Volker Looman

Vermögensverwaltung oder Porsche 911 Turbo?

Volker Looman
Knicken! Lochen! Abheften! Ich habe keine Ahnung, wie viele Ärzte sich jedes Jahr über den schweißtreibenden Dreikampf von Beamten und Bürokraten ärgern.

Bemerkenswert(er) finde ich nur die Tatsache, dass sich viele Mediziner bei der Verwaltung ihres Vermögens genauso verhalten. In den letzten Tagen haben auch Zahnärzte die Berichte ihrer Verwalter erhalten, wie sich 2015 die Anleihen und Aktien entwickelt haben. Ich wette mit Ihnen um zehn Flaschen besten Rotwein, dass die Berichte in 90 Prozent aller Fälle weder gelesen noch verstanden, sondern geknickt, gelocht und abgeheftet in dunklen Schränken verschwunden sind.

Ich war vor zwei Wochen bei einem Zahnarzt und einer Lehrerin zu Gast. Er 55 Jahre alt, sie 53 Lenze jung, und die Eheleute schimpften wie die Rohrspatzen über ihren Vermögensverwalter. Das gehört zurzeit zum guten Ton, doch in Wahrheit ging es um etwas ganz anderes. Die beiden Anleger sind mit der Leistung des Verwalters, der sich um ihre 1,5 Millionen Euro kümmert, gar nicht so unzufrieden, sondern sie haben Angst, ihr Vermögen zu verlieren.

Das Ehepaar steht unter Druck, kein Geld verlieren zu dürfen, und dieser „innere Imperativ“ sorgt für höchsten Stress. Der Begriff stammt aus der Psychologie. Mit ihm wird umschrieben, dass Menschen durch Erziehung und Erfahrung bestimmte Verhaltensweisen entwickelt haben, die zu gewaltiger Anspannung führen. Wer zum Beispiel so erzogen worden ist, ein Indianer, vulgo: Mann, kenne keinen Schmerz, gerät in Stress, wenn er bei Ihnen auf dem Behandlungsstuhl liegt und Sie den Bohrer anwerfen. Genauso gerät unter Druck, wer der Überzeugung ist, er dürfe kein Geld verlieren.

Gegen diesen Imperativ hat der Verstand keine Chance. Jeder Bericht über fallende Kurse an der Börse löst im Unterbewusstsein schrillen Alarm aus, und jede Mitteilung über steigende Preise sorgt für Druck im Unterleib. Folglich ist es kein Wunder, dass sich Anleger wie Beamte verhalten. Sie wollen ihre Ruhe haben. Bei den Beamten ist die Aussicht, das Ziel zu erreichen, relativ hoch, doch bei Anlegern ist diese Aussicht relativ gering. Was lehrt uns das?

In meinen Augen gibt’s nur drei Möglichkeiten, um im Umgang mit Geld zu Gelassenheit und Ruhe zu finden. Die Imperative müssen ausgeschaltet werden. Die Kosten der Vermögensverwaltung sollten so niedrig wie möglich sein. Die Struktur des Depots muss zum Wesen des Anlegers passen. Das sind harmlose Maßnahmen, die nicht viel Geld kosten, aber hohen Gewinn versprechen.

Das Ehepaar bezahlt für die Verwaltung des Vermögens jährlich 1,2 Prozent und die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Das sind genau 21.420 – in Worten: einundzwanzigtausendvierhundertzwanzig – Euro pro Jahr. Ich will Sie, sollten Sie sich in ähnlichen Lebenslagen befinden, nicht davon abhalten, einen Führer zu beschäftigen, der Sie auf den Wanderungen durch die Untiefen der Vermögensverwaltung begleitet, doch ich bitte Sie, einmal zu multiplizieren, was dieser „Lotse “ im nächsten Jahrzehnt kostet. Das müssten doch 214.200 Euro sein! Dafür bekommen Sie einen nagelneuen Porsche vom Allerfeinsten, werte Zahnärzte, so dass ich Sie nur ermutigen kann, in einem Besinnungsaufsatz die Frage zu klären, was Ihnen lieber ist: der Verwalter oder der Porsche.

Sie mögen die Hoffnung haben, meine Damen, ein Mann sei attraktiver als ein 911 Turbo. Ich bin da anderer Meinung. Ich vertrete die Auffassung, dass der hässlichste Porsche mehr Ausstrahlung als der schönste Vermögensverwalter besitzt, und ich bin der Überzeugung, dass Sie es schaffen, egal ob Frau oder Mann, sich alleine um Ihr gutes Geld zu kümmern. Verkaufen Sie alle Werte, die in dem Depot liegen, und stellen Sie sich mithilfe von zehn Indexfonds eine Mischung zusammen, die zu Ihnen passt. Fertig ist die Laube!

Wenn Ihnen das gefällt, dürfen Sie aber auf keinen Fall die Verwaltung vor der Umschichtung kündigen. Sonst sind Sie bei einer Transaktion von 1,5 Millionen Euro um 30.000 Euro ärmer, weil der „normale“ Verkauf der Papiere und der „normale“ Kauf der Indexfonds jeweils einen Prozent des Anlagebetrags kosten, und das muss nun wirklich nicht sein.

Vorteilhafter sind die Kündigung der Verwaltung, die Übertragung des bestehenden Depots auf eine Direktbank und die Umschichtung bei diesem Institut. Für die Übertragung dürfen die „abgebenden“ Banken keine Gebühr erheben. Auch dann nicht, wenn der Kunde nur Teile des Depots überträgt. Genauso ist es Fondsgesellschaften und Fondsplattformen untersagt, für die Übertragung von Wertpapieren irgendwelche Gebühren in Rechnung zu stellen.

Die kostenlose Übertragung von Wertpapieren auf eine Direktbank hat den großen Vorteil, dass beim anschließenden Verkauf der Papiere höchstens 59 bis 60 Euro pro Titel anfallen. Werden zum Beispiel insgesamt 50 Aktien à 30.000 Euro veräußert, sind maximal 3.000 Euro zu bezahlen. Das ist ein Fünftel der 15.000 Euro, die bei der Hausbank anfallen. Noch günstiger ist der Erwerb der Indexfonds. Der Kauf von zehn Indexfonds kostet 600 Euro; bei der Hausbank würden weitere 15.000 Euro anfallen. Einsparungen von 88 Prozent bei der Umschichtung des Depots und Kostenvorteile von 169.575 Euro bei der Verwaltung des Depots sind in meinen Augen alle Mühen wert. Oder wollen Sie doch keinen Porsche?

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.

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