In-vivo-Studie

Langzeit-Folgen von zinnhaltiger Mundspülung auf das Speichelmikrobiom

Zinnfluoridverbindungen in Mundspüllösungen und Zahnpasten können vor Erosionen schützen. Doch wie wirkt sich deren Anwendung langfristig auf die bakterielle Zusammensetzung des Speichels aus?

Die Studie zeigt: Die längere Anwendung einer zinnhaltigen Mundspülung schützt vor Erosionen. Adobe Stock_Chris Tefme

Zinnverbindungen in Kombination mit Fluorid in Mundpflegeprodukten wie Zahnpasta oder Mundspüllösungen haben bereits in zahlreichen Studien eine Schutzwirkung gegenüber Erosionen gezeigt. Sie bilden einen Schutzfilm auf der Zahnoberfläche, aus dem sich unter sauren Bedingungen Zinnionen in die obere Schmelzschicht einlagern. Zinnionen haben aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften eine protektive Wirkung gegen Karies und Parodontitis.

Bisher gibt es allerdings keine Erkenntnisse darüber, wie sich die bakterielle Zusammensetzung des Speichelmikrobioms bei längerer Anwendung zinnfluoridhaltiger Mundspüllösungen verhält. Wird das Keimspektrum im Biofilm nachhaltig verändert? Und wenn das der Fall sein sollte, wohin verschiebt sich die Zusammensetzung? Hilfreich wäre – wie bei der kurzfristigen Anwendung auch - eine selektive Verringerung der pathogenen Mikroorganismen.

Material und Methode

Die Wissenschaftler rekrutierten für die Test- und die Kontrollgruppe jeweils 27 Probanden. Die Teilnehmer der Testgruppe benutzten eine zinnfluoridhaltige Zahnpasta (Natriumfluorid/Zinnionen= 1.450 ppm F - / 3.500 ppm Sn2+) und eine zinnfluoridhaltige Mundspüllösung (Aminfluorid/Natriumfluorid= 500 ppm F- + Zinnchlorid= 800 ppm Sn2+), die der Kontrollgruppe lediglich eine fluoridhaltige Zahnpasta ohne Zinnionen (1.500 ppm).

Die Wissenschaftler bestellten die Probanden halbjährlich über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren zur klinischen Untersuchung (Zahnerosionen, Kariesindex) mit PZR ein. Am Beginn und am Ende der Studie nach drei Jahren nahmen sie den Probanden Speichelproben ab, um Veränderungen am Speichelmikrobiom zu überprüfen.

Ergebnisse

In der Hochdurchsatz-Sequenzierung detektierten die Wissenschaftler folgende Gattungen am häufigsten: Streptococcus (TG [Testgruppe] 14,3 Prozent, CG [Kontrollgruppe] 13,0 Prozent ), Veillonella (TG 11,3  Prozent; CG 10,9  Prozent), Prevotella (TG 7,0  Prozent; CG 9,8  Prozent), Haemophilus (TG 6,6  Prozent; CG 7,2  Prozent), Porphyromonas (TG 5,9  Prozent, CG 5,1  Prozent), Leptotrichia (TG 5,8  Prozent; CG 4,9  Prozent), Actinomyces (TG 4,0 Prozent; CG 4,6 Prozent) und Neisseria (TG 5,4 Prozent; CG 4,2  Prozent).

Die Bakterienvielfalt im Speichel war in der Anfangsmessung und bei der nach drei Jahren in beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich. Die Gattungen Prevotella fanden die Forscher allerdings in der Kontrollgruppe signifikant häufiger, Neisseria und Granulicatella - also Gattungen, die gesundheitsassoziiert sind - signifikant häufiger in der Testgruppe.

Fazit

Die Forscher fanden nach dreijähriger Anwendung zinnfluoridhaltiger Mundspülung und Zahnpasta ein Speichelmikrobiom vor, das dem von oral-gesunden Menschen entspricht. Die längere Anwendung solcher Mundhygieneprodukte zum Schutz vor Erosionen kann als sicher beziehungsweise als für die Mundgesundheit vorteilhaft angesehen werden.

Anderson, A.C., Al-Ahmad, A., Schlueter, N., C. Frese, E. Hellwig und N. Binder: “Influence of the long-term use of oral hygiene products containing stannous ions on the salivary microbiome – a randomized controlled trial.“ Sci Rep 10, 9546 (2020). doi.org/10.1038/s41598-020-66412-z

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