Implante im hohen Alter

Würden Sie Ihr Leben lang dieselbe Brille tragen?

Implantate ändern sich nicht – im Gegensatz zu der Umgebung, in die sie eingepflanzt wurden. Beim Alterungsprozess ändern sich Physiologie und mit dem Knochenschwund auch die Anatomie im Mund. Flexible Implantatsysteme könnten darauf entsprechend reagieren.

„Angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Zahl von Patienten mit implantatgetragenem Zahnersatz müssen wir die Kriterien des Behandlungserfolges in der Implantologie ergänzen und unsere Planung sowie das langfristige Management von Implantaten anpassen“, fordert die Expertin für Alterszahnmedizin Prof. Frauke Müller [aus dem Beitrag "Reduziert eine gute Mundhygiene das Pneumonie-Risiko?", zm 08/2017]. Frauke Müller

„Eine Versorgung mit Zahnimplantaten muss anpassungsfähig sein, da sich die Erfordernisse bei Patienten mit zunehmendem Alter ändern“, erklärte Prof. Frauke Müller von der Abteilung für Gerodontologie und Prothetik der Universität Genf auf dem 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in Wiesbaden.

Implantatgetragener Zahnersatz gehöre auch bei betagten Patienten mittlerweile zum modernen Therapiespektrum, um die Kaufunktion zu erhalten. Allerdings hätten die Vorteile der Implantate auch eine Kehrseite, wenn ihre Träger älter werden. „Implantate ändern sich nicht – im Gegensatz zu der Umgebung, in die sie eingepflanzt wurden“, erläuterte Müller.

"Wir brauchen in der Implantologie einfach veränderbare und reversible Lösungen!"

Außerdem schwinden Seh- und Tastvermögen sowie die Geschicklichkeit mit zunehmenden Alter. Die Mundhygiene fällt älteren Menschen daher zunehmend schwerer. Dass Patienten ihre prothetische Versorgung unabhängig handhaben und reinigen können, müsse zu einem zusätzlichen Erfolgskriterium einer Implantatversorgung werden, forderte Müller. „Wir brauchen darum in der Implantologie einfach veränderbare und reversible Lösungen. Wir tragen ja auch nicht ein Leben lang dieselbe Brille.“

Eine festsitzende implantatgetragene Rekonstruktion müsse so konstruiert werden, dass sie in eine herausnehmbare Versorgung umgewandelt werden kann, deren Verankerung kontinuierlich den Erfordernissen angepasst wird und zunehmend leichter zu handhaben ist. Sitzt der Zahnersatz zunächst fest etwa auf einem implantatgetragenen Steg, könne er bei Bedarf mit einfacheren Halte-Elementen befestigt werden – mit Kugelkopf-Ankern, Locatoren oder leicht lösbaren Magnet-Verbindungen.

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„Die weitverbreitete Annahme, dass Patienten einen maximal festsitzenden Zahnersatz bevorzugen gilt nicht für gebrechliche Senioren“, betonte Müller. „Diese Menschen werden durch einen sehr festsitzenden und daher schwer herausnehmbaren Zahnersatz eher gestresst.“

Es sei darum die Aufgabe der Zahnärzte, den Zahnersatz kontinuierlich an die jeweiligen Fähigkeiten eines Patienten so anzupassen, damit dieser eine Versorgung autonom handhaben könne.

"Wir müssen die Implantate auch 'schlafen legen' können!"

„Wenn Patienten eine implantatgetragene Prothese nicht mehr tragen wollen oder können, beispielsweise wenn die Schleimhaut aufgrund einer Chemotherapie sehr empfindlich wird, dann müssen wir die Implantate auch 'schlafen legen' können, damit die Aufbauten nicht stören und sich die Patienten nicht verletzen können“, sagte Müller Müller. Um diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen sei es wichtig, die Patienten nicht aus der Betreuung zu verlieren, und sie auch weiter zu betreuen, wenn sie pflegebedürftig werden.

Prof. Dr. Frauke Müller ist Leiterin der Division für Gerodontologie und abnehmbare Prothetik der Universität Genf. Aufgrund ihrer „außergewöhnlichen Leistungen in der Medizin“ wurde sie im vergangenen Jahr als Einzelmitglied in den Senat der Schweizer Akademie der Wissenschaften (SAMW) gewählt. Sie ist Präsidentin des European College of Gerodontology (ECG) und der Geriatric Oral Research Group (GORG) der International Association for Dental Research (IADR).

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