Leipziger Studie

So häufig sind Kontaktallergien auf Dentalmaterialien

Kerstin Albrecht
Zahnmedizin
Eine Beobachtungsstudie der Universitätszahnklinik Leipzig ermittelte Häufigkeit und Symptome von Allergien im Zusammenhang mit Dentalmaterialien. Den Wissenschaftlern zufolge sorgen die dentalen Metalle für die meisten Kontaktallergien, Prothesenkunststoff rangierte auf Platz fünf.

Wissenschaftler der Universität Leipzig untersuchten 86 Patienten, die unter Symptomen einer Kontaktallergie litten und zwischen 2012 und 2016 die Sprechstunde für Materialunverträglichkeiten der prothetischen Abteilung der Zahnklinik aufsuchten. Die Zahnärzte dokumentierten neben den Mundschleimhautbefunden und dem Zahnstatus auch Daten zu allgemeinen Erkrankungen, Beruf und anderen Allergien. 

Das Durchschnittsalter der Patienten, die in der Spezialsprechstunde vorstellig wurden, lag bei 63 Jahren. 86 Prozent klagten über Beschwerden, darunter ein Drittel über Mundbrennen, meist an Zunge und Gaumen. Die meisten Patienten (über 80 Prozent) waren teilbezahnt mit festsitzenden oder herausnehmbaren Prothesen.

Am häufigsten sind Metallallergien

Im Durchschnitt litten sie an mehreren Allergien gleichzeitig, am häufigsten gegenüber Metallen (27 Prozent), worunter Nickel (29 Prozent) und Kobalt (23 Prozent) die häufigsten Auslöser waren. Palladium machte immerhin noch 13 Prozent der Metallallergien aus. Auf Platz zwei rangierten Inhaltsstoffe von Kosmetika (19 Prozent), auf Platz drei Komposit (13 Prozent). Über die Hälfte der Patienten (52 Prozent) wiesen Mundschleimhautveränderungen auf, davon 55 Prozent eine Kontaktstomatitis und 21 Prozent eine lichenoide Läsion.

Aufgrund der erhobenen Daten scheinen die Allergiegeplagten in der Mehrzahl ältere Frauen zu sein, die bereits eine längere Zahnbehandlungshistorie hinter sich gebracht haben. Allerdings stellten die Frauen schon die größte Fraktion in der Ausgangskohorte (84 Prozent). Die Zahlen korrespondieren jedoch mit den Daten der vom Robert-Koch-Institut erhobenen DEGS1 (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, 2008-20011): Auch hier zeigten sich Frauen mit 12,7 Prozent häufiger von Kontaktallergien betroffen als Männer (3,4 Prozent).

Konkrete Beschwerden sollten unter Beteiligung eines Allergologen geklärt werden

Zahnärzte sollten potenzielle Allergene in zahnmedizinischen Werkstoffen kennen und Patienten entsprechend beraten. Konkrete Beschwerden im Zusammenhang mit dentalen Materialien, die auf eine Allergie hindeuten, sind häufig schwierig einzuordnen und sollten nach Möglichkeit interdisziplinär unter Beteiligung eines Allergologen abgeklärt werden, so schlussfolgern die Forscher.

Constanze Olms, Maryam Yahiaoui-Doktor, Torsten W. Remmerbach: „Kontaktallergien gegen Dentalmaterialien“. Swiss Dent J 2019, Jul 22; 129(7-8): 571-579.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.