Leitlinienprogramm Onkologie

Neue interdisziplinäre S3-Leitlinie zu Kehlkopfkrebs veröffentlicht

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat erstmals eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom) vorgelegt.

Das Larynxkarzinom ist die dritthäufigste Krebsart im Kopf-Halsbereich - Männer sind siebenmal häufiger betroffen als Frauen. Adobe Stock/medistock

„Vor allem die Entscheidung über ein an die spezielle Situation angepasstes Therapieverfahren beim Kehlkopfkrebs erfolgt bislang immer noch sehr unterschiedlich“, erklärt der Koordinator der Leitlinie, Prof. Friedrich Bootz von der Universitätsklinik Bonn. „Die Leitlinie legt die Grundlage für eine verbesserte Entscheidungsfindung über die optimale Behandlung im individuellen Fall.“

Mehr als der Hälfte der Tumoren im Kopf-Halsbereich sind zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits lokal fortgeschritten und benötigen laut der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) interdisziplinär abgestimmte komplexe Therapieverfahren.

Unterschiedliche Behandlungsstrategien - je nach Lage und Stadium des Tumors

Die Kombination der einzelnen Therapie-Modalitäten haben laut den Leitlinienautoren zu einer Entwicklung verschiedener Behandlungsstrategien des Larynxkarzinoms in Abhängigkeit von der Lokalisation und dem Stadium des Tumors geführt:

Grund­sätz­lich werde bei chirurgisch entfernbaren Tumoren laut den Leitlinienautoren die opera­tive Behandlung empfohlen. Bei fortgeschrittenen Tumoren könne zusätzlich eine adjuvante Radiotherapie/Radiochemotherapie hinzugefügt werden.

Bei nicht resektablen Tumoren oder bei Patienten, die keine Operation wünschen könne zudem eine primäre Radiochemotherapie erfolgen gegebenenfalls - bei Therapieversagen - gefolgt von einer Operation. Auch eine Induktionschemotherapie plus Operation/Radiotherapie/Radiochemotherapie könne  bei fortgeschrittenen Karzinomen eine therapeutische Option sein.

Hintergrund Larynxkarzinom

Das Larynxkarzinom ist die dritthäufigste Krebsart im Kopf-Halsbereich. Es tritt vorwiegend bei Männern auf, sie sind siebenmal häufiger betroffen als Frauen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 3.600 Männer und 500 Frauen an einem Kehlkopfkarzinom. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen chronischer Alkohol- und Tabakkonsum. Verdacht auf das Vorliegen eines Larynxkarzinoms besteht bei länger anhaltenden Veränderungen der Stimme und des Schluckens mit Fremdkörpergefühl.

Die Leitlinie enthält Empfehlungen zur Auswahl und Durchführung dieser verschiedenen Strategien. Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen (nicht metastasiertem) Larynxkarzinomen ist zum Beispiel laut Leitlinienautoren das Gesamtüberleben nach primärer Radiochemotherapie statistisch signifikant besser als nach alleiniger Radiotherapie. Deshalb empfiehlt die Leitlinie in diesen Fällen die Radiochemotherapie als Therapiestandard.

Interdisziplinäre Konzepte auch bei der Nachsorge unabdingbar

„Die verschiedenen Behandlungsstrategien beim Kehlkopfkrebs sind jeweils mit spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden. Vor Behandlungsbeginn ist es deshalb wichtig, im interdisziplinären Dialog für jeden Patienten das individuell bestmögliche Konzept zu ermitteln. Da mehrere Funktionen, wie Stimmbildung, Schlucken und Atmung beeinträchtigt sein können, müssen den Betroffenen die möglichen Störungen, die nach einem solchen Eingriff entstehen können, detailliert erklärt werden“, betont Prof. Susanne Singer von der Universitätsmedizin Mainz, die für die Evidenzrecherche dieser Leitlinie verantwortlich war.

Außerdem sollten die Patienten unter Einbeziehung von Logopäden und Patientenbetreuern der Selbsthilfegruppen frühzeitig über die verschiedenen Reha-Möglichkeiten informiert werden. Denn die Patienten würden davon profitieren, wenn zum Beispiel nach der Therapie das Schlucken so früh wie möglich trainiert wird.

Darüber hinaus sei die berufliche Rehabilitation nach Kehlkopfkrebs durch die funktionellen Einschränkungen eine besondere Herausforderung und sollte von Therapiebeginn an bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. „Das setzt auch eine sofortige und langfristige bedarfsorientierte psychoonkologische und psychosoziale Versorgung voraus“, so Singer.

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) hat die Arbeit an der Leitlinie federführend betreut - insgesamt waren 20 Fachgesellschaften und Organisationen an der Entwicklung beteiligt.

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