Von der Poliklinik in die Niederlassung

Kollegenhilfe nach dem Mauerfall

Am 9. November 1989 wird am Grenzübergang Bornholmer Straße in Berlin Geschichte geschrieben. Für die Zahnärzte aus der DDR war mit dem Mauerfall auch der langersehnte Weg frei in die Niederlassung. Unterstützt wurden sie dabei von erfahrenen Kollegen aus dem Westen. Einer von ihnen war Wolfgang Laube.

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Zahnarzt Wolfgang Laube half Kollegen aus dem Osten bei der Niederlassung, denn im vereinten Deutschland galten die Abrechnungs- und die Verwaltungsvorschriften der alten BRD. © sf-zm
Gut beraten von Wolfgang Laube - Dr. Christian Groß © sf-zm

„Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, kam diese Wende für uns alle völlig überraschend, und sie traf uns auch völlig unvorbereitet“, erinnert sich Wolfgang Laube im zm-Gespräch rückblickend an die Zeit der Wiedervereinigung. Er selbst erlebte diesen Tag in Oberfranken. Dort hatte er sich ein Grundstück gekauft und ein Haus mit einer Zahnarztpraxis errichtet. Für den Fall, dass der Kalte Krieg ein Leben in Berlin unmöglich gemacht hätte, wäre er übergesiedelt. Ihm zufolge gab es manche Berliner , die in den politischen Wirren der siebziger und achtziger Jahre ähnlich gedacht und gehandelt haben. Aber es kam zum Glück anders und das geteilte Deutschland wurde nach mehr als 28 Jahren wiedervereinigt.

Raus aus der Poliklinik, rein in die Niederlassung

Die Vorstände von KZV und Kammer sowie der Verband der Zahnärzte von Berlin wurden dann sehr zügig tätig, erzählt Laube. Schnell wurde absehbar, dass das bundesdeutsche Gesundheitssystem auf die neuen Länder übertragen werden würde. Die Polikliniken lösten sich auf beziehungsweise wurden von Kollegen übernommen. Praxisgründungen schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Krankenkassen etablierten sich im Osten genauso wie die regionalen Kammern und KZVen.


Die beiden Zahnärzte

Als Zahnarzt im Bezirk Berlin Zehlendorf niedergelassen, übte Wolfgang Laube von 1962 bis zum 13. März 1989 das Ehrenamt eines Beisitzers im Vorstand der Berliner KZV aus. Er war auch Mitglied in der Delegiertenversammlung der Zahnärztekammer Berlin. 1980 erhielt er die Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft.

2016 wurde ihm die Ewald-Harndt-Medaille der Zahnärztekammer Berlin verliehen. Sie wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich herausragend um den zahnärztlichen Berufsstand verdient gemacht haben.

Groß ist Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie in Potsdam. Vor der Wende war er als Chef der kieferchirurgischen Abteilung der bezirksgeleiteten Zahnärztlichen Poliklinik tätig. Nach dem 9. November 1989 – als alles im Umbruch war – lernte er zu Hause bei einem Kollegen aus Berlin-Wannsee Wolfgang Laube kennen.

Über ihn sagt er: „Mit seiner Hilfe wusste man gleich, wo es lang geht. Er war sehr agil und eifrig und hat sich dann federführend aufgemacht, um uns zu beraten. Man brauchte nur den Mund aufmachen und fragen. Von ihm erhielt man immer eine vernünftige Antwort. Sein Credo war immer ’mitmachen und mitbestimmen’. Dazu hat er uns auch angespornt. Ich bin jetzt selber im Prüfungsausschuss Oralchirurgie.“

Heute leitet Groß eine Praxis im selben Gebäude, in dem seinerzeit die Poliklinik untergebracht war. Den Kredit für den Umbau von der Poliklinik zur Praxis erhielt er nach der Wende von der apoBank. Ein sogenannter Unternehmensberater der Sparkasse hatte zuvor den Kreditantrag abgelehnt und ihm im Nachgang eine Bearbeitungsgebühr von 10.000 DM ausgestellt.


Eine Besonderheit kennzeichnete die Berliner Situation: Im Unterschied zu den übrigen fünf Bundesländern wurden die Zahnärzte der neuen Stadtbezirke in die bereits existierenden Körperschaften von Kammer und KZV aufgenommen.

Informationsabende sollten den hinzukommenden Kollegen die Praxisaufnahme, vor allem aber auch die fremden Abrechnungs- und Verwaltungsvorschriften nahebringen. Das ’Raus aus der Poliklinik und Rein in die Niederlassung’ musste für die meisten zahnmedizinischen Neubundesbürger mit dem Beginn der neunziger Jahre zu einer enormen Herausforderung werden, die sie „aber mit Bravour meisterten“, bilanziert Laube.

Ein Beispiel: Wie schwierig war es etwa für langjährig erfahrene Kinderzahnärztinnen, sich niederzulassen und sich damit für alle zahnmedizinischen Fachgebiete öffnen zu müssen? Und welchen Mutes bedurfte es, sich aus dem sicheren Angestelltenverhältnis zu lösen und ein risikoreiches Unternehmen namens Praxis zu gründen? Durch Kurse und Fortbildungen erfuhren sie Unterstützung auf dem Weg zur niedergelassenen Allgemeinzahnärztin. Schließlich wurden ja alle Kollegen zur Sicherstellung der Versorgung der Berliner Bevölkerung dringend gebraucht. Und genau hier sah Wolfgang Laube sein neues Betätigungsfeld. Nach seinem Engagement in der Berliner KZV wurde er wenige Monate später als jahrzehntelanges Mitglied des Verbandes der Zahnärzte von Berlin zum ersten Ansprechpartner für viele Kollegen in den neuen Stadtbezirken.

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