Frühjahrstagung von DAZ und VDZM

Im Fokus: Antibiotikaverordnung in Zahnarztpraxen

Die zu häufige Verschreibung von Antibiotika in zahnärztlichen Praxen war Thema der Frühjahrstagung von DAZ und VDZM. Die Botschaft: Zu viele Verordnungen sind problematisch, da bei einem breiten Einsatz von Antibiotika Bakterien oft schon nach wenigen Jahren resistent reagieren.

Archivbild aus dem Artikel "50 Jahre Clindamycin" (zm19/2017, 01.10.2017). zm-sf

Die Apothekerin Dr. Constanze Schäfer bereitete das Thema auf der diesjährigen gemeinsamen Frühjahrstagung der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) im Mai in Frankfurt auf. Fast jede zehnte Antibiotikaverordnung in Deutschland wird von Zahnärzten ausgestellt, sagte sie. Die Verordnungen sind nach ihren Angaben deshalb problematisch, weil nachweislich bei einem breiten Einsatz eines Antibiotikums Bakterien auf verschiedenste Weise schon nach wenigen Jahren resistent reagieren. Aufgrund des eintretenden Wirkungsverlusts des Medikaments muss dann auf ein Reserveantibiotikum zurückgegriffen werden, welches eigentlich nur bei schwerwiegenden Infektionen eingesetzt werden sollte.

So verordnen Zahnärzte häufig das Reserveantibiotikum Clindamycin. Zwar hat sich die Verordnung dieses Medikaments nach den im Arzneiverordnungsreport veröffentlichten Daten erfreulicherweise von 40 Prozent (2013) auf 29 Prozent (2017) reduziert. Aber dennoch gehen immer noch 60 Prozent aller Clindamycin-Verordnungen zu Lasten von Zahnärzten. Schäfer wies darauf hin, dass es keine Vergleichsstudien gibt, die bei zahnärztlichen Indikationen eine Überlegenheit dieses Antibiotikums gegenüber den Standardantibiotika belegen.

Information der Bundeszahnärztekammer zu Antibiotikaverordnungen:

Die BZÄK verweist in diesem Zusammenhang auf die Positionen der Arzneimittelkommission Zahnärzte (AKZ), die sich mit den Informationen des Referats in Frankfurt decken. Das heißt: Clindamycin ist nur ein Reserveantibiotikum, darauf sollten Zahnärzte weiter hingewiesen werden. Eine Allergietestung ist dazu hilfreich. Das Beispiel mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber ist nach Ansicht der BZÄK eher unglücklich gewählt, da die Gabe eines Antibiotikums in diesem Falle zu besonders schweren Nebenwirkungen führen kann. In der Zahnheilkunde gibt es zudem nur wenige Infektionen, die durch Viren verursacht werden.

Die AKZ informiert regelmäßig über unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs) zu zahnärztlich angewendeten Arzneimitteln. Dazu gehört auch die Verwendung von Clindamycin. Vor kurzem gab sie bekannt, dass die UAWs zu Clindamycin in 2016 erstmals rückläufig waren. Clindamycin wird seit mehr als 50 Jahren im zahnmedizinischen Bereich häufig angewendet, obwohl es relativ oft mit unerwünschten Wirkungen verbunden ist. Die Studienlage ist mager, es gibt nur wenige umfangreiche klinische Studien.

Ursächlich für die Verordnungsauswahl der Zahnärzte könnten vermutete Allergien sein. Viele Patienten geben auf dem Anamneseformular in der Zahnarztpraxis an, auf Penicilline allergisch zu reagieren, erläuterte Schäfer. Bei Viruserkrankungen, etwa dem Pfeifferschen Drüsenfieber, verordnen Ärzte im Fall von sekundären bakteriellen Infektionen Antibiotika. Tritt ein Exanthem auf, wird dieses häufig als Zeichen einer Arzneimittelallergie interpretiert. Tatsächlich sind jedoch viele dieser Exantheme durch die Viruserkrankung selbst und nicht durch das Antibiotikum verursacht. Daher ist es sinnvoll, die Patienten zu bitten, bei Vermutung einer Penicillinallergie dies vom Hausarzt abklären zu lassen. Die Testung ist wenig aufwendig und eine tatsächlich diagnostizierte Allergie wird dann im Allergiepass dokumentiert.

Die Arzneimittelkommission Zahnärzte informiert:

Der folgende Beitrag berichtet über unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs) zu zahnärztlich angewendeten Arzneimitteln, die im Laufe des Jahres 2016 von Zahnärzten gemeldet wurden.

mehr

Antibiogramme haben in der zahnärztlichen Praxis laut Schäfer eine geringe Bedeutung. In der Regel ergeben sie ohnehin nur den Hinweis auf die Wirksamkeit der Standardantibiotika, wie Amoxicillin mit oder ohne Clavulansäure oder in Kombination mit Metronidazol. Die Therapiedauer, so Schäfer, sollten Zahnärzte ebenfalls in den Blick nehmen. Als Standardempfehlung gilt derzeit nicht mehr eine festgelegte Einnahmedauer, sondern die Empfehlung, das Antibiotikum nach Abklingen der Symptome noch 48 Stunden weiter einzunehmen und es dann abzusetzen.

Weiterführende Literatur:
- Leitlinie: Allergologische Diagnostik von Überempfindlichkeitsreaktionen auf Arzneimittel
- Leitlinie:
Odontogene Infektionen

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