Studie

Mundkrebspatienten haben eine veränderte Mundflora

Patienten, die an einem Karzinom der Mundschleimhaut - wie dem Plattenepithel - erkrankt sind, haben eine andere Zusammensetzung der Mundflora als gesunde Patienten. Das fanden jetzt Wissenschaftler der Arbeitsgruppe um Hongsen Zhao an der Jiao Tong Universität in Shanghai heraus.

Initialbefund Mundbodenkarzinom (aus dem Beitrag "Das Mundhöhlenkarzinom" in zm 23/2012) Foto: K.-D.Wolff-TU München

Die Wissenschaftler analysierten die Zusammensetzung der Mundflora von 40 Probanden mit einem Plattenepithelkarzinom im Vergleich zu gesunden Patienten. Zur Untersuchung der einzelnen Bakterienstämme verwendeten sie ein hochmodernes Verfahren des Next Generation Sequencing (NGS), das mithilfe des Illumina-MiSeq-Systems arbeitet. Damit konnten sie mehr als fünf Millionen bakteriellen Genomen bearbeiten. Die Forscher detektierten insgesamt elf Bakterienstämme, 130 Bakteriengattungen und nahezu 390 verschiedene Bakterienspezies in ihren gewonnenen Proben.

Pro Probe wurden mittels der Analyse des 16S-rRNA-Gens rund 200 Bakterienarten verifiziert. Am häufigsten wurde Neisseria flavescens im Untersuchungsmaterial von Krebspatienten (Anteil 10,7 Prozent) und gesunden Probanden (Anteil 12,2 Prozent) gefunden. Die am häufigsten nachgewiesenen Bakterienstämme waren Actinomyces odontolyticus, Prevotella-, Streptokokken- und Fusobakteriumarten.

Die Untersuchungsergebnisse zeigten jedoch sehr deutlich, dass sich die Zusammensetzung des Mikrobioms von Krebspatienten deutlich von dem gesunder Probanden unterschied: So konnten Spirochäten, Fusobakterien und Bakterien vom Stamm Bacteroidetes bei Krebspatienten wesentlich häufiger nachgewiesen werden. Außerdem wurden die Stämme Firmicutes und Actinobacter bei Krebspatienten signifikant weniger gefunden. Dies sei auch für die Genera Streptokokkus und Rothia bestätigt worden, heißt es in der Studie.

Co-occurrence and co-exclusion analysis of bacterial genera. Pearson correlations among the top 30 most abundant bacterial genera were calculated and analyzed; groups are shown on the left and right. Correlation values ranged from −1.00 (green) to 1.00 (red). | Copyright Zhao

Wenn man nun die detektierten Arten aus dem Material der Krebspatienten den Proben der Gesunden gegenüberstellt, so zeigte sich deutlich, dass die an Krebs erkrankten Patienten insgesamt 39 Bakterienarten signifikant vermehrt und 28 Arten signifikant seltener aufzeigten. Die Wissenschaftler schreiben den Bakterienarten Porphyromonas gingivalis und Fusobacterium nucleatum das größte Potenzial zu, mit der Entstehung von Krebs in der Mundhöhle zu korrelieren. Bereits beim Pankreas- und kolorektalen Karzinom sei eine Assoziation mit der Besiedelung durch diese Bakterienarten beobachtet worden.

Bakterienklassen, die mit Parodontitis verbunden sind, treten bei Krebspatienten vermehrt auf

Die Forscher betrachteten in den Proben der Krebspatienten auch Bakterienklassen, die der Genese einer Parodontitis zugeschrieben werden: Hier zeigte sich, dass auch diese vermehrt vorhanden waren (wie Fusobacterium, Dialister, Peptostreptococcus, Filifactor, Peptococcus, Catonella und Parvimonas).

Das Fazit der Wissenschaftler: „Unsere Studie offenbart deutliche Veränderungen in den Oberflächenbakteriengemeinschaften des oralen Mikrobioms bei Patienten mit Plattenepithelkarzinomen. Die Ergebnisse treiben daher das Wissen um die Assoziation zwischen oralen Bakteriengemeinschaften und Mundkrebs deutlich voran.“

Noch ist jedoch nicht eindeutig geklärt, ob die deutliche Dysbalance des Mikrobioms der Mundhöhle der Entstehung von Mundkrebs Vorschub leistet, oder sie letztendlich eine Folge der Krebserkrankung darstellt.

Hongsen Zhao, Min Chu et al: Variations in oral microbiota associated with oral cancer; 2017; doi: 10.1038/s41598-017-11779-9

Die Studie im Original finden Sie hier.

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