Trainieren für den Notfall

Ein Heldenkurs für das Team

Notfälle sind im Praxisalltag selten – zum Glück. Gerade deshalb müssen sie immer wieder geübt werden. In der Regel fehlt aber die Zeit für Seminare. Und erst wenn es einem Patienten schlecht geht, merkt man, dass die Inhalte nicht mehr sitzen. Aus dieser Misere helfen kann eine Lern-DVD, die ein Mediziner und eine ZFA jetzt speziell für Zahnärzte und ihre Mitarbeiter entwickelt haben. Wir stellen das Konzept und zwei Kapitel aus dem „Heldenkurs“ vor.

Kapitel 1: unklare Bewusstlosigkeit: Hier wird ein bewusstloser Patient beatmet. Der Notfallkoffer sollte eine Sauerstoffflasche und eine Beatmungsmaske enthalten. Vor dem Anlegen der Maske muss der Mundraum unbedingt nach Verlegen durch die Zunge oder Fremdkörper inspiziert werden, rät Dr. Cornelius Pahl. © Heldenkurs.de

Kapitel 3: Reanimation: „Beide Hände übereinander mit ausgestreckten Ellenbogen im rechten Winkel über das Sternum legen“, empfiehlt Pahl. „Drücken Sie mit festem Druck das Brustbein 5 bis 7 cm ein, geben Sie in schnellem Rhythmus 30 Stöße.“ Die Atemmaske des Ambu-Beutels sollte fest über Mund und Nase gelegt, der Kopf nach hinten überstreckt werden, damit die Luftwege frei sind. Zwei Mal beatmen – das übernimmt möglichst der Zweithelfer. Im 30:2-Rhythmus so lange reanimieren, bis der Patient eigenständig Luft holt oder der Notarzt eingetroffen ist. Bei Kraftverlust wechseln sich die Helfer ab. © Heldenkurs.de
Kapitel 4: Verletzungen: Der Patient hat sich an der Hand verletzt. Ihn hinsetzen, Ruhe bewahren, die Verletzung desinfizieren, mit Wundgaze abdecken, Druckverband anlegen. Pahl ermahnt: „An den Tetanus-Schutz erinnern! Labile Patienten wegen einer Schockgefahr einige Zeit beobachten!“ © Heldenkurs.de
Kapitel 8: kardialer Notfall: Diese Patientin klagt über Schmerzen im Brustkorb und im linken Arm. Die Patientin aufrecht lagern, also den Behandlungsstuhl im rechten Winkel aufstellen. Pahl erklärt, warum es so wichtig ist, den Patienten zu beruhigen. Sollte der Patient kein Herzpatient sein und kein eigenes Notfallspray dabei haben, reichen zwei Hübe Nitroglyzerin-Spray auf die Zunge als Erstmaßnahme. © Heldenkurs.de
Die Doppel-DVD-Box „Notfallsituationen in der Zahnarztpraxis“ kostet 89 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Bezug unter http://www.heldenkurs.de. © Heldenkurs.de

Claudia Kunstmann ist seit über 25 Jahren Zahnarzthelferin und Dr. Cornelius Pahl leitet neben seiner Tätigkeit als Allgemeinmediziner und Notarzt Notfallseminare für Praxisteams. In ihrer DVD „Heldenkurs: Notfallsituationen in der Zahnarztpraxis“ führen sie anhand von zwölf Kapiteln durch ebenso viele Notfälle. Dabei geht es nicht darum, umfangreiche Diagnosen zu erstellen, sondern einen kühlen Kopf zu bewahren und den Notfall symptomorientiert abzuarbeiten – anhand einer Basisdiagnostik, die den Patienten stabilisiert und ihm das Leben rettet. Ihr erklärtes Ziel ist, den Beteiligten die Angst vor der plötzlichen Ausnahmesituation zu nehmen.


Kurzanleitung im Notfall

Hilfsbedarf bestimmen (H): Zuerst für Eigenschutz sorgen, dann sich wie folgt um den Notleidenden kümmern: 1. verbalen Reiz setzen: laut ansprechen, 2. mechanischen Reiz setzen: Wange berühren, Arme, Schultern anfassen, 3. Schmerzreiz setzen, am besten an der Innenseite des Oberarms die Haut stark drehen, wenn der Patient immer noch keine Reaktion zeigt, muss 4. eine Atemkontrolle erfolgen. Atmet der Patient nicht: Hilfe holen!

Equipment (E): Der Notfallkoffer muss sofort greifbar sein, ebenso der Verbandskasten sowie der Defibrillator, mit dem die Basisdiagnostik erfolgen kann (Puls und Blutdruck messen, Blutzucker und partialen Sauerstoffgehalt im Blut bestimmen).

Lebensrettende Sofortmaßnahmen (L): Herz-Lungen-Wiederbelebung, Sauerstoffapplikation, Zugang legen, Medikamentengabe, Verband anlegen, richtige Lagerung durchführen

Decke (D): Den Patienten mit einer wärmenden Decke zudecken, um die Wärme zu erhalten, Zuwendung zu vermitteln und ihn von der Umwelt zu separieren.


Die Notfallsituationen, die allesamt in jeder Praxis eintreten können, werden in einer Zahnarztpraxis nachgestellt und dann aus dem Off von Pahl und dem Moderator, Christian Franz von Antenne Bayern, diskutiert. Franz stellt die Fragen, Pahl antwortet. Die einzelnen Szenen werden im Anschluss in Zeitlupe kommentierend wiederholt, so dass sich die Zuschauer die Handlungsschritte einprägen können.


Die Kapitel
1. Unklare Bewusstlosigkeit
2. Stabile Seitenlage
3. Reanimation
4. Verletzungen
5. Psychiatrischer Notfall
6. Hypoglykämie
7. Apoplex
8. Kardialer Notfall
9. Atemnot
10. Anaphylaxie
11. Krampfanfälle
12. Lagerungen und Notfallkoffer

Bonuskapitel
1. Der Blutzucker
2. Der i.v.-Zugang
3. Der Blutdruck
4. Der Defibrillator
5. Die Pulsoxymetrie



Kapitel 1: unklare Bewusstlosigkeit
Der Patient sitzt im Behandlungsstuhl und klagt über Unwohlsein. Er reibt sich die Stirn, sein Kopf fällt auf die Kopfstütze. „Wie gehen Sie vor?“, fragt Franz. Das Bild hält an, Pahl und Franz gehen die einzelnen Schritte durch. Zuerst muss sich, erklärt Pahl, der Zahnarzt selbst absichern, also Handschuhe anziehen. Dann sollte er den Patienten laut ansprechen. Reagiert dieser nicht, folgt die nächste Stufe – das Anfassen von Wange und Schultern – bis hin zum Schütteln. „Warum ist das so wichtig?“, fragt Franz. Pahl: „Um den Patienten ’zurückzuholen’.“ Wenn das nicht klappt, empfiehlt er, einen Schmerzreiz zu setzen. Im Film zwickt der Behandler den Patienten dafür kräftig in die Innenseite seines Oberarms, weil diese Zone äußerst schmerzsensibel und auch bei einem Sitzenden gut erreichbar ist. Erlangt der Patient auch jetzt das Bewusstsein nicht zurück, folgen Atemkontrolle und Reanimation. Der Notarzt wird alarmiert.


Oder doch lieber ein Buch

Notfallmanagement in der Zahnarztpraxis: Ein praktischer Ratgeber für jeden Zahnarzt.
Sönke Müller.
Spitta Verlag, Bahlingen,
3. überarbeitete und ergänzte Auflage 2016,
ISBN: 978–3–943996–83–8.


Der Praxisleitfaden ist speziell auf Zahnmediziner zugeschnitten und zeigt, wie mit wenigen grundlegenden Maßnahmen Notfallsituationen entschärft und dadurch medizinisch wie juristisch fatale Konsequenzen abgewendet werden können.
Darüber hinaus erläutert der Autor die Rechtssituation des Zahnmediziners, gibt Tipps zum Eigenschutz und zur Notfallausstattung einer Zahnarztpraxis. Dabei sind sowohl die Geräte und deren korrekte Handhabung als auch Notfallmedikamente und deren Verabreichung beschrieben. Mit dieser Auflage wurde der Leitfaden unter anderem um die seit 2014 existierende Gruppe der oralen Antikoagulanzien, wichtige weitere (Notfall-)Medikamente sowie um den patientenfreundlichen Einsatz von Verneblermasken ergänzt.


Notfallmedizin für Zahnärzte.
Lehrbuch für die Praxis mit Checklisten, Algorithmen, Rechtsgrundlagen.
Dr. F. G. Mathers.
Deutscher Zahnärzte Verlag, Köln, 2015
ISBN: 978–3–7691–3572–5.


Das Lehrbuch gibt eine solide Grundlage und klare praktische Anweisungen, um im Stress einer Notfallsituation ruhig, angemessen und korrekt handeln zu können.
Dargestellt wird die Vorbereitung auf den Notfall, einschließlich der notwendigen Ausrüstung, ebenso wie Maßnahmen zur Prävention, um Notfallsituationen in der Zahnarztpraxis von vornherein zu verhindern. Von der einfachen initialen Diagnostik über die Alarmierung des Rettungsdienstes bis hin zur Patientenpositionierung und der Applikation von Medikamenten werden alle relevanten Notfälle in der Zahnmedizin besprochen. Mit Checklisten für eine zweckmäßige Notfallausrüstung sowie umfassenden
Informationen zur Sedierung mit Lachgas, zu intravenösen Sedativa und zur Lokalanästhesie. Der Kinderbehandlung ist ein eigenes Kapitel gewidmet.


Kapitel 12: Lagerungen und Notfallkoffer
Pahl erinnert daran, dass nach jedem Einsatz sofort alle verwendeten Materialien ergänzt sowie die Verfallsdaten – zum Beispiel die Notfallmedikation – genau kontrolliert werden müssen. Ein Blutdruck-Messgerät und möglichst auch ein Pulsoxymeter gehören in greifbare Nähe eines jeden Behandlungsstuhls. So empfiehlt Pahl eine Atemmaske, die mit einer kleinen Sauerstoffmaske gekoppelt ist, unbedingt im Koffer zu platzieren. Er erklärt, wie die Maske aufgesetzt wird und warum es so wichtig ist, den Kopf des Patienten nach hinten zu überstrecken.



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