Zahnmedizin

Die älteste Füllung ist 13.000 Jahre alt!

Italienische Archäologen haben die älteste Füllung der Welt gefunden: Die Zähne zeigen, wie ein Steinzeit-Zahnarzt vor 13.000 Jahren Karies behandelt und die Kavitäten gefüllt hat.

The upper right and left first incisors (RI 1, LI1) of Riparo Fredian. (a) The RI1 in occlusal view. (b) Volume rendering of RI1 viewed from the lingual side. (c) Digital reconstruction of the RI1 with transparent dentine to show the residue; mesio-lingual view. (d) The LI1 in occlusal view; note the black patina within the cavity. (e) Volume rendering of LI1 viewed from the lingual side. (f) Digital reconstruction of LI1 with dentine in transparent to show the residue; distal view. Scale bar: a and d: 2 mm; b, c and e, f: 1cm Am J Phys Anthropol.

Location of Riparo Fredian (448 040 21” N, 108 25 007” E). (a) Topographic map of Italy, in red: Riparo Fredian. (b) Satellite view of western coast. Am J Phys Anthropol.
Teeth attributed to Fredian 5. (a) Labial view. (b) Occlusal view. From left to right: upper right canine, upper right second incisor, upper right first incisor, upper left first incisor, upper left second incisor, and upper left canine. Scale bar: 1cm Am J Phys Anthropol.
Margin of the cavities related to microwear. (a) Upper right first incisor (ID - 31). (b) Upper left first incisor (ID - 134) Am J Phys Anthropol.

Schon vor 20 Jahren hatten Archäologen in den Bergen der nördlichen Toskana in einem Gebiet namens Riparo Fredian die Zähne von sechs Menschen aus dem Neolithikum, der Jungsteinzeit, entdeckt. Das Team um Studienleiter Prof. Stefano Benazzi von der University of Bologna fand nun auf zwei Schneidezähnen Markierungen, die darauf hindeuten, dass ein spitzes Instrument - wahrscheinlich ein Stein - verwendet wurde, um die Löcher in den Zähnen zu vergrößern und Karies sowie verfallende Gewebe herauszukratzen.

Der Fund beschreibt die Arbeit eines Zahnarztes in Italien vor 13.000 Jahren

Der Fund beschreibt den Forschern zufolge damit die Arbeit eines Zahnarztes in Italien vor 13.000 Jahren: Und zwar hatte der Behandler die Kavität dann offenbar mit einem dunklen Bitumen - eine Art von natürlich vorkommenden Teer, den die Eiszeitleute zum Abdichten von Körben und Töpfen benutzten - gefüllt. Ziel dieser Behandlung war, den Wurzelkanal abzudichten.

Die Forscher fanden auch Reste von Haaren und Pflanzenfasern im Bitumen, wobei sie nicht sicher sind, welchen Zweck diese Bestandteile erfüllt haben. Eventuell sollte durch das Hinzufügen von Pflanzenfasern eine aseptische und schmerzstillende Wirkung erzielt werden. Insgesamt schienen die Zähne einen ähnlichen Prozess durchgemacht zu haben wie in der modernen Zahnheilkunde: Die Hohlräume wurden aufgebohrt und gefüllt.

Die Zähne durchliefen einen ähnlichen Prozess wie in der modernen Zahnheilkunde

Obwohl dies bisher die einzigen Zähne sind, die so behandelt wurden, glaubt Benazzi, dass es sich bei diesem Fund möglicherweise nicht um einen Einzelfall handelt. Dass Bitumen als Füllungsmaterial verwendet wurde, ist in jedem Fall eine neue Erkenntnis.

2015 hatten Benazzi und seine Kollegen bereits einen etwas älteren Zahn gefunden, der Anzeichen einer Hohlraumbohrung zeigte. Vor diesem Fund kam die älteste bekannte Verwendung einer Füllung aus Pakistan, wo Forscher einen 6.500 Jahre alten Zahn fanden, der mit einer Wachskappe gefüllt war.

Claudio Tuniz, Archäologe an der Universität von Wollongong in Australien, weist im New Scientist darauf hin, dass Forscher lange gedacht hatten, die Entwicklung der Zahnmedizin hätte begonnen, als die Menschen sesshaft wurden. Denn mit dem Aufkommen der Landwirtschaft erhöhte sich der Konsum von Getreide - Kohlenhydraten - und anderen süßen Lebensmitteln wie Honig enorm und führte zu einem dramatischen Anstieg von Karies.

Spätestens dieser Fund konterkariert jedoch diese Logik. Laut Tuniz stammen die jetzt analysierten Zähne aus einer Zeit, als viele Völker aus dem Osten in das heutige Italien wanderten und verschiedene Nahrungsmittel mitbrachten. Diese Umstellung der Ernährung könnte zur Entwicklung der Zahnheilkunde geführt haben.

Forschern zufolge besteht auch die Möglichkeit, dass es sich bei den Füllungen nicht um ein zahnärztliches Verfahren handelt, sondern dass die Menschen in der Steinzeit ihre Zähne aufbohrten, um Schmuckstücke einzufügen. Die Verwendung Bitumen sei aber ungewöhnlich und deute eher darauf hin, dass man den Zerfall der Zähne verlangsamen wollte.

Gregorio Oxilia, Stefano Benazzi et al., The dawn of dentistry in the late upper Paleolithic: An early case of pathological intervention at Riparo Fredian, in: Physical Anthropology 2017;1–16, DOI: 10.1002/ajpa.2321.




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