Forscher finden Risikofaktoren für Rezidive bei Oropharynxkarzinomen

HPV-Impfung könnte auch Oropharynxkarzinome verhindern

Wissenschaftler der HNO-Abteilung des Uniklinikums Leipzig erforschten jetzt Charakteristika von Oropharynxkarzinomen, die die Prognose beeinflussen – und betonten noch einmal die Wichtigkeit der HPV-Impfung.

Die HPV-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts gleichermaßen für Mädchen und Jungen empfohlenen. AdobeStock_ Leigh Prather

Bei den HPV-Viren unterscheiden Ärzte Virustypen mit niedrigem Risiko für eine Zellveränderung/Entartung und Hochrisiko-Virustypen. Niedrigrisiko-HPViren sind vor allem die Typen 6 und 11. Sie können zu Genitalwarzen, sogenannten Condylomata acuminata, führen.

Die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 12 HPVirus-Typen als sicher karzinogen einstuft. Dazu gehören die Typen 16 und 18. Sie lösen symptomlose Zellveränderungen zum Beispiel am Gebärmutterhals aus. In HPV-bedingten Kopf-Hals-Karzinomen – insbesondere von den Tonsillen ausgehend – lässt sich mehrheitlich DNA des Hochrisiko-HPV-Typs 16 nachweisen.

Die von HPV ausgelösten Oropharynxkarzinome sprechen gut auf moderne Therapien an und Betroffene mit dieser Krebsart haben eine bessere Überlebensprognose. Das zelluläre Protein p16 wird in einem HPV-assoziiertem Kopf-Hals-Tumor vermehrt exprimiert. Der Nachweis von p16 ist mit Standardtechniken möglich und dient als Nachweis eines HPV-bedingten Tumors.

Viele Patienten erleiden trotz erfolgreicher Therapie einen Rückfall

Seit der in 2017 erschienen neuen, amerikanischen TNM-Klassifikation (Tumor, Lymph Node, Metastasis) unterscheiden Onkologen HPV-assoziierte von HPV-negativen Oropharynxkarzinomen und p16‐positive von p16‐negativen Tumoren. „Unklar war bisher, warum eine allgemein bessere Prognose nicht für alle Patienten mit p16-positivem Oropharynxkarzinom gilt.

Denn viele Patienten erleiden trotz vollständiger Entfernung des Tumors und betroffener Lymphknoten und nachfolgender Strahlentherapie einen Rückfall“, sagt Prof. Dr. Andreas Dietz, Professor für HNO-Heilkunde an der Universität Leipzig. Bei positivem Lymphknotenbefall untersuchen Pathologen, ob die Tumorzellen sich über die Kapsel des Lymphknotens hinaus ausgebreitet haben (extracapsular extension - ECE).

In der vorliegenden Kohortenstudie untersuchten die Leipziger Wissenschaftler die Präparate von 92 Patienten mit fortgeschrittenem p16-positiven Oropharynxkarzinom und Lymphknotenmetastasen. Alle Patienten waren bereits operiert worden (Neck-Dissection).

Empfehlung: Untersuchung der Lymphknotenmetastasen auf Kapseldurchbruch

Ergebnisse: 66 von 92 Patienten (71,4%) waren p16-positiv / HPV16-DNA-positiv, 62 von 92 (67%) waren ECE-positiv und 45 von 62 (72,6%) waren ECE-positiv, p16-positiv und HPV16-DNA-positiv. Die Forscher beobachteten die Patienten 60 Monate. „Eine schlechtere Prognose haben Patienten mit p16-positiven Oropharynxkarzinomen, deren Lymphknotenmetastasen eine durch das Tumorwachstum zerstörte Kapsel aufwiesen, und diejenigen, bei denen der Subtyp HPV16 nicht nachgewiesen wurde“, sagt Dr. Gunnar Wichmann, Laborleiter des HNO-Forschungslabors.

Fazit: Um eine fundierte Prognose für Patienten mit HPV-assoziierten Oropharynxkarzinomen zu stellen, sollte sowohl die pathologische Untersuchung der Lymphknotenmetastasen auf Kapseldurchbruch sowie auch der Nachweis von HPV16 einbezogen werden. Der Nachweis von p16-Positivität allein dürfe keinen Anlass zu einer veränderten Therapie geben, so erklären die Wissenschaftler.

Die Studie bekräftigt darüber hinaus die ursächlichen Zusammenhänge zwischen dem Vorhandensein von HP-Viren und der Entstehung von Oropharynxkarzinomen. Angesichts der Zunahme HPV-assoziierter Karzinome im Rachenbereich um jährlich 2,1 Prozent sollten Patienten vermehrt auf die präventive Wirkung der von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts gleichermaßen für Mädchen und Jungen empfohlenen HPV-Impfung hingewiesen werden. Die für Oropharynxkarzinome ursächlichen Viren sind die gleichen HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome auslösen.

Freitag J , Wald T, Kuhnt T, Gradistanac T, Kolb M, Dietz A, Wiegand S, Wichmann G. Extracapsular extension of neck nodes and absence of human papillomavirus 16-DNA are predictors of impaired survival in p16-positive oropharyngeal squamous cell carcinoma. Cancer 2020 May 1; 126(9): 1856-1872. DOI: 10.1002/cncr.32667

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