US-Studie

Kein Schutz vor Karies bei Fluorid-freier Mundhygiene

Karies zählt zu den häufigsten Krankheiten weltweit. Es gibt verschiedene Auffassungen darüber, wie die Erkrankung unter Kontrolle gebracht werden kann: zum einen durch eine verbesserte Mundhygiene und zum anderen durch die Beseitigung von Defekten im Zahnschmelz. Hier wurde der Effekt einer intensiven Plaqueentfernung auf den Kariesindex untersucht.

Сергей Кучугурный

Kariesfrei durch saubere Zähne oder durch defektfreien Zahnschmelz?

Die Mundhygienehypothese postuliert, dass Biofilme auf Zahnoberflächen aus Kohlenhydraten der Nahrung Säuren produzieren, die den Zahnschmelz demineralisieren und ermöglichen, dass kariogene Bakterien in das Dentin und die Pulpa eindringen.

Demnach verhindert das mechanische Entfernen des Biofilms von Zahnoberflächen mit Zahn- und Interdentalbürsten Zahnkaries. Im Gegensatz dazu geht die Zahndefekthypothese davon aus, dass Zahnkaries in mikroskopisch kleinen Rissen oder Spalten in den Zähnen beginnt.

Auch hier wird angenommen, dass der Biofilm innerhalb der Zahndefekte in Gegenwart von Kohlenhydraten aus der Nahrung kariogen wird. Er wird jedoch nicht mit der Zahnbürste erreicht, so dass die Mundhygiene hier unwirksam ist. Dieser Hypothese zufolge müssten sich Präventionsmaßnahmen darauf konzentrieren, die Bildung von Zahndefekten während der Odontogenese zu verhindern sowie Defekte zu versiegeln oder chirurgisch zu beseitigen.

Um die Bedeutung dieser Hypothesen für die Kariesentstehung näher zu untersuchen, wurde eine systematische Übersicht der Literatur erstellt, die sich mit dem Effekt der Mundhygiene auf den Kariesindex befasst. Da Fluoride bei der Zahnpflege stark antikariogen wirken, wurde darauf geachtet, dass sich Test- und Kontrollgruppen nicht hinsichtlich der Verwendung fluoridierter Produkte unterschieden.

Drei randomisierte Studien gingen in die Meta-Analyse ein, zusätzlich wurden vier nicht randomisierte Studien für Sensitivitätsanalysen beibehalten. Bei diesen Studien wurde der Effekt einer regelmäßigen gründlichen Entfernung von Plaques bei identischer Verwendung von Fluoriden in Test- und Kontrollgruppen untersucht.

Veränderungen der Mundhygiene bei identischer Verwendung von Fluoriden haben keinen Effekt auf Dentalkaries

Zwei der drei Studien stammten aus den USA, eine aus dem Vereinigten Königreich. Sie umfassten insgesamt 743 Teilnehmer zwischen 10 und 13 Jahren, die für eine Dauer von 29 bis 36 Monaten beobachtet wurden. Zwischen den drei randomisierten Studien war keine Heterogenität zu beobachten (c2 = 1,88 (df = 2), p = 0,390).

Ein lineares Paneldatenmodell mit zufälligen Effekten (random effects model) zeigte, dass die Mundhygiene-Interventionen die Kariesinzidenz nicht beeinflusste (Kariesindex DMFS = ‑0,11; 95% CI -0,91 bis 0,69).

Zwei der Studien hatten signifikante Reduktionen beim Auftreten von Gingivitis beobachtet, eine Analyse nur dieser beiden Studien (n = 522) lieferte für Karies unveränderte Ergebnisse (DMFS = -0,34; 95% CI -1,59 bis 0,91; p = 0,60). Zwei weitere nicht randomisierte Studien beschrieben ein erhöhtes Kariesrisiko, und zwei ein verringertes Kariesrisiko.

Eine dieser Studien war von kommerziellen Sponsoren finanziert worden und beschrieb einen höchst signifikanten positiven Einfluss der intensivierten Mundhygiene auf Zahnkaries. Bei Betrachtung aller sieben Studien führte diese Studie zu einer signifikanten Heterogenität (c2 = 17,41 (df = 6), p < 0,01). Dennoch zeigte ein Random-Effects-Modell keinen signifikanten Vorteil der konsequenten Plaqueentfernung in Bezug auf die Kariesreduktion (SD = -0,08; 95% CI -0,27 bis 0,10, p = 0,39).

Schutz der Zähne durch Vitamin D und bessere Gesundheit

Der dramatische Rückgang von Karies in wohlhabenderen Ländern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird der oben beschriebenen Defekthypothese nach der verbreiteten Supplementierung von Vitamin-D und nationalen Impfprogrammen zugeschrieben.

Defektfreie Zahnoberflächen führen demnach zu einer größeren Resistenz gegen Zucker und Bakterien. Die Autoren nehmen an, dass Zahndefekte das Auftreten von Karies trotz Trinkwasserfluoridierung und einer geringeren Zuckeraufnahme erklären. Sie spekulieren weiter, dass bei der Mundhygiene verwendete Fluoride möglicherweise durch die Mundschleimhaut aufgenommen werden und eine systemische Wirkung erzielen. Dies würde ihrer Meinung nach erklären, wie Fluorid Zahnkaries vermeiden kann, obwohl es den Zahnbelag kaum durchdringt.

Die Autoren betonen den Stellenwert der Mundhygiene für die Verabreichung von Fluorid, die Reduzierung von Gingivitis sowie der Entfernung von Nahrungsmittelresten und warnen davor, fluoridfreie Produkte zu verwenden.

Fazit

Die Ergebnisse der Meta-Analyse von drei kontrollierten klinischen Studien widersprechen der Hypothese, dass eine verbesserte Mundhygiene ohne Fluoride das Risiko von Dentalkaries verringert. Die konsequente Entfernung von Plaques führte zu einem Rückgang von Gingivitis, hatte auf den Kariesindex jedoch keinen Einfluss. Demnach wirkt sich die Mundhygiene allein nicht auf das Kariesgeschehen aus, für die Prävention von Karies ist die Verwendung fluoridierter Produkte notwendig.

Hujoel PP1, Hujoel MLA2, Kotsakis GA3;

1Department of Oral Health Sciences, School of Dentistry & Department of Epidemiology, School of Public Health, University of Washington, Seattle, WA, USA. 2Department of Biostatistics, Harvard T. H. Chan School of Public Health, Boston, MA, USA. 3Department of Periodontics, School of Dentistry, University of Washington, Seattle, WA, USA.

Gerodontology. 2018 May 15. doi: 10.1111/ger.12331.

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