Start-up entwickelt Schnelltest

Kaugummi warnt: Vorsicht, Peri-Implantitis!

Gesucht: Ein Schnelltest, der minutenschnell Auskunft darüber gibt, ob im Mundraum eine Entzündung vorliegt. Ein Startup aus Baden-Württemberg setzt auf einen Sensor, den wir immer dabeihaben – die Zunge.

Wir wollten die Diagnostik verschlanken und sind dabei auf einen Sensor gekommen, den der Mensch 24/7 dabei hat“, berichtet Dr. Heinrich Jehle, Mitgründer der 3a-diagnostics GmbH. „Bisher musste der Patient zum Arzt, es wurde ein Abstrich genommen, die Untersuchung auf das Vorhandensein pathogener Keime wurde in einem Zentrallabor durchgeführt und einige Tage später hatte man das Ergebnis.“ Nun kann man binnen zwei Minuten bestimmen, ob entzündungsauslösende Bakterien vorliegen.

Der Test ist als Diagnose-Unterstützung in der Arztpraxis und für zu Hause gedacht und insbesondere für die Zahnmedizin interessant. So kommt der Kaugummi als erstes für die Früherkennung von Peri-Implantitis auf den Markt, als weitere Anwendung soll ein modifizierter Kaugummi zur Parodontitisdiagnostik folgen. Im Idealfall soll der Kaugummi bereits kurz nach dem Setzen eines Zahnimplantats zum Einsatz kommen, um möglichst frühzeitig Infektionen und eine Verschiebung der Mundflora hin zu einem höheren Anteil parodontalpathogener Bakterien zu erkennen.

Bitterer Geschmack als Warnsignal

Und so geht’s: Der Patient kaut den Kaugummi, stellt er einen bitteren Geschmack fest, liegt eine Entzündung vor. Jehle erklärt das Prinzip: „Im Kaugummi ist Bitterstoff eingehüllt, der von einer Peptidkette umhüllt ist. Nur wenn die entsprechenden Enzyme vorhanden sind, die beim Auftreten einer spezifischen Erkrankung auftreten, wird dieser Bitterstoff aus der Peptidkette herausgelöst und für den Tester schmeckbar. Den bitteren Geschmack erkennen Menschen als Warnsignal.“

Sind keine durch den Test zu detektierenden pathogenen Bakterien vorhanden, bleibt der Geschmack des Kaugummis neutral. Klingt einfach, aber dahinter liegen mehr als fünf Jahre Forschung, die 2013 an der Uni Würzburg begann. Im vergangenen August erfolgte die Gründung der 3a-diagnostics GmbH in Frickenhausen. Das Start-up-Team aus Chemikern und Pharmazeuten besteht aus vier Vollzeitkräften und einem Teilzeitmitarbeiter.

Zurück in die Steinzeit 

Auf der Suche nach potenziellen Investoren machte Jehle eine amüsante Beobachtung: „Mit unserer Idee gehen wir quasi in die Steinzeit zurück, denn wir bieten keine App, sondern brauchen ‚nur‘ die Zunge.“ Das hätte investitionsfreudige Interessenten durchaus irritiert.

Doch nun ist ein Geldgeber gefunden, dessen Name Jehle allerdings noch nicht veröffentlichen möchte. Nur so viel mag er verraten: „Er kommt aus dem Gebiet der Zahnheilkunde. Wir brauchen auch sein Marktwissen, um den Marktzugang zu bekommen.“ Patente sind erteilt, der Antrag für die Medizinprodukte-Zulassung läuft. „Wir wollen Ende des ersten Quartals 2021 startklar sein“, versichert Jehle.

Der Kaugummi soll frei verkäuflich in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich sein. Der Preis steht noch nicht fest: „Auf jeden Fall wird es sich um einen einstelligen Eurobetrag handeln“, sagt der 3a-diagnostics-Geschäftsführer. Er führt Vergleiche an: „Die Kosten für unseren Kaugummi sind sehr viel niedriger als für bestehende Labortests. Ein Labortest Parodontitis kostet derzeit zum Beispiel zwischen 60 und 120 Euro, da sind unter zehn Euro durchaus attraktiv.“

Laut seinen Angaben ist der Kaugummi weltweit der erste seiner Art. „Es ist kein Me-too-Produkt, wir sind weltweit die Ersten, die die Zunge als Sensor für einen medizinischen Test einsetzen.“ Rein optisch wird der Test-Kaugummi unscheinbar sein: „Wir planen ihn als dünnen, cremefarbenen Film.“

Made in Germany 

Läuft alles nach Plan, wird der Kaugummi „Made in Germany“ sein. „Derzeit laufen Vertragsverhandlungen mit einem Partner im bayerischen Raum.“ Ein Blick in die Zukunft macht den Geschäftsführer zuversichtlich: „Für 2022 planen wir die Marktreife eines Parodontitis-Kaugummis. Wir arbeiten auch an einem Test-Kaugummi für die Diagnose von Mandelentzündungen. Auch Influenza wäre für die Zukunft interessant. Bei Grippe-Epidemien helfen Wirkstoffe oft nur in einem sehr frühen Stadium, wenn der Patient noch gar nicht weiß, dass er erkrankt ist.“

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