Verbesserung der Mund- und Zahnhygiene für Migranten

Das Stader Konzept

Ein sozialer Brennpunkt mit hohem Migrantenanteil, große Defizite in Sachen Mundgesundheit – was tun? Es gibt Erfahrungen, die zeigen, wie es gehen könnte. Dr. Gerhard Pallasch, Amtsleiter im Gesundheitsamt Stade, betont in seinem Beitrag die enorme Bedeutung von Sprachmittlern bei der Stärkung der Eigenverantwortung für die Gesundheit. Mithilfe von „Key-Personen“ konnte der dmft-Index im „Altländer Viertel“ in Stade über Jahre deutlich reduziert werden. Der Bericht eines Projektinsiders.

Die Geschichte des Altländer Viertels ist mehrfach erzählt und fotografiert, der Stadtteil als deutschlandweit bekannter „sozialer Brennpunkt“ stigmatisiert. Unser Autor beschreibt den Kampf für eine bessere Mundgesundheit. archiv-klar

Abbildungen 1 und 2: Veränderungen im Altländer Viertel innerhalb von 2000 bis 2011: Die soziale Struktur des Viertels hat sich gewandelt: Massenquartiere wurden abgerissen, Straßen umbenannt. (Abbildung 2 ist um 90 Grad gedreht.) G. Pallasch
Abb. 3: Zähneputzen mit Kroki G. Pallasch

Erstmalig wurde im Jahr 1996 eine Planstelle für eine/n Zahnarzt/-ärztin geschaffen und besetzt. Somit stand die Strukturqualität zur Verfügung, um die Abläufe in der zahnärztlichen Abteilung des Gesundheitsamtes effizient zu steuern. Um die Schwerpunkte im Steuerungsprozess richtig setzen zu können, wurden PCs und Programme angeschafft. Bereits die erste Auswertung der Daten hat ergeben, dass in einem sozialen Brennpunkt mit einem hohen Anteil von Migranten zwei gravierende Probleme festzustellen waren: Im zahnärztlichen Bereich eine hohe Karieslast und im kinder- und jugendärztlichen Bereich eine geringe Masernimpfquote. Probleme mit der Inanspruchnahme von Präventionsleistungen sind in der Literatur – exemplarisch in [Robert Koch-Institut, 2008] und [4. Deutsche Mundgesundheitsstudie, 2006] – sowohl in sozialen Brennpunkten als auch unter Migranten immer wieder beschrieben.

Der Brennpunkt – das Altländer Viertel

Hier lebten rund 2.500 Einwohner in einem Stadtteil mir sozialem Wohnungsbau, der durch eine Bahnlinie, durch ein schwer zugängliches Gebiet sowie durch eine Hauptausfallstraße vom übrigen Stadtgebiet allseitig getrennt ist. Eine Sozialstudie aus dem Jahr 2000 zeigte, dass 68 Prozent der Erwachsenen und 76 Prozent der Kinder und Jugendlichen Hilfe zum Lebensunterhalt erhielten, also von Mitteln des Sozialamtes lebten. 49 Prozent der Personen waren Ausländer, sechs Prozent Aussiedler, 45 Prozent Deutsche, von denen fast die Hälfte noch eine weitere Staatsbürgerschaft besaß. Das Hauptproblem war das mangelnde Sprachverständnis. Selbst von den Deutschen hatten fast 46 Prozent den Wunsch nach Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse [Krusche, 2000].

Im Jahr 2002 waren in der dortigen Grundschule von 184 Kindern 142 nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen [Daten der Hansestadt Stade, Stand 12/2002]. Es gab etwa 30 verschiedene Nationalitäten. Bei den Schuleingangsuntersuchungen gaben lediglich 40 Prozent der Eltern an, irgendeinen Schulabschluss absolviert zu haben [Daten der Schuleingangsuntersuchung des Schulärztlichen Dienstes des Landkreises Stade]. Die im Viertel tätige Sozialpädagogin berichtete, dass Analphabetismus zu den Problemen im Viertel zähle.

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