Die Entwicklung des Zahnarztberufs (11)

Die Herausbildung der Spezialdisziplinen

Die ersten Porzellanzähne nach dem Italiener Giuseppangelo Fonzi © Dentalmuseum Zschadraß
Allererster Artikulator um 1860, Gebiss um 1863 © Dentalmuseum Zschadraß
Kinderzange/Wurzelspitzenzange in Form eines Vogelkopfes um 1750 © Dentalmuseum Zschadraß
Historische Implantate der 60er- und 70er-Jahre mit Einbringinstrument © Dentalmuseum Zschadraß

Fachzahnärzte im Überblick

Betrachtet man die historische Ausdifferenzierung der Spezialdisziplinen innerhalb der Zahnheilkunde nicht aus der Sicht der Entwicklungen und Entdeckungen, sondern aus der Perspektive der fachlichen Weiterbildungsmöglichkeiten [Staehle, 2010], so fällt auf, dass die erste offizielle zahnmedizinische Fachqualifikation den Doppelapprobierten vorbehalten war: Der Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten mit einer dreijährigen Fachausbildung wurde, wie oben erwähnt, bereits 1924 eingeführt. Im „Dritten Reich“ wurden dann die ersten fachzahnärztlichen Qualifikationen festgeschrieben (1935): Hierbei handelte es sich um die Bezeichnungen „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ und „Fachzahnarzt für Kieferchirurgie“. Nach ärztlicher Kritik an der Benennung „Fachzahnarzt für Kieferchirurgie“ wurde letztere 1942 in „Fachzahnarzt für Kieferkrankheiten“ abgeändert. Die Bezeichnung „Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten“ war demgegenüber weiterhin Doppelapprobierten vorbehalten [Stuck, 1944]. Trotz dieser Änderung fiel es primär den Patienten schwer, die fachlichen und qualifikatorischen Unterschiede zwischen beiden Gruppierungen nachzuvollziehen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Teilung Deutschlands kam es auch zu unterschiedlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der Berufsbezeichnung und der Weiterbildungsmöglichkeiten. Dies betraf sowohl die Doppelapprobierten als auch die weitergebildeten Zahnärzte. So wurden den doppelapprobierten Kieferchirurgen in der Bundesrepublik seit 1951 die Bezeichnung „Facharzt für Kiefer- und Gesichtschirurgie“ zuerkannt. 1976 folgte dann die Bezeichnung „Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie“. In der DDR wurde den Doppelapprobierten zunächst ähnlich wie in der BRD die Qualifikation zu einem kieferchirurgischen Facharzt ermöglicht. 1977 wurde jedoch der auf der Grundlage der Doppelapprobation vergebene kieferchirurgische Facharzt abgeschafft und in Anlehnung an andere Staaten ein Fachzahnarzt für Kieferchirurgie eingeführt.

Allgemeinzahnärztlich tätige Behandler führten in der DDR die Bezeichnung Stomatologe. Das Studium wurde hier in der Regel mit einer Diplomarbeit abgeschlossen (Dipl.-Stom. = Diplom-Stomatologe). Danach war es zeitweise möglich, eine Weiterbildung zum Fachzahnarzt für allgemeine Stomatologie (1961) zu durchlaufen. Daneben existierten in der DDR der Fachzahnarzt für Kinderstomatologie (1961), der Fachzahnarzt für orthopädische Stomatologie, der Fachzahnarzt für Sozialhygiene (1975) und der Fachzahnarzt für Kieferchirurgie (1977). Nach der Wiedervereinigung wurden diese fachzahnärztlichen Qualifikationen abgeschafft. Sie konnten und können jedoch von den Absolventen weiter geführt werden. Ohne faktische Bedeutung blieben die 1983 in der DDR etablierten Fachzahnärzte in theoretisch-experimenteller Medizin beziehungsweise Mikrobiologie.

In der Bundesrepublik wurden neben dem bereits seit 1935 existenten Fachzahnarzt für Kieferorthopädie der Fachzahnarzt für Oralchirurgie (1975), der Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen (1975), der Fachzahnarzt für Parodontologie (1983, nur im Geltungsbereich der Landeszahnärztekammer Westfalen-Lippe) sowie der Fachzahnarzt für Allgemeine Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (2008, nur im Geltungsbereich der Landeszahnärztekammer Brandenburg) eingeführt.

Derzeit finden sich einerseits weitreichende Tendenzen der Auffächerung – erkennbar an den rezenten Spezialisierungsprogrammen mancher wissenschaftlicher Fachgesellschaften und zunehmenden postgradualen Masterausbildungen bis hin zu umstrittenen, vorwiegend kommerziell motivierten Spezial-Zertifikaten fraglicher Qualität – und auf der anderen Seite anhaltende standespolitische Bemühungen, der befürchteten „Zersplitterung“ der Zahnärzteschaft entgegenzuwirken. Auch hier wird die nähere Zukunft zeigen, welchen Weg die akademische Zahnheilkunde nimmt.

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. phil. Dominik Groß
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin
Medizinische Fakultät und Universitätsklinik der RWTH Aachen
dgross@ukaachen.de

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