Volker Looman zu Männern als Vermögensverwalter

Seelsorge für Zahnärztinnen – ein Beruf mit Zukunft?

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der BILD und in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Der letzte Artikel dieses Jahres kann, ich sage es lieber gleich, bei der einen oder oder anderen Zahnärztin zu Schluckbeschwerden führen. Es geht um das Verhältnis von Frauen zu Geld. Das ist ein abendfüllendes Thema und wenn ich jetzt als Mann auch noch zu sagen wage, das Verständnis für Geld und Zahnärztinnen sei für Männer ein Berufsbild mit goldener Zukunft, drohe ich mich um Kopf und Kragen zu schreiben. Trotzdem: Attempto! Ich wage es wie weiland Graf Eberhard im Barte, der Gründer der Universität zu Tübingen.

Mich haben in jüngster Zeit drei Damen besucht. Bitte zügeln Sie jetzt Ihre blühende Fantasie, meine (mitlesenden) Herren. Erstens haben mich die Frauen nacheinander besucht, und zweitens ging es um berufliche Dinge. Die erste Dame hat eine Million auf dem Konto, die zweite 1,5 Millionen, die dritte eine halbe Million und alle Angaben sind in Euro. Das gemeinsame Problem der drei Anlegerinnen war – beziehungsweise ist noch immer – die Unzufriedenheit mit ihren Vermögensverwaltern.

Die Frauen bezahlen diversen Herren für finanzielle Begleitdienste, wenn ich dieses Bild benutzen darf, im Schnitt etwa 1,5 Prozent pro Jahr, und die Männer bieten nicht, was sie liefern sollen. Was haben Sie – liebe Leserinnen – dazu zu sagen? Ich bin nur ein Mann und will mich, das werden Sie verstehen, nicht in fachfremde Themen einmischen. Meine resolute Freundin ist der Meinung, die Männer gehörten in die Wüste und die Frauen sollten ihr Geld selbst in die Hand nehmen. Ich muss mich dem Urteil vollumfänglich anschließen, weil die bestehenden Verhältnisse in der Tat kaum zu ertragen sind.

Die Damen sind durch Ehe, Scheidung und Erbschaft zu Geld gekommen. In allen Fällen kam der „Reichtum“ über Nacht, und in allen Fällen fühlten sich die Frauen mit dem Geld überfordert. Daher haben sie sich an ihre Hausbanken gewandt. Und in der Vermögensverwaltung sind – na ja, Sie ahnen schon – eben Männer tätig. Anfangs war die Sache lustig. Die Herren waren freundlich und kosteten „kein“ Geld. Nun hat sich der Wind gedreht. Die Männer sind immer noch höflich, doch die Frauen haben gemerkt, dass ihnen die Herren doch auf der Tasche liegen. Der erste kostet 12.000 Euro pro Jahr, der zweite schlägt mit 15.000 Euro pro Jahr zu Buche und der dritte im Bunde lässt sich mit 10.000 Euro entlohnen.

Ich habe den Anlegerinnen die Korrektheit ihrer Beobachtungen bestätigt. Wir haben intensiv über Alternativen diskutiert und mein Vorschlag, die Vermögen selbst zu verwalten, stieß auf offene Ohren. Ich spreche bewusst im Imperfekt, weil das Interesse schlagartig nachließ, als es darum ging, Nägel mit Köpfen zu machen. Da scheuten die Damen den Sprung über den Oxer. Und ahnen Sie auch, warum die Frauen bock(t)en? Sie wollen für allfällige Verluste keine Verantwortung übernehmen.

Ich habe Verständnis für diese Gefühle, doch ich finde es bemerkenswert, dass starke Frauen bereit sind, so viel Geld für billige Blitzableiter auszugeben. Ich muss mir über Weihnachten und Silvester mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, ob ich den richtigen Beruf ausübe oder ob es nicht vorteilhafter ist, mich als (finanzieller) Seel- sorger für Zahnärztinnen zur Verfügung zu stellen. Ich schreibe seit 31 Jahren für Zeitungen aller Art und gebe mir Woche für Woche alle Mühe, auch Frauen über den Umgang mit Geld aufzuklären. Nun höre ich binnen weniger Tage von ganzen und halben Millionärinnen, das sei zwar aller Ehren wert, doch eine Frau sei, wenn’s um (viel) Geld geht, auf männlichen Beistand angewiesen. Wenn das stimmt, meine Damen, werde ich im nächsten Frühjahr auf „Frauenversteher“ umsatteln. Ich ahne zwar, dass das heikles Terrain ist, doch in Anbetracht der Aussichten halte ich es mit dem alten Grafen: Attempto!

Die Perspektiven scheinen glänzend zu sein. Ich kann schreiben und Geschichten über Geld erzählen. Wenn ich es schaffe, 30 grüne Damen mit jeweils 1.000.000 Euro von meinem Charme und meiner Kompetenz zu überzeugen, werde ich Assets von 30 Millionen „under management“ haben, wie das in Fachkreisen heißt. Ich werde den Frauen natürlich die fondsbasierte Vermögensverwaltung ans Herz legen. Das kostet zwar 2 Prozent pro Jahr, aber über diesen Punkt wollen wir großzügig hinwegsehen. Das eine Prozent geht an die Fondsgesellschaft, und das andere Prozent geht an mich.

Darf ich Sie jetzt bitten, meinen weiteren Überlegungen mittels Kopfrechnen folgen zu wollen? 30 Millionen Euro mal 1 geteilt durch 100 ergeben pro Jahr exakt 300.000 Euro. Ich veranschlage pro Anlegerin und Jahr zwei Gespräche à vier Stunden. Hinzu kommen pro Dame vier Telefonate à 30 Minuten. Das sind in der Summe genau 300 Arbeitsstunden. 300.000 Euro geteilt durch 300 Stunden führen zu einem Stundensatz von 1.000 Euro. Davon sind – Gott sei’s geklagt – noch Krankenkasse und Steuern abzuziehen, aber was soll’s, meine Damen? Ich gebe dem Kaiser, was des Kaisers ist, und ich hoffe, dass Sie so bleiben, wie Sie sind: Bodenständig, charmant, emanzipiert, liebenswürdig, selbständig – und in Vermögensfragen ein bisschen „anlehnungs- bedürftig“ an breite Männerschultern.

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


Alle Kolumnen von Volker Looman (2016)

Der letzte Artikel dieses Jahres kann, ich sage es lieber gleich, bei der einen oder oder anderen Zahnärztin zu Schluckbeschwerden führen. Es geht um das Verhältnis von Frauen zu Geld. Das ist ein abendfüllendes Thema und wenn ich jetzt als Mann auch noch zu sagen wage, das Verständnis für Geld und Zahnärztinnen sei für Männer ein Berufsbild mit goldener Zukunft, drohe ich mich um Kopf und Kragen zu schreiben. Trotzdem: Attempto! Ich wage es wie weiland Graf Eberhard im Barte, der Gründer der Universität zu Tübingen.

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In wenigen Wochen ist wieder Weihnachten. Folglich wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wen Sie in Kürze womit beglücken werden. Darf ich Sie bitten, in diesem Jahr auch mal an Ihre liebe Hausbank zu denken? Mir schweben freilich keine gehäkelten Topflappen aus heimischer Produktion vor.

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Kann ich mit Ihnen heute mal über Risiken bei Geldanlagen sprechen? Mir ist bewusst, dass das Thema heikel ist, weil Risiken für die meisten von Ihnen der Vorhof der Hölle sind. Arbeit, Ehe und Leben enthalten Risiken.

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Ich bin Mitglied in einem Club, der weiland eine feste Burg für Männer war, im Laufe der letzten Jahre aber von Frauen geschleift worden ist. Natürlich werde ich – das ist Ehrensache – den Namen dieses Clubs nicht preisgeben. Ich verrate Ihnen aber aus Gründen der Geldräson, dass ich in dem Mitglieder-Magazin vor einiger Zeit bemerkenswerte „Gedanken über Geldanlagen in Zeiten der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“ gelesen habe.

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Die Zinsen für Hypotheken sind im Keller. Das hat sich herumgesprochen. Niedrige Zinsen und geringe Tilgungen bedeuten mäßige Raten. Das scheint auch bekannt zu sein. Niedrige Raten führen zu langen Laufzeiten. Sogar diese Botschaft scheint nicht mehr neu zu sein. Ich weiß aber nicht, wie viele Akademiker sich mit solcherart Hypotheken an der Nase herumführen lassen.

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Haben Sie gerade 10.000 Euro auf dem Konto? Haben Sie vielleicht 500.000 Euro geerbt? Wissen Sie nicht, was Sie mit dem Geld machen sollen? Dann hätte ich da eine Idee.

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Alter schützt vor Spielsucht nicht. Ich kann Ihnen nicht erklären, warum das so ist. Es geht um einen Anleger, der 66 Jahre alt ist und zwei Millionen Euro auf dem Konto hat.

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Jüngst hat mich ein Abendessen bei Freunden ziemlich mitgenommen. Dort berichtete die Gastgeberin von einer Kollegin, die 38 Jahre jung ist und sich auf ihr zweites Kind freut. Nun ist ihr Mann, ein Jahr älter, beim Joggen tot umgefallen.

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Bestimmt wissen Sie, dass Hamburg das Tor zur Welt und München die Weltstadt mit Herz ist. Da ist es kein Wunder, dass Eigenheime ihren Preis haben. Immobilien in Weltstädten gehen nicht ins kleine, sondern große Geld.

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Vorsicht, im Überschwang ist eine dynamische Kapitalversicherung schnell unterschrieben. Und dann beginnt das lange Leiden. Unser Autor Volker Looman erklärt, warum.

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Die Kalkulation mit Hochprozentigem ist für viele Menschen selbst in nüchternem Zustand höhere Mathematik. Das halten Sie für üble Nachrede? Dann sollten wir die Probe aufs Exempel machen.

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Ein Mann sollte – so will es die Tradition – im Leben drei Dinge tun: ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Ich weiß nicht, ob das Haus zum Glück nötig ist, doch wer glaubt, eine Villa bauen zu müssen, dem sei gesagt, dass es um mehr als nur um das Eigenheim geht.

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Darf ich Sie mal was Intimes fragen? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie bemerken, jahrelang betrogen worden zu sein? Ich meine jetzt nicht, was Sie wahrscheinlich vermuten, sondern es geht um Geld, das Sie für Leistungen bezahlt haben, die Sie gar nicht erhalten haben. Bitte überlegen Sie gut, was Sie sagen, weil alle Urteile, die Sie nun fällen, auch auf Sie zutreffen könnten.

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Das Thema der heutigen Erbauungsstunde lautet: Die Bedeutung des Ratenkredits für die deutsche Volkswirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Medizinern. Sie haben richtig gelesen, liebe Anhänger dieser Kolumne, es geht um das Schuldenmachen im Allgemeinen und um den (zahn)ärztlichen Konsum auf Pump. Bitte glauben Sie bloß nicht, rote Zahlen seien das Privileg niederer Stände.

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Knicken! Lochen! Abheften! Ich habe keine Ahnung, wie viele Ärzte sich jedes Jahr über den schweißtreibenden Dreikampf von Beamten und Bürokraten ärgern.

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