Die Entwicklung des Zahnarztberufs (11)

Die Herausbildung der Spezialdisziplinen

Der vorliegenden Beitrag betrachtet vornehmlich die zahnärztlichen Disziplinen, die sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum als zentrale Fächer herausbildeten und seitdem traditionell und standortübergreifend an nahezu jeder medizinischen Fakultät mit einem Ordinariat ausgestattet sind.

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Die ersten Porzellanzähne nach dem Italiener Giuseppangelo Fonzi © Dentalmuseum Zschadraß
Allererster Artikulator um 1860, Gebiss um 1863 © Dentalmuseum Zschadraß
Kinderzange/Wurzelspitzenzange in Form eines Vogelkopfes um 1750 © Dentalmuseum Zschadraß
Historische Implantate der 60er- und 70er-Jahre mit Einbringinstrument © Dentalmuseum Zschadraß

Die heutige Zahnheilkunde ist ganz wesentlich charakterisiert durch die Existenz mehrerer Spezialdisziplinen, die in der jüngeren Vergangenheit zur Etablierung entsprechender Lehrstühle an den Medizinischen Fakultäten geführt haben. Dies betrifft die Zahnerhaltung (auch: Konservierende Zahnheilkunde), die Zahnärztliche Prothetik (inklusive Werkstoffkunde beziehungsweise Biomaterialien), die Kieferorthopädie sowie die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Wobei letztere insofern in die Medizin hineinragt, als ihre Ausübung abgeschlossene Ausbildungen und Approbationen in Zahnmedizin und in Medizin voraussetzt.


Info

Diese zwölf Beiträge erscheinen in der
Reihe „Die Geschichte des Zahnarzt-berufs“:
• Die Einführung der Kurierfreiheit
• Der Dualismus in der deutschen Zahnheilkunde und die Lösung der „Dentistenfrage“
• Die schwierige Akademisierung des Zahnarztberufs
• Das Verhältnis zwischen Ärzteschaft und Zahnärzteschaft und die Frage des ärztlichen „Einheitsstandes“
• Die Entwicklung des Zahnarztberufs im geteilten Deutschland (1949 – 1989)
• Die umstrittene Zulassung von Frauen zum Zahnarztstudium
• Entwicklung von Schulzahnkliniken und deren Auswirkungen auf das Berufsbild
• Sukzessive Ausweitung der gesetz¬lichen Krankenversicherung auf die Zahnbehandlung
• Etablierung eines nationalen zahnärztlichen Verbandswesens in den Bereichen Wissenschaft und Berufspolitik
• Etablierung der zahnärztlichen Fachpresse
Herausbildung der Fächer Zahnerhaltung, Prothetik, Kieferorthopädie und MKG-Chirurgie
• Auswirkungen der großen medizinischen Entdeckungen und Entwicklungen des 19. und des 20. Jahrhunderts


Je nach gewähltem Ordnungssystem, universitärem Standort und fachlichem Blickwinkel sind weitere Einzeldisziplinen zu nennen wie etwa die zumeist formal der Zahnerhaltung zugeordnete Parodontologie, die hinsichtlich des Tätigkeitsfeldes mit der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie verwandte Oralchirurgie und die an der Nahtstelle von Chirurgie und Prothetik angesiedelte zahnärztliche Implantologie. Auch das Lebensalter kann eine Differenzierungsgrundlage bilden: Hiernach kann unterschieden werden zwischen einer Kinderzahnheilkunde (Kinderstomatologie), der herkömmlichen (Erwachsenen-)Zahnheilkunde und einer Alterszahnheilkunde (Alterszahnmedizin, Seniorenzahnmedizin). Legt man wiederum das Verzeichnis der derzeit existierenden, mit der DGZMK assoziierten zahnärztlichen Fachgruppierungen zugrunde, können mittlerweile mehr als 30 Bereiche differenziert werden.

19. Jahrhundert – Zeitalter der Spezialisierung

In zeitlicher Hinsicht konzentriert sich der vorliegende Beitrag im Wesentlichen auf zentrale Weichenstellungen und wegweisende Entwicklungen zwischen 1800 und 1950. Jüngere Entwicklungen werden nicht oder allenfalls punktuell angesprochen [Groß, 1994; Hoffmann-Axthelm, 1973; Strübig, 1989].

Wie Hans-Heinz Eulner bereits 1970 überzeugend herausarbeitete, gilt das 19. Jahrhundert als das Zeitalter der Entwicklung der medizinischen Spezialfächer. Freilich setzte sich diese Ausdifferenzierung im 20. Jahrhundert fort – sie führte und führt in vielen Bereichen zu immer neuen Subdisziplinen und Spezialisierungen [Eulner, 1970].

Auch in der Zahnheilkunde nahm dieser Prozess der Differenzierung im 19. Jahrhundert Fahrt auf. Bis dahin stellte die Zahnbehandlung in den allermeisten Fällen lediglich eine ultima ratio dar. Mit anderen Worten: Zahnbehandler wurden zumeist nur aufgesucht, wenn massive Zahnprobleme beziehungsweise -schmerzen vorlagen. Die Therapie beschränkte sich überwiegend auf die Extraktion schadhafter Zähne, war also zumeist nicht kurativ, sondern auf Schmerzbeseitigung ausgerichtet [Groß, 2005].

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