Zahnmedizin

Kleinkinder müssen zwei Mal im Jahr zum Zahnarzt

Je früher Kinder das erste Mal zum Zahnarzt gehen, desto geringer ist der Kariesbefall der Milchzähne. Dies ist das Ergebnis des Präventionsprogramms der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum Jena und dem Erstbesuchsdienst der Stadt Jena.

Neben der Beratung durch den Erstbesuchsdienst der Stadt Jena gehörte die zahnärztliche Untersuchung der Kleinkinder am UKJ zum Programm "Vorsorge vor der Sorge". UKJ/ Heinrich-Weltzien

Das Projekt ist in dieser Kooperationsform deutschlandweit bislang einzigartig. Seit Juli 2009 wurden 512 Jenaer Familien erfolgreich dafür sensibilisiert, frühzeitig auf die Mundhygiene ihrer neugeborenen Kinder zu achten. Hauptergebnis der Studie: Zähne von teilnehmenden Kindern zeigen deutlich weniger Kariesbefall als die der Nichtteilnehmer.

Optimale Pflege der Milchzähne durch frühzeitige Aufklärung der Eltern

Vier Jahre nach dem Start des Präventionsprogramms wurde der Einfluss des Projekts auf die Mundgesundheit der heute drei- bis vierjährigen Kinder analysiert. „Wir haben gezeigt, dass eine frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung der Eltern für eine optimale Pflege der Milchzähne und für den Zahnarztbesuch im ersten Lebensjahr der Kinder sorgen kann“, erklärt Prof. Roswitha Heinrich-Weltzien von der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am UKJ.

Erhöhtes Kariesrisiko macht bis zu vier Zahnarztbesuche notwendig

Projektleiterin Dr. Yvonne Wagner appelliert an alle Eltern bereits im ersten Lebensjahr ihren Nachwuchs beim Zahnarzt vorzustellen und die Milchzähne ab dem Zahndurchbruch zu pflegen. „Die Studie zeigt, dass bei einem erhöhten Kariesrisiko bis zu vier Zahnarztbesuche notwendig sein können, um den Kariesbefall der Milchzähne zu verhindern“, so Wagner.

20 Prozent der unter Dreijährigen haben Karies

Vielen Eltern sei nicht bewusst, dass Kleinkinder bereits vor ihrem dritten Lebensjahr das erste Mal zum Zahnarzt gehen sollten. So haben bereits bis zu 20 Prozent der unter Dreijährigen Karies. ECC dürfe nicht unterschätzt werden. Im schlimmsten Fall könne dadurch in kurzer Zeit das gesamte Gebiss zerstört werden.

Um ECC vorzubeugen, wurde 2009 das Präventionsprogramm „Vorsorge vor der Sorge“ initiiert. Neben der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) unterstützten auch mehrere Unternehmen dieses Projekt. „Die Zusammenarbeit zwischen dem Erstbesuchsdienst der Stadt und dem Universitätsklinikum verlief reibungslos“, bestätigt Frank Schenker, Bürgermeister für Familie und Soziales der Stadt Jena.

Der Erstbesuchsdienst informiert die Eltern aller Neugeborenen in Jena kurz nach der Geburt darüber, wie sie zur gesunden Entwicklung ihrer Kinder beitragen können. „Jede Berufsgruppe, seien es die von den Kinderzahnärztinnen geschulten Hebammen, Sozialarbeiter oder Krankenschwestern des Erstbesuchsdienstes bei der umfassenden Beratung der Familien oder die Kinderzahnärztinnen am UKJ bei der zahnärztlichen Untersuchung der Kinder in der Poliklinik, hat ihren eigenen wichtigen Beitrag für den Erfolg des Präventionsprogramms geleistet“, bestätigt Schenker. Heinrich-Weltzien betont zudem die gute Zusammenarbeit mit Dr. Monika Rudisch, Zahnärztin des Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienstes der Stadt Jena.

Neben den kurzfristigen Ergebnissen werden auch die Langzeitauswirkungen beobachtet. Deshalb werden 2016 alle teilnehmenden und auch die nichtteilnehmenden Familien wieder zu einer zahnärztlichen Untersuchung der Kinder in die Poliklinik eingeladen. „Mit dieser erneuten Untersuchung der Kinder können wir dann erkennen, welchen Einfluss die frühzeitigen präventiven Maßnahmen auf die Kariesentwicklung beim Wechselgebiss besitzen“, erklärt Wagner.

ECC hat in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Dabei konzentriert sich das Erkrankungsrisiko auf Bevölkerungsschichten mit niedrigem sozialem Status: Zwei Prozent dieser Kinder vereinen 52 Prozent der Karies auf sich.