eGK und Versichertenstammdatenabgleich

Endlich eine gute Nachricht: Vortests positiv gestartet

Sie gilt als eines der umfangreichsten und schwierigsten IT-Projekte in Europa – und als Aushängeschild gleichermaßen: Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und die damit verbundenen Möglichkeiten der Vernetzung von Patienten, Ärzten, Kliniken und Krankenkassen untereinander. Weil sich die Nutzung von diversen Funktionen bislang immer wieder verschoben hat, gab es fast nur Hiobsbotschaften. Doch jetzt sind die ersten Vortests in den Praxen gestartet, um das Management der Versichertenstammdaten mittels der eGK zu testen.

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Es klang wie ein Fanfarenstoß: „Die gematik Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH hat die Pilotphase für das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) begonnen“. Durchaus mit Stolz verkündete die gematik die erste Erprobungsstufe für das VSDM in einer Mitteilung. Und hatte vielleicht auch allen Grund dazu, denn über zehn Jahre nach ihrer Gründung musste man nicht wieder eine Verzögerung vermelden bei dem Versuch, Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) an den Start zu bringen. Nach vielen Jahren der Vorbereitung in der gematik und der Industrie war es am 19.11.2016 soweit: Die ersten Konnektoren zur Erprobung des Versichertenstammdatenmanagements sind ausgeliefert und in Zahnarztpraxen installiert worden.

Ohne Konnektor geht gar nichts

Der Konnektor ist das Verbindungsstück zwischen dem Kartenterminal in den Praxen und der Telematikinfrastruktur der elektronischen Gesundheitskarte. Das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) ist die erste Anwendung der Telematikinfrastruktur. Beim VSDM können (Zahn-)Ärzte in Echtzeit („online“) überprüfen, ob die auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeicherten Versichertenstammdaten (etwa Name, Wohnort oder Versichertenverhältnis) aktuell sind respektive ob überhaupt ein gültiges Versicherungsverhältnis besteht. Ärzten und dem medizinischen Hilfspersonal stehen damit die aktuellen Stammdaten auf der eGK stets zur Verfügung. Zudem dient dies der einfacheren Handhabung, schließlich muss künftig nicht bei jeder Adressänderung eine neue Karte ausgestellt werden.

Der Abgleich soll auch den Betrug, der mit Versichertenkarten bisweilen geschieht, eindämmen: Durch den Onlineabgleich können verlorene oder gestohlene Karten sofort gesperrt werden.

Erste Vortests mit Freiwilligen

Mit der Installation des Konnektors begann die erste Phase der Erprobung (Vorpilotierungsphase) durch sogenannte „friendly user“. So werden jene 24 Teilnehmer (23 Ärzte und Zahnärzte sowie 1 Krankenhaus) genannt, die sich freiwillig bereit erklärt haben, drei Wochen lang Tests vor dem eigentlichen Start der Erprobung durchzuführen, um so wichtige Erkenntnisse über die Funktionsfähigkeit zu erhalten. Aufgrund des überschaubaren Teilnehmerkreises sind Prozessabweichungen besser zu kontrollieren und zu beheben, heißt es von der gematik. Diese „friendly-user-Phase“ endet mit einem Abschlussbericht zur Vorpilotierung und dessen Güteprüfung durch die gematik und deren Gesellschafter.

Einer der friendly user ist Zahnarzt-Kollege Dr. Oliver Speyer aus Lübbecke. Wir wollten wissen, wie es ihm ergangen ist: „Die Installation wurde für alle Beteiligten zur Geduldsprobe“. Im EDV System mussten diverse Anpassungen im Softwaresystem erfolgen. Der Anschluss des Kartenlesers und des Konnektors stellte sich doch als etwas schwieriger als gedacht dar. Speyer: „Nach rund 4 Stunden und 30 Minuten war das System installiert, so dachten wir. Eine Versichertenkarte konnte erfolgreich eingelesen werden.“

Kinderkrankheiten bei der Erstinstallation sind normal

Doch beim Neustart des Systems traten Probleme auf, weil Konnektor und Kartenleser zunächst keine Verbindung mehr herstellen konnten. Nachdem auch dieses Problem gelöst war, waren insgesamt dann sechs Stunden vorbei, schreibt Kollege Speyer, jedoch mit gutem Ausgang: „Der Konnektor und das Kartenlesegerät funktionieren, bisher ohne Probleme. Die eGK kann wie gewohnt in das Praxisverwaltungssystem eingelesen werden.“ Und auch andere Teilnehmer berichten, dass bis auf wenige Probleme, die meist mit speziellen Konfigurationen in der Praxis zusammen hingen, die Installation und die Inbetriebnahme reibungslos erfolgte. Auch im Testbetrieb gab es laut der Tester bisher keine Probleme. Natürlich müsse man sich an einige neue Details und den zusätzlichen Arbeitsschritt gewöhnen, dies seien aber keine unüberbrückbaren Schwierigkeiten, hieß es.

Für Alexander Beyer, Geschäftsführer der gematik, ist dies ein Erfolg: „Wir sind unserem Ziel einen großen Schritt nähergekommen. Erstmals werden Ärzte, Zahnärzte und Kliniken über die Telematikinfrastruktur sektorenübergreifend miteinander vernetzt sein. Und wir haben eine Plattform geschaffen, die eine höchstmögliche Sicherheit für Patientendaten bietet und künftig allen Bürgern moderne vernetzte medizinische Anwendungen zur Verfügung stellen kann“. Das mache das Gesundheitswesen nicht nur effizienter; es verbessere auch die Versorgung der Patienten.

Ab Mitte 2018 sollen alle vernetzt sein

Die weiteren Planungen sehen vor, dass ab dem 19.12.2016 sukzessive alle Erprobungsteilnehmer angeschlossen werden, so das mit der bis zu sechs Monate dauernden Haupterprobung begonnen werden kann. Die erfolgt in den zwei Testregionen Nordwest (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz) und Südost (Sachsen, Bayern), mit jeweils 500 Praxen (niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten) und jeweils fünf (Südost) respektive sechs (Nordwest) Krankenhäusern (siehe auch zm 21).


Kommentar

„Die mit großer Spannung erwartete Ausstattung der friendly User hat wertvolle erste Erkenntnisse gebracht. Im Großen und Ganzen hat es in den Zahnarztpraxen keine größeren Probleme bei der Installation der technischen Komponenten und der Einbindung dieser in die PVS-Systeme gegeben. Auch die ersten Ergebnisse beim Einlesen der Versichertenkarten stimmen hoffnungsfroh, da es kaum Unterschiede zu dem heutigen Verfahren gibt. Vor allem sind die Zeiten beim Einlesen nicht signifikant verändert. Wir können also ohne Ängste in die weiteren Testverfahren gehen. Einzig die Installationszeiten sind für das Testverfahren doch sehr lang.“

Dr. Günther E. Buchholz ist stellvertretender Vorsitzender der KZBV und zuständig für den Bereich Telematik.


Ab Mitte 2017 sollen dann alle niedergelassen Ärzte die notwendigen Produkte erhalten, um an die Telematikinfrastruktur anschlossen zu werden. Der Gesetzgeber hat als Endpunkt hierfür den 30.6.2018 gesetzt. Bis dahin soll alles Notwendige zur Verfügung stehen, um die erste Funktion der elektronischen Gesundheitskarte, das Management der Versichertenstammdaten, flächendeckend nutzen zu können. Nach und nach sollen dann weitere medizinische Anwendungen wie Notfalldaten oder der eMedikationsplan eingeführt werden, die den Wert der Telematikinfrastruktur erkennbar machen, so die gematik.

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