Leipziger Forscher setzen auf "Kurz-Chemotherapie"

Neuer Therapieansatz zur Behandlung von Kehlkopfkrebs

Bessere Heilungschancen oder Stimme erhalten: Patienten mit Kehlkopfkrebs müssen sich in der Regel entscheiden. HNO-Forscher der Universitätsmedizin Leipzig setzen nun auf eine neue Therapie.

Die Standardtherapie bei Patienten mit Kehlkopfkrebs sieht bisher meist die Entfernung des gesamten Kehlkopfs vor. Leipziger Wissenschaftler setzen nun auf eine personalisierte Krebsbehandlung. Adobe Stock/bilderzwerg

Zum Hintergrund: Rund 20.000 Menschen pro Jahr erkranken an Kehlkopfkrebs. Sie stehen dann oft vor einer schwerwiegenden Wahl zwischen zwei Therapieoptionen: Entscheiden sie sich für den heutigen Standard der Behandlung fortgeschrittener Tumoren, wird der Kehlkopf entfernt. Das bedeutet eine mögliche Heilung aber auch einschneidende Folgen wie den Verlust der Stimme.

Alternativ kann der Tumor auch mit einer Radiochemotherapie (RCT) behandelt werden, um den Kehlkopf zu erhalten. Spricht der Patient allerdings nicht darauf an, wird eine anschließende Total-OP riskanter, weil Tumor und Gewebe sich während der wochenlangen Radiochemotherapie verändert haben. Außerdem verlieren die Patienten Zeit, in der sich unter Umständen bei unzureichendem Ansprechen Metastasen bilden können.

Nach einer Kurz-Chemotherapie wissen die Ärzte, ob der Tumor anspricht oder nicht

"Wir haben uns gefragt, ob eine kurze einfache Chemotherapie von nur einem Zyklus ausreichende Hinweise darauf liefern könnte, ob der Tumor anspricht oder nicht. Diese Kurztherapie sollte dann die Grundlage einer Therapieentscheidung werden. Das war unser Forschungsansatz", erklärt Prof. Andreas Dietz von der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Die Ergebnisse der interdisziplinären multizentrischen Studie DeLOS-II wurden kürzlich im internationalen Fachmagazin der Krebsforschung, „Annals of Oncology“, publiziert. Demnach können Arzt und Patient tatsächlich schneller entscheiden, welche Behandlung die passende ist: "Nach nur drei Wochen Kurztherapie lassen sich klare Empfehlungen formulieren, die auf Fakten fußen", sagt Dietz.

Bei der Kurztherapie erhalten die Patienten zunächst eine Chemotherapie, die an zwei Tagen gegeben wird. Nach zwei Wochen kontrolliert ein Chirurg mit dem Endoskop, wie sich der Tumor verändert hat. Aus dieser Begutachtung lässt sich ableiten, ob weiter mit Chemo- und Radiotherapie gearbeitet wird oder der Kehlkopf operativ entfernt werden muss.

"Ist der Tumor um mindestens 30 Prozent verkleinert, wird der Patient statistisch gesehen in hohem Maße in Folge der weiteren Radiochemotherapie auch tumorfrei", fasst Dr. Gunnar Wichmann, Leiter des HNO-Forschungslabors der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, zusammen.

Der Weg zu einer personalisierten Krebsbehandlung

Dabei haben die HNO-Spezialisten gemeinsam mit den Kollegen des interdisziplinären Universitären Krebszentrums Leipzig (UCCL) des Universitätsklinikums Leipzig auch ein neues Schema der Radiochemotherapie entwickelt und erfolgreich getestet. Sie setzen auf eine alleinige initiale Kurz-Chemotherapie, auf die erst nach der endoskopischen Kontrolle (Frühansprechen) gegebenenfalls zwei weitere Chemo-Zyklen und die Strahlentherapie folgen.

Die DeLOS-II-Studie hat 180 Patienten mit fortgeschrittenen großen Tumoren der Stadien drei und vier eingeschlossen und lief über acht Jahre. Zu Beginn der randomisierten Studie entfernten die Wissenschaftler eine sonst übliche Substanz der Kurzchemotherapie (5FU) und verbesserten dadurch deren Verträglichkeit. Weiterhin wurde in einer Studiengruppe getestet, wie sich die Gabe des Antikörpers Cetuximab auf die Krebsbehandlung auswirkt. Es zeigte sich, dass dessen zunächst stärkere Wirkungen hinsichtlich des Kehlkopferhalts nach zwei Jahren zu vernachlässigen sind. An der Studie beteiligten sich 25 deutsche Behandlungszentren.

Dieser schonendere Ansatz, auch mit weniger kombinierten Modalitäten als bisher üblich, soll den oft geschwächten Tumorpatienten helfen: "Wir haben die Therapien entzerrt und festgestellt, dass die Spättoxizität geringer ist, als in Studien, bei denen Bestrahlung und Chemo simultan gemacht werden. Das bedeutet, dass die Nebenwirkungen Jahre nach der Therapie geringer sind", sagt Dietz.

Bei rund einem Drittel der Patienten in der Studie wurde nach der Kurztherapie bei mangelndem Frühansprechen entschieden, den Kehlkopf operativ zu entfernen. Mit guten Ergebnissen, wie Wichmann sagt: "Bei diesen doch weit fortgeschrittenen Tumoren war das gesamte Überleben in unserer Studie sehr gut und das mit deutlich weniger späten Funktionsstörungen als bislang bei der primären Radiochemotherapie, die vielerorts als Alternative zur Kehlkopfoperation angeboten wird."

"Induction chemotherapy (IC) followed by radiotherapy (RT) versus cetuximab plus IC and RT in advanced laryngeal/hypopharyngeal cancer resectable only by total laryngectomy—final results of the larynx organ preservation trial DeLOS-I", Annals of Oncology doi:10.1093/annonc/mdy332

11411541122025112202611220271139971 1141155 1122030
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare