Die Entwicklung des Zahnarztberufs (11)

Die Herausbildung der Spezialdisziplinen

Die ersten Porzellanzähne nach dem Italiener Giuseppangelo Fonzi © Dentalmuseum Zschadraß
Allererster Artikulator um 1860, Gebiss um 1863 © Dentalmuseum Zschadraß
Kinderzange/Wurzelspitzenzange in Form eines Vogelkopfes um 1750 © Dentalmuseum Zschadraß
Historische Implantate der 60er- und 70er-Jahre mit Einbringinstrument © Dentalmuseum Zschadraß

Die Parodontologie

Eine gewisse Sonderstellung nimmt die Parodontologie – die Lehre vom Zahnhalteapparat (Parodontium), seiner Erkrankungen und deren Behandlung – ein. Die Behandlung von Zahnbetterkrankungen wurde lange Zeit als Teil der „Zahnerhaltung“ angesehen, entwickelte sich jedoch zunehmend zu einer Spezialdisziplin. Besagte Entwicklung führte vereinzelt zur Etablierung eigenständiger Lehrstühle. In der Mehrzahl der Fälle blieb das Fach Parodontologie je- doch zumindest formal-organisatorisch den Lehrstühlen für Zahnerhaltung zugeordnet [Schlagenhauf, 2009; Groß, 1994: Hoffmann-Axthelm, 1973; Strübig, 1989].

Auch im Bereich der Parodontologie ist zu unterscheiden zwischen frühen Erstbeschreibungen und der breiten Etablierung der Subdisziplin. Der älteste Hinweis auf Parodontalerkrankungen stammt vermutlich von Aulus Cornelius Celsus und reicht damit bis in die Antike zurück. Auch Pierre Fauchard beschrieb im 18. Jahrhundert klinische Symptome einer Parodontitis – wenngleich die Begrifflichkeit bis weit ins 20. Jahrhundert umstritten blieb. 1921 führte Oskar Weski den Begriff Parodontose als Sammelbegriff für alle (entzündlichen und nicht-entzündlichen) Zahnbetterkrankungen ein – ein Begriff, der bekanntlich bis heute in der Bevölkerung weit verbreitet ist, während sich innerhalb der Fachdisziplin spätestens in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Differenzierung zwischen Parodontitis (für entzündliche Erkrankungen) und Parodontose (für den höchst seltenen rein atrophischen Gewebsschwund) durchsetzte.

Heutzutage kommt dem Terminus technicus „Parodontose“ nur noch medizinhistorische Bedeutung zu. Viele Parodontologen führen die wissenschaftlichen Anfänge des Faches auf den US-Amerikaner John Mankey Riggs zurück, der seit den 1850er-Jahren die zentrale Rolle der Mundhygiene für Zahnbetterkrankungen sowie eine penible Zahnsteinentfernung mit Débridement und anschließender Zahnpolitur als therapeutische Maßnahmen propagierte und so die entzündlichen Erscheinungen deutlich eindämmen konnte. 1922 veröffentlichten Paul R. Stillman und John Oppie McCall mit „A Textbook of clinical periodontia“ ein zentrales Lehrbuch dieses jungen Faches. Stillman entwickelte dabei auch die nach ihm benannte Zahnputztechnik und wurde Namensgeber der von ihm beschriebenen Stillmanspalte („Stillman’s cleft“). Charles Cassedy Bass entwickelte ebenfalls in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die nach ihm benannte Zahnputztechnik und leistete so ebenfalls einen wichtigen – wenngleich unter Zeitgenossen kontrovers diskutierten – Beitrag.

Im Jahr 1924 gründeten Oskar Weski, Hans Sachs und Robert Neumann die Arbeitsgemeinschaft für Paradentosen-Forschung (ARPA). Sie schrieb sich unter anderem die Standardisierung der Befunderhebung (inklusive Dokumentation von Zahnbetterkrankungen) und der Fachterminologie auf die Fahnen („Parodontosestatus“) und leistete so einen wichtigen Beitrag zur Aufwärtsentwicklung des um Anerkennung ringenden Spezialfachs. 1929 konnte die ARPA zudem die erste Ausgabe ihrer Fachzeitschrift „Paradentium“ herausgeben, drei Jahre später erfolgte die Gründung der ARPA Internationale, die unter anderem Zahnärzte aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, der Schweiz und der Tschechoslowakei versammelte.

Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten bedeutete – neben den verheerenden weltpolitischen und ethischen Implikationen – auch für die deutsche Parodontologie einen Rückschlag, da gerade die nun verfolgten beziehungsweise zur Emigration gezwungen jüdischen Zahnärzte (neben vielen anderen auch Gottlieb, Hirschfeld, Kantorowicz, Sachs) vor 1933 maßgeblich zur Etablierung des Faches beigetragen hatten. Einen weiteren Meilenstein lieferten die eigentlich in der orthopädischen Forschung verorteten Wissenschaftler Lloyd A. Hurley und Frank E. Stinchfield: Sie schufen 1959 die Grundlagen der Guided Tissue Regeneration (gesteuerte Geweberegeneration, GTR), die in der Folgezeit auch für die Parodontologie fruchtbar gemacht werden konnte. So wurden spezifische Membranen etwa aus Polytetrafluoräthylen (PTFE) entwickelt, die an geeigneter Stelle eingepflanzt wurden und werden, um eine gesteuerte Neubildung des im Zuge der Erkrankung verloren gegangenen Gewebes zu induzieren. Hauptziel der GTR war und ist dementsprechend die Wachstumsförderung geschädigter Gewebe des Zahnhalteapparats. Schon 1957 hatte Dentsply mit dem Cavitron ein Gerät zur Zahnsteinentfernung mittels Ultraschall auf den Markt gebracht, das auch im Rahmen der Parodontalbehandlung zum Einsatz kam. Und 1969 wurde der Parodontalstatus erstmals obligate Grundlage einer GKV-finanzierten systematischen Parodontaltherapie.

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