Chlorhexidin verändert das Speichel-Mikrobiom

Forscher raten zu vorsichtigerer CHX-Anwendung bei Patienten mit gesundem Mikrobiom

Das bereits in vielen Studien auf seine antiseptische Wirkung hin untersuchte Chlorhexidin (CHX) ist nun erstmals auf seine Wirkung auf das Speichelmikrobiom und verschiedene Plasmabiomarker untersucht worden. Es fördert einer aktuellen britischen Studie zufolge die Ansäuerung des Speichels und verringert die Verfügbarkeit von Nitrit im Speichel.

Aus den Studienergebnissen schlussfolgern die Forscher, dass die Anwendung von CHX-haltigen Mundspülungen insbesondere bei Patienten mit gesundem Mikrobiom sorgfältiger abgewogen werden sollte. Adobe Stock_Pavelis

In der kürzlich publizierten britischen Studie spülten 36 gesunde Probanden zweimal täglich über sieben Tage erst mit einer Placebo-Spülung und danach weitere sieben Tage zweimal täglich mit Chlorhexidin (CHX). Nach jeder Woche untersuchten die Wissenschaftler die Zusammensetzung des Speichelmikrobioms und die Häufigkeit bestimmter Bakterienarten. Zusätzlich entnahmen sie Speichel- und Blutproben und analysierten die pH-Werte und die Konzentrationen von Laktat, Glucose, Nitrat und Nitrit.

Während der Chlorhexidin-Spülung erhöhte sich das Vorkommen von Firmicutes und Proteobakterien signifikant gegenüber der Placebo-Phase. CHX verringerte dagegen signifikant die Häufigkeit von Bacteroidetes, TM7, SR1 und Fusobakterien. Diese Verschiebung hatte eine signifikante Abnahme des Speichel-pH-Wertes und dessen Pufferkapazität zur Folge, während gleichzeitig die Laktat- und Glukose-Spiegel im Speichel anstiegen.

Nitrit im Speichel und im Plasma nach der CHX-Spülung erniedrigt.

Nitrat wird aus dem Blutserum in den Speichel filtriert. Dort wird es von Bakterien zu Nitrit reduziert und mit dem Speichel heruntergeschluckt. So gelangt es wiederum ins Blut. Forscher nehmen an, dass Bakterienarten der Gattungen Veillonella und Actinomyces Nitrat zu Nitrit umwandeln können [Hyde et al., 2014]. CHX reduzierte das Vorkommen von Bakterien aus diesen Gattungen und so war Nitrit im Speichel und im Plasma nach der CHX-Spülung erniedrigt.

Das könnte die geringere Bioverfügbarkeit von Nitrit im Blutkreislauf der Probanden erklären. Nitrat war dagegen im Speichel erhöht. Dieser Mechanismus ist deshalb wichtig, weil Studien zeigen konnten, dass Nitrit das Wachstum von parodontalpathogenen Bakterien und damit auch deren Säureproduktion hemmt [Kilian et al., 2016; Allaker et al., 2001].

CHX-Spülungen führen zu einer geringeren mikrobiellen Diversität

Insgesamt zeigt diese Studie, dass CHX-Spülungen zu einer starken Verschiebung des Speichelmikrobioms beziehungsweise einer geringeren mikrobiellen Diversität führen. In der Folge ergeben sich daraus saurere Bedingungen und eine geringere Nitritverfügbarkeit in der Mundhöhle, wobei sich Milieu und Zusammensetzung des Mikrobioms an verschiedenen Arealen der Mundhöhle auch stark unterscheiden können. Aus den Studienergebnissen schlussfolgern die Forscher, dass die Anwendung von CHX-haltigen Mundspülungen insbesondere bei Patienten mit gesundem Mikrobiom sorgfältiger abgewogen werden sollte.

Bescos, R., Ashworth, A., Cutler, C. et al. Effects of Chlorhexidine mouthwash on the oral microbiome. Sci Rep 10, 5254 (2020). doi.org/10.1038/s41598-020-61912-4

Literatur:

  • Allaker, R. P., Silva Mendez, L. S., Hardie, J. M. & Benjamin, N. Antimicrobial effect of acidified nitrite on periodontal bacteria. Oral Microbiol Immunol 16, 253–256 (2001).
  • Baliga, S., Muglikar, S. & Kale, R. Salivary pH: A diagnostic biomarker. J Ind Soc Period. 17, 461–465 (2013).
  • Hyde, E. R. et al. Metagenomic analysis of nitrate-reducing bacteria in the oral cavity: implications for nitric oxide homeostasis. PLoS One. 9, e88645 (2014).
  • Kilian, M. et al. The oral microbiome–an update for oral healthcare professionals. Br Dent J. 221, 657–666 (2016).
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