Die Digitalisierung des Gesundheitswesens (2)

Was sie meinen, wenn sie E-Health sagen

Die GKV

Grundsätzlich steht der Spitzenverband der GKV der Anwendung von telemedizinischen Verfahren „positiv gegenüber“, wie es in einem Positionspapier vom Februar 2016 heißt. So stellte etwa die AOK Nordost auf einem Gesundheits-IT-Symposium der Telemed-Initiative Anfang Februar in Potsdam ein Bonus- und Prämienprogramm vor, das über App funktioniert. Die Argumentation ist die altbekannte: Es soll die Versicherten vorrangig zu einem gesunden Lebensstil motivieren, sagt die Kasse. Daher winken den Versicherten für sportliche Aktivitäten oder medizinische Vorsorge auch Prämien.

„Wir können Krankheiten besser beobachten“
Laut TK-Chef Jens Baas ist die TechnikerKrankenkasse ein starker Befürworter eines zukünftigen sogenannten Patientenfaches. Was ist das? Die Patienten erhalten ab 2018 einen Anspruch darauf, dass ihre auf der
elektronischen Gesundheitskarte gespeicherten Daten in ein elektronisches Patientenfach aufgenommen werden. Patienten können auf diese Weise ihre Daten künftig online auch außerhalb der Arztpraxis eigenständig einsehen. Baas plädierte in der Süddeutschen Zeitung vom 07. Februar dafür, dort neben medizinischen Angaben wie Befunden, Röntgenbildern oder Laborwerten auch Daten von Fitness-Trackern aufzunehmen. So könnten Krankheiten besser beobachtet und dem Versicherten leichter Prognosen über die gesundheitliche Entwicklung gegeben werden. Allerdings: Der Patient solle selbst entscheiden, ob er dies möchte.

Kritiker indes fragen, was passiert, wenn bei einem Kassenwechsel die Daten möglicherweise nicht mitgenommen werden können. Dies dürfte nicht nur die Entscheidung für einen Wechsel erschweren, sondern es würde auch das, was als Service daherkommt, zur Fessel für den Versicherten und zum Patientenbindungsinstrument für die Kasse.

„Die Patienten werden Herr ihrer Daten“
Die Kasse ficht die Kritik nicht an: Der Trend zu „Wearables“ und „Selftracking“ sei eben keine Spielerei, sondern stärke den selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Umgang mit der Gesundheit, lobt sie die gewonnene Patientensouveränität. „Die Technik entwickelt sich viel rasanter als der gesetzliche Rahmen – hier müssen wir nachsteuern“, so Baas. Einige Ärzte aber sehen die Pläne der TK kritisch: Franz Bartmann, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, hält Tracking-Daten in Patientenakten gar für „Datenmüll“. Die vorwiegenden Nutzer seien leistungsbereite junge Menschen, die meist kein Fall für den Arzt seien

„Telemedizin spart Zeit und ist entlastend“
Die DAK-Gesundheit bietet einen Videochat mit Ärzten an: DAK-Versicherte können sich von zu Hause aus von Fachärzten in einem speziellen Videochat beraten lassen. „Das spart Zeit und verhindert auch die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer, vor allem für Eltern kleiner Kinder ist dies entlastend“, sagt Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Der Datenschutz werde dabei gemäß den gesetzlichen Regelungen eingehalten. Weder Angehörige noch die Mediziner oder die Kasse würden erfahren, was besprochen wird. Den Ärzten wiederum lägen keine Unterlagen der Kasse vor.

Das Problem daran: Das Angebot ruft ein anderes Thema auf den Plan, das mit telemedizinischen Angeboten in Verbindung steht – das Fernbehandlungsverbot. Ärzte dürfen im Videochat nicht behandeln und keine Diagnose stellen. Das Berufsrecht setzt voraus, dass sich der Arzt ein unmittelbares Bild des Patienten durch die eigene Wahrnehmung verschafft. Berufsrechtswidrig ist es daher, den Patienten ohne physischen Kontakt zu behandeln. Möglich ist dagegen, unter Einsatz von Print- und Kommunikationsmedien einen konsiliarischen Rat zu geben.

„Wir wollen die Versorgung verbessern“
Auch die Barmer ist dabei: Seit Januar bietet die Kasse beispielsweise das telemedizinische Konsiliararztsystem „PädExpert“ im Rahmen ihres Kinder- und Jugend-Programms an, das die Versorgung von Heranwachsenden verbessern soll, die unter seltenen und chronischen Erkrankungen leiden. Generell unter stütze die Barmer die Internetmedizin, sofern diese „einen konkreten Mehrwert für den Patienten“ habe und diesen „in einer grundlegenden Evaluation nachweisen“ könne, so Barmer-Vorstand Dr. Mani Rafii. Ziel müsse  ein echter Nutzen für die Patienten sein, ohne dass diese die Hoheit über ihre Daten verlieren.

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