaftliche Erklärung für die seit Jahrzehnten bekannte ungewöhnliche Verbindung von Titan bzw. seines Oxids mit dem biologischen Gewebe des Knochens in der Metallimplantologie. Beachtenswerterweise ist Perowskit des Titans eine in der Erdkruste weit verbreitete Verbindung, was auf eine hohe Affinität der beteiligten Atome hinweist – offenbar ein leichtes erneutes „Zusammenkommen" nunmehr im Gebiet der oralen Implantologie.

Wirthmann AJA, Paulmann C: Wechselwirkung von Knochen und Titan – Neue Einblicke in die ungewöhnliche „Hochzeit" von Knochen und Metall. Z Zahnaerztl Implantol 2014;30:288–300 DOI 10.3238/ZZI.2014.0288–0300


Die Preise wurden von der ZZI vergeben.


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