Zahnmedizin

Wrigley Prophylaxe Preis 2015

Der Wrigley Prophylaxe Preis wurde auf der DGZ-Jahrestagung verliehen. Welche zahnmedizinischen Projekte und Arbeiten dieses Jahr ausgezeichnet wurden, erfahren Sie hier.

Der erste Platz geht an eine Arbeit aus München, die erstmals die verheerenden Folgen von Crystal Meth auf die Zahngesundheit untersuchte. Den zweiten Platz belegt eine Untersuchung aus Dresden zum erosionsprotektiven Potenzial von Pflanzenextrakten. Den Sonderpreis teilen sich ein Prophylaxeprojekt für Grundschulkinder in Wuppertal und eine Kooperationsinitiative zwischen Zahn-, Kinder- und Jugendärzten in Mönchengladbach.


Die Wrigley Prophylaxe-Preisträger

Das Münchner Autorenteam um Dr. Dr. Niklas Rommel reichte eine Grundlagenstudie zu den Auswirkungen der Szenedroge Crystal Meth auf die Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit ein. Die Vergleichsstudie an 200 Patienten mit und ohne Drogenkonsum liefert erstmals umfangreiche Daten zum Zahnschädigungspotenzial der Droge: Die abhängigen Patienten hatten signifikant häufiger Karies, Gingivitis, Parodontitis und Zahnhartsubstanzverluste, eine schlechtere Mundhygiene, eine reduzierte Speichelfließrate und -pufferkapazität. Hauptursache: wahrscheinlich der sympathomimetische Effekt der Substanz mit resultierender Mundtrockenheit und Zähneknirschen. Brennpunkt sind vor allem die Grenzregionen zu Tschechien, da die dortige liberale Drogengesetzgebung seit 2010 zu einem massiven Anstieg des Konsums auch bei deutschen Jugendlichen geführt hat.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Marie-Theres Weber aus Dresden zeigte, dass Johannisbeerblätter und Oreganoextrakte vor erosiven Prozessen schützen können. Offenbar festigen pflanzliche Polyphenole die schützende Pellikel auf der Zahnoberfläche und reduzieren die Säurepermeabilität. Das Ergebnis der kontrollierten Studie an 12 Probanden nach Verwendung von Pflanzenextrakten oder Fluorid: Unter dem Einfluss der Pflanzenextrakte war die Pellikel dicker und schützte effektiver vor Erosionen - Fluoriden vergleichbar oder sogar besser.

Die Studienergebnisse lassen vermuten, dass Extrakte aus Johannisbeerblätter und Oregano die Wirkung der Fluoride ergänzen. Beide Extrakte sind als Mundgesundheitspräparate in Apotheken und Drogerien erhältlich. Für eindeutige Aussagen bedarf es jedoch weiterer Forschung, so die Autoren.

Den Sonderpreis „Niedergelassene Praxis und gesellschaftliches Engagement“ teilen sich zwei Prophylaxeprojekte: Der Wuppertaler Zahnarzt Dr. Andreas Struve beeindruckte mit einem Grundschulprojekt, das er seit 2003 betreut. Einmal pro Jahr geben Struve und sein Praxisteam Prophylaxeunterricht bei Zweitklässlern, werten Ernährungstagebücher aus und führen bei allen Kindern einen Speicheltest zur Bestimmung des individuellen Kariesrisikos durch. Das Ergebnis erhalten die Eltern zusammen mit schriftlichen Therapieempfehlungen und einer Einladung zu einem Elternabend. Die Testergebnisse zeigen, dass viele Kinder ein sehr hohes Kariesrisiko haben. Frühzeitige Prophylaxe und Aufklärung seien daher dringend notwendig, bilanziert Struve.

Dr. Jürgen Zitzen, Dr. Stephan Kranz, Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange und Klaus Büssenschütt von der Zahnärzte Initiative Mönchengladbach ZIM kooperieren seit 2008 mit Kinder- und Jugendärzten der Stadt in der Aktion ZIMkid. Was mit einer gemeinsamen Fortbildung begann, ist heute ein eingespieltes Netzwerk. Beispielsweise informieren Kinderärzte bei der zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat anstehenden U5 die Eltern zum Thema Zahngesundheit, weisen auf den ersten Zahnarztbesuch hin und überreichen den Eltern den zahnärztlichen Kinderpass. Seit Bestehen der Initiative stieg die Zahl der zahngesunden Kinder in Mönchengladbach von 60 auf über 70 Prozent an - Tendenz steigend.


Einen Büchergutschein erhielt Andrea Keller, Leiterin einer Kindertagesstätte im sächsischen Schwarzenberg, für ihr Spiel- und Lernprogramm „Abenteuer im Knabber-Schnapper-Lecker-Schmecker-Wunderland“. Die Sozialpädagogin entwickelte ein Konzept, um Kinder im Alter von zwei bis zehn für die tägliche Zahnpflege zu motivieren und ihnen ein Gefühl für den eigenen Körper zu vermitteln.

Der Wrigley Prophylaxe Preis zeichnet seit 22 Jahren herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Kariesprophylaxe aus. Er fördert erfolgreiche Präventionsinitiativen, rückt aber auch Probleme mit dringendem Handlungsbedarf in den Fokus der Öffentlichkeit.

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