Wie junge Zahnärzte arbeiten wollen

"Entscheidend ist das Vertrauen zum Partner!"

"Wir arbeiten auch nur an vier Tagen", berichtet Praxischef Dr. Jan David Schepers. Voraussetzungen dafür sind Schepers zufolge gegenseitiges Vertrauen und ein gutes Team. "Wir bezahlen unsere Beschäftigten sehr gut, sind flexibel und kooperativ. Das spricht sich herum!"

Jan David Schepers führt gemeinsam mit einem Kollegen eine Praxis in Quickborn. privat

Sie haben mit Ihrem Partner 2009 eine BAG in der kleinen Stadt Quickborn bei Hamburg gegründet. Wie kam es dazu?

Dr. Jan David Schepers: Die Praxis fungierte als Zweigstellte einer überörtlichen BAG. Die drei Inhaber konnten keinen angestellten Zahnarzt finden, der die Filiale ordentlich führte. Daher verkauften sie diese nach anderthalb Jahren an uns. Der Patientenstamm war mit rund 100 relativ klein. Die Patienten waren eher vergrault, weil der angestellte Zahnarzt sich nicht in dem erforderlichen Maß engagiert hatte. Mittlerweile haben wir tendenziell eher zu viele Patienten.

Ein Selbstständiger bringt wahrscheinlich per se eine andere Motivation mit, weil er mit seinem ganzen Geld in der Praxis investiert ist. Außerdem erzielen Selbstständige ein weitaus höheres Einkommen als Angestellte. Eine Praxis für jemanden zu führen – und dann ein Angestelltengehalt zu beziehen, das ist nicht in dem Maß motivierend.

Dennoch bevorzugen immer mehr Zahnärzte das Angestelltendasein, ist die Selbstständigkeit heutzutage noch zu meistern?

Die Selbstständigkeit ist auf jeden Fall sehr anstrengend. Ich habe den beruflichen Alltag mit den Patienten und bemühe mich darüber hinaus, fachlich kompetent zu bleiben: lese Fachzeitschriften und besuche Fortbildungen. Hinzu kommen die Verwaltung und die Beschäftigung mit Richtlinien, die sich ständig ändern. Mein Partner, zu dem ich ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis habe, und ich teilen uns die Aufgaben glücklicherweise sehr gut auf.

Er ist mit Personalangelegenheiten und Verträgen betraut, ich mit betriebswirtschaftlichen und finanziellen Belangen. Darüber hinaus versuchen wir, so viel wie möglich an unsere sieben Mitarbeiter zu delegieren. Unsere Praxismanagerin kümmert sich um die Verwaltung und das Qualitätsmanagement. Wir bezahlen unsere Beschäftigten sehr gut, sind flexibel und kooperativ. Das spricht sich herum – daher bekommen wir immer sehr gute Kräfte.

Außerdem müssen Zahnärzte die Patienten heutzutage umfassend beraten und über moderne Therapiealternativen außerhalb des GKV-Bereichs aufklären. Umso wichtiger ist ein konstantes und gutes Verhältnis - dann lässt sich auch leichter über zusätzliche Leistungen sprechen.

Der Trend zur Anstellung hat auch mit der Feminisierung des Berufs zu tun. Ist die klassische Niederlassung für Frauen mit Kindern ein Modell?

Wenn Zahnärztinnen eine Praxis zu zweit oder zu dritt führen, kann das in Teilzeit klappen. Wir arbeiten auch nur an vier Tagen. Voraussetzungen sind das Vertrauen zu den Partnern und der Mut, das wirtschaftliche Risiko der Selbstständigkeit einzugehen – dazu gehören auch Schulden. Ich ermutige alle jungen Kolleginnen und Kollegen, sich niederzulassen. Die Selbstständigkeit rechnet sich auf jeden Fall noch. Das Wichtigste ist, die Patienten gut zu behandeln, nicht nur fachlich kompetent, sondern vor allem menschlich zu sein. Wenn man keinen Zugang zu den Menschen hat, klappt das nicht.

Sind MVZ in Ihrem Umfeld ein Thema?

MVZ sind auf jeden Fall ein Thema unter den Zahnärzten. Erst jüngst habe ich auf einer Fortbildung einen Kollegen getroffen, der gemeinsam mit Humanmedizinern ein MVZ gründen möchte. MVZ sind ein großes Investment - und der Arzt als Unternehmer ist immer ein zweischneidiges Schwert. Dafür muss man der Typ sein, das kann auch schiefgehen. Denn das unternehmerische Know-how wird Ärzten nicht beigebracht.

Sie haben eine Praxis in der Nähe von Hamburg übernommen – eine Stadt mit einer hohen Praxisdichte, in der es auch MVZ und Klinikketten gibt. Erwarten Sie eine verstärkte Konkurrenz durch MVZ?

In Hamburg wird es vielleicht ein bis zwei MVZ geben, aber in Quickborn habe ich in dieser Hinsicht überhaupt keine Bedenken. MVZ sind ein gewisses Modell, das sich tendenziell eher für die Großstadt eignet, wo viele Menschen nur auf Zeit leben. In einem Ort wie Quickborn werden die Leute heimisch und suchen eine langfristige Bindung.

In der Zahnarzt-Patienten-Beziehung ist das Vertrauen sehr wichtig, die Patienten gehen im Schnitt ein- bis zweimal jährlich zum Zahnarzt, nicht nur, wenn sie krank sind. Eine Bindung zum Patienten aufzubauen, kann in einem MVZ schwierig sein, da dort naturgemäß die Ärzte häufiger wechseln. Ich kenne etliche Leute, die nach dem Examen temporär in einem MVZ arbeiteten, aber sich irgendwann doch niederließen.

Sie könnten selbst ein MVZ gründen, wenn bei Ihnen in der Nähe Einzelpraxen nicht mehr übernommen werden …

So detailliert habe ich mich mit diesen rechtlichen Dingen noch nicht auseinandergesetzt, ich würde auf organisches Wachstum über die Zeit setzen, zunächst einen Kollegen, dann vielleicht noch weitere Zahnärzte einstellen – dafür ist auch ein MVZ-Modell denkbar, aber das unternehmerische Risiko ist meiner Meinung nach sehr hoch. Das können Zahnärzte, die über ein hohes Eigenkapital verfügen, auf sich nehmen. Wir haben noch Freifläche über unserer Praxis. Wenn ich das nötige Eigenkapital hätte und den zusätzlichen Arbeitsaufwand gemeinsam mit meinem Partner schultern könnte, wäre es eventuell eine Option, die Praxis um vier Räume zu erweitern und noch zwei Leute anzustellen.

Aber ich habe noch nicht einmal den Kredit für die Praxis und mein eigenes Haus halbwegs abbezahlt. Und die Banken sind relativ zurückhaltend geworden. Außerdem halte ich es für schwierig, eine Praxis mit mehr als vier bis fünf Zahnärzten zu führen. Es ist schon eine Herausforderung, in einer BAG zu zweit oder zu dritt zurechtzukommen. Ich finde es auch problematisch, das Ganze rein wirtschaftlich auszulegen. Ich möchte die Patienten nicht bewirtschaften, sondern mit ihnen durch dick und dünn gehen.

$(LC336816:"Ich fühle mich frei - und auch sicher")$


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