MKG-Chirurgie

Wurzelfüllmaterial als Auslöser für Pilzbefall der Kieferhöhle

Die 54-jährige Frau klagte über eine chronisch verstopfte Nase und litt unter stechenden Nervenschmerzen an den Händen, die bis ins Gesicht ausstrahlten. Die Diagnose: ein iatrogenes Aspergillom in der Nasennebenhöhle.

Das NNH CT zeigt im koronaren Schnittbild die komplett verschattete Nasennebenhöhle rechts und das Aspergillom. Zunächst gab es den Verdacht auf einen metallischen Fremdkörper, der sich anschließend als Wurzelfüllmaterial herausstellte (November 2011). Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Anamnese

Die heute 54-jährige Patientin stellte sich auf Überweisung vom niedergelassenen Arzt wegen chronisch verstopfter Nase erstmals im November 2011 in der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Dresden vor. Sie berichtete zudem über stechende Nervenschmerzen an den Händen, die bis in das Gesicht ausstrahlten.

Weiterhin habe sie 1998 eine Mittelgesichtsfraktur bei einem Verkehrsunfall erlitten, die nicht operativ versorgt werden musste. Seither hatte sie immer wieder Beschwerden im Bereich der Kieferhöhle rechts, würde durch das rechte Nasenloch keine Luft bekommen und könne nicht richtig riechen.

Diagnostik

Was konnte sich hinter den Schilderungen verbergen? Die Dresdner MKG-Chirurgen gingen der Sache Schritt für Schritt auf den Grund. Da erste Behandlungsversuche mit Inhalation und Nasenspülungen zu keiner wesentlichen Besserung führten, veranlassten die MKG-Chirurgen zur weiteren Abklärung die bildgebende Diagnostik.

Die Computertomografie (CT) vom Kopf und von den Nasennebenhöhlen ergab eine Verschattung, beziehungsweise den Verdacht auf einen Fremdkörper, wahrscheinlich ein Aspergillom im Bereich der rechten Kieferhöhle und Siebbeinzellen.

Das präoperative DVT zeigt in allen drei Ebenen die vollständig verschattete Nasennebenhöhle rechts mit dem Aspergillom in kranialen Bereich. Aufgrund der chronischen Entzündung sind deutliche Umbauprozesse der knöchernen Strukturen rechts sichtbar. | Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Auf weitere Nachfrage erinnerte sich die Patientin an eine Wurzelkanalbehandlung an Zahn 16, durchgeführt 1988, jedoch nicht abgeschlossen - stattdessen wurde der Zahn letztendlich extrahiert. Das erhärtete die Diagnose und die Therapie stand fest.

Die Operation

Im September 2012 erfolgte stationär die endoskopisch assistierte Kieferhöhlenoperation mit Entfernung von entzündlichem Gewebe, Fremdmaterial (Pilzhyphen), Schleimhaut und Knochen.

Das intraoperative Bild zeigt den Zugang zum Sinus maxillaris rechts. Mittels PIEZOSURGERY® erfolgt die Bildung eines Knochenfensters modo Abello. | Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

 

Das intraoperative Bild zeigt den Blick in den Sinus maxillaris rechts gefüllt mit grau-grünlichem Fremdmaterial und entzündlich veränderter Nasennebenhöhlenschleimhaut. |Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Die Chirurgen legten ein Nasenfenster an und installierten einen Blasenkatheter, über den die Kieferhöhle nach der Operation gespült wurde.

Das intraoperative Bild zeigt den eingebrachten Blasenkatheter, der zur Spülung des Sinus maxillaris rechts genutzt wurde. | Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

 

Das intraoperative Bild zeigt den mit resorbierbarem Nahtmaterial refixierten Knochendeckel der Kieferhöhlenvorderwand rechts. | Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

 

Das postoperative DVT zeigt eine vollständige Entfernung des Aspergilloms und einen teilbelüfteten Sinus maxillaris rechts (September 2012). | Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

 

Das Kontroll-DVT 3 Jahre später, zeigt eine Teilverschattung des Sinus maxillaris rechts. Reste des Aspergilloms sind nicht sichtbar (Februar 2015). | Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

 Diskussion

Hinweis auf ein Aspergillom, das typischerweise nur eine Seite befällt, kann eine chronisch, meist einseitig verstopfte Nase sein. Kieferhöhlenspülungen und Antibiotikatherapie helfen nicht - wie das Beispiel der Patientin zeigt. Ein weiterer Anhaltspunkt: Der wurzelbehandelte Zahn im rechten Oberkiefer, der später gezogen wurde.

Das Aspergillom wächst in den Nasennebenhöhlen nichtinvasiv und kann lange Zeit unentdeckt bleiben. Anfängliche Beschwerden: eitriger Abfluss aus der Nase, Nasenbluten oder ein Druckgefühl auf der betroffenen Seite. Im Röntgenbild zeigt sich dann zusammen mit dem Aspergillom eine Verschattung der jeweiligen Nasennebenhöhle.

Möglicher Auslöser des Aspergilloms: Überstopftes Wurzelfüllmaterial! Da die Wurzelspitzen der Zähne im Oberkiefer eine enge Lagebeziehung zur Kieferhöhle haben, kann im Rahmen einer endodontischen Behandlung Wurzelfüllmaterial, welches Zinkoxid-Eugenol enthält, in die Nasennebenhöhle gelangen. Zinkoxid wird als wachstumsfördernd beschrieben.

Als Therapie der Wahl gilt die chirurgische Entfernung des Aspergilloms unter Schonung der Schleimhaut der Kieferhöhle. Diese kann nach Möglichkeit endoskopisch durch die Nase oder durch die Kieferhöhlenvorderwand vorgenommen werden. Das Aspergillom zeigt sich als grünlich-schwarzer Stein, der aus nekrotischen Pilzmassen und verstoffwechseltem Calcium besteht. Langzeitfolgen sind meistens nicht zu erwarten.

Dieser Fall wurde auf der Jahres-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) anlässlich des großen 68. Kongresses in Dresden vorgestellt.

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