MKG-Chirurgie

Rekonstruktion eines perforierenden Mundbodendefekts bei einem wildlebenden Schwan

Ein acht Jahre alter Schwan wurde mit einer Mundbodenperforation im Bereich des anterioren unteren Schnabels den Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen der Universitätszahnklinik Halle an der Saale vorgestellt.

Klinische Dokumentation des Mundbodendefekts von enoral (a), extraoral (b) sowie schematische (c) und klinische Darstellung der OP-Technik (d-g). Befund am 2. postoperativen Tag im Zoo (g). Scheller et al.

Zugefügt wurde dem Tier diese Verletzung durch das unsachgemäße Entfernen eines Angelhakens durch einfaches Herausziehen.  Der Defekt zeigte sich funktionell relevant, da die Zunge durch diesen nach extraoral herausfallen konnte (Abbildung 1).

Abbildung 1: Schwan mit über einen Mundbodendefekt heraushängender Zunge und geschlossenem Schnabel (in freier Wildbahn).| Scheller et al.

Hierauf kam es rezidivierend zu einer venösen Stauung der Zunge und ein eigenständiges Reponieren war dem Tier aufgrund der Lokalisation und Schwellung nicht möglich. Durch Anwohner, die regelmäßig die Zunge manuell reponierten, erfolgte nun die Vorstellung des Schwans bei dem niedergelassenen Tierarzt, der zu dieser Zeit den Zoo in Halle konsiliarisch betreute.

Inhalationsnarkose

Der 13 kg schwere männliche Schwan wurde nach endotrachealer Intubation mit einer zweiporzentigen Isofluran/Sauerstoffmischung beatmet. Der kritische Punkt dieser Narkoseform ist bei Vögeln die Akkumulation der lipophilen Narkotika und des CO2 in den fünf Luftsäcken. Während der Narkose ist eine kontinuierliche Überwachung der Atemmechanik durch Palpation des Thorax des Vogels notwendig.

Chirurgisches Vorgehen

Die Möglichkeit den Defekt mit einem alloplastischem Material, zum Beispiel einem Titanmesh als mechanische Barriere, zu rekonstruieren wurde aufgrund der ungenügenden Erfahrung mit der nötigen Schraubenverankerung im Schnabel des Schwans verworfen.

Abbildung 2: Klinische Dokumentation des Mundbodendefekts von enoral (a), extraoral (b) sowie schematische (c) und klinische Darstellung der OP-Technik (d-g). Befund am 2. postoperativen Tag im Zoo (g).| Scheller et al.

Zur lokalplastischen Rekonstruktion des Mundbodens wurden die Prinzipien der Veloplastik zum Verschluss des lingualen Anteils (Abbildung 2c) und einem Transpositionslappen (Abbildungen 2d-f) vom Hals zum Verschluss des persistierenden extraoralen Schnabeldefekts kombiniert.

Abbildung 3: Schwan mit rekonstruiertem Mundboden 2 Monate postoperativ in freier Wildbahn.| Scheller et al.

Zwei Tage nach postoperativer Beobachtung im Zoo (Abbildung 2g) konnte der Schwan wieder in sein Revier zu seiner Familie entlassen werden (Abbildungen 3 und 4).

Schlussfolgerung

Literarische Angaben zur Rekonstruktion eines Mundbodendefekts bei einem Schwan oder einer anderen Vogelart sind nicht zu finden. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und das Anwenden lokal-plastischer Rekonstruktionsverfahren konnten die Therapie bei diesem wildlebenden Tier erfolgreich gestalten.

Abbildung 4: Schwan Paul (mit rekonstruiertem Mundboden) und seiner Familie im Spätsommer 2016.|Scheller et al.

PD Dr. Dr. Konstanze Scheller MD,
DMD Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (ehem. Direktor: Prof. B. Al-Nawas)
Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle
konstanze.scheller@uk-halle.de

PD Dr. Christian Scheller MD Klinik für Neurochirurgie
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Direktor: Prof. Dr. C. Strauss),
Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle

Timm Spretke Ornithologe
Halle DrVetMed

Dr. med. vet. Ralf Wenkel
Tierarztpraxis,
Anhalter Str. 1, 06108 Halle (Saale)

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