Fortbildung: Toxikologie und Allergologie

Sind abrasiv-pulverhaltige Präparate schädlich?

Zur mechanischen Desintegration des subgingivalen Biofilms kommen in der Parodontitistherapie seit einigen Jahren vermehrt Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräte zum Einsatz. Doch wie risikoreich ist das Verfahren? Kann die Applikation von Druckluft und kleinsten Pulverpartikeln in den Sulkus das dentale Gewebe und die Restaurationen nachhaltig beschädigen?

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Abbildung 1: Pulverstrahlkegel bei normaler klinischer Anwendung. Im Gegenlicht sind Streubreite des Kegels und die Tropfen- beziehungsweise die Aerosolbildung gut zu erkennen. © Petersilka

Abbildung 2: Mithilfe spezieller Düsenansätze ist es unter Verwendung niedrigabrasiver Strahlmittel möglich, eine Biofilmentfernung auch in Taschen tiefer als 5 mm zu bewerkstelligen. © Petersilka
Abbildung 3: Subgingivales Pulverstrahlen am Zahn: Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, sollte die Düse im Abstand von etwa 5 mm unter ständiger Bewegung etwa parallel zur Zahnachse gehalten werden. © Petersilka
Abbildung 4: Niedrigabrasives Pulverstrahlen ermöglicht eine effiziente Biofilmentfernung auch im periimplantären Gewebe. © Petersilka
Abbildung 5: Auch bei korrekter Anwendung niedrigabrasiver Pulver- medien kann postoperativ eine leichte Blutung präsent sein. Hier sind bukkal der Implantate jedoch durch Fehlanwendung überproportional starke Gingivaschäden entstanden. © Petersilka
Abbildung 6: Makrofotografie einer Pulverstrahldüsenöffnung unmittelbar nach deren Anwendung. Bei genauer Betrachtung sind neben den Charakteristika eines „Hohlkörpers“ gemäß RKI Richtlinien Biofilm- beziehungsweise Pulverrückstände sichtbar. Eine korrekte Aufbereitung der Düse nach jedem Patienten ist daher obligat. © Petersilka
Abbildung 7: Klinisches Bild einer Patientin mit Luftemphysem im Bereich des Oberkiefers rechts. Erkennbar ist die Raumforderung. Klinische Zeichen eines Emphysems wären Krepitationsknistern bei Palpation und ggf. Verschieblichkeit der Raumforderung. (Abbildung aus der Sammlung Panitz, veröffentlicht in Petersilka et al. 2010, mit freundlicher Genehmigung des Quintessenzverlags, Berlin).
Dr. Anne Kruse - 1982 geboren in Lahnstein, Deutschland, 2002 bis 2008 Studium der Zahnheilkunde an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2008 Zahnärztliche Approbation, 2008 Promotion, 2008 bis 2011 Assistenzzahnärztin und angestellte Zahnärztin in zahnärztlicher Praxis, seit 2011 Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sektion Parodontologie, Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Freiburg i. Br., seit 2016 Fachliche Koordination im Studiengang Master Parodontologie und Implantattherapie der Universität Freiburg © privat

Die Luft-Pulver-Wasserstrahl (LPW)-Technik in der dentalen Prophylaxe wurde erstmals in den späten 70ern in Texas vorgestellt (Prophy Jet Marck IV™, Dentron) [Graumann, Sensat, Stoltenberg, 2013]. Das Prinzip beruht auf kleinsten Pulverpartikeln (etwa 15 bis 250 µm), die in einer Druckkammer mit Luft vermischt werden und über ein Handstück zusammen mit Wasser auf die Zahn- und Wurzeloberfläche appliziert werden.

Dabei kann der Substanzabtrag durch verschiedenste Faktoren beeinflusst werden. Bei höherem Druck etwa erhöht sich auch der Substanzabtrag. Der Druck ist abhängig vom Aufbau sowie von der Einstellung des Geräts und dem Füllstand in der Pulverkammer. Auch die zugeführte Wassermenge führt zu höherer Beschleunigung der Pulverpartikel und zu größerer Abrasion. Auch Applikationswinkel, Dauer und die Entfernung des Handstücks zur Oberfläche können die auftretenden Kräfte beeinflussen [Petersilka, Bell, Mehl, Hickel Flemmig, 2003]. Den wohl entscheidendsten Faktor für den Substanzabtrag bilden aber Masse, Größe und Härte der Pulverpartikel [Petersilka, 2011].


Artikel des Fortbildungsteils "Fremd im Mund"

Zur mechanischen Desintegration des subgingivalen Biofilms kommen in der Parodontitistherapie seit einigen Jahren vermehrt Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräte zum Einsatz. Doch wie risikoreich ist das Verfahren? Kann die Applikation von Druckluft und kleinsten Pulverpartikeln in den Sulkus das dentale Gewebe und die Restaurationen nachhaltig beschädigen?

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Immer mehr Menschen wollen zahnfarbene Materialien als Zahn-Restaurationswerkstoffe. Dabei soll natürlich gewährleistet sein, dass diese Materialien nicht nur gut aussehen und gut halten, sondern dass sie auch gut verträglich sind. Wachsendes Interesse erlangen deshalb Fragen nach der Toxikologie, Biokompatibilität und Verträglichkeit dieser Werkstoffe.

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Die Kariesprävalenz und die Karieserfahrung bei zwölfjährigen Kindern in Deutschland sind in den letzten 25 Jahren überaus stark zurückgegangen. Als eine Hauptursache für diese Entwicklung, die auch in anderen Industrieländern erkennbar ist, wird die verbreitete Verfügbarkeit von Fluorid an der Zahnoberfläche angesehen.

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Der vorliegende Beitrag ergänzt den Fortbildungsteil aus zm 24/2016 mit dem Aspekt eines weiteren, in den Organismus eingebrachten „Fremdkörpers“. Die Autoren diskutieren Titan, das allgemein als inert gilt und die Reaktionen des umliegenden Gewebes darauf. Ihr Fazit: Eine Titanallergie ist bislang nicht belegt, Unverträglichkeiten sind jedoch durchaus beschrieben.

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Das sind die gängigsten Pulverarten und ihre Eigenschaften:

 Natriumhydrogenkarbonat: Dieses Salz wird für den Einsatz in der supragingivalen Reinigung von Zahnoberflächen empfohlen. Oftmals wird zur Erhöhung der Gleiteigenschaften Siliziumdioxid oder Tricalciumphosphat in geringen Mengen zugesetzt. Die einzelnen Partikel sind je nach Hersteller mit bis zu 250 µm vergleichsweise groß und bedürfen einer nachfolgenden Politur, wenn sie mit Restaurationen, demineralisiertem Schmelz oder (Wurzel-)Dentin in Kontakt gekommen sind [Petersilka, 2011]. Um den salzigen Geschmack zu lindern, werden oftmals künstliche Geschmacksstoffe zugesetzt.

• Glycin: Glycin ist eine Aminosäure und ebenfalls wasserlöslich. Aufgrund der geringeren mittleren Partikelgröße von 18 bis 60 µm (je nach Hersteller) wird dieses Pulver sowohl für die supra- als auch für die subgingivale Anwendung empfohlen. Eine nachfolgende Politur ist aufgrund der geringeren Abrasion und Rauigkeit nach Anwendung nicht notwendig [Petersilka, Bell, Häberlein et al., 2003]. Häufig wird auch hier Siliziumdioxid zugesetzt.

• Erythritol: Hierbei handelt es sich um einen Zuckeralkohol, der durch Fermentation hergestellt wird und in der Lebensmittelindustrie Anwendung findet. Neben der industriellen Herstellung kommt er in geringen Mengen natürlicherweise in einigen Obstsorten vor. Außerdem konnte er in Wein und Bier nachgewiesen werden [Bernt, Borzelleca, Flamm Munro, 1996]. Aufgrund der herstellungsbedingt geringen mittleren Partikelgröße von etwa 14 µm wird Erythritol für den supra- und subgingivalen Einsatz empfohlen [Müller, Moëne, Cancela Mombelli, 2014b]. Erythritol ist nicht kariogen, gut wasserlöslich und beeinflusst nicht den Glukosespiegel. Derzeit wird es in Verbindung mit Chlorhexidin (0,3 Prozent) auf dem deutschen Markt vertrieben.

• Trehalose: Für die supra- und subgingivale Reinigung wurde kürzlich ein weiteres Süßungsmittel, die Trehalose, vorgestellt. Dieses gut wasserlösliche Disaccharid ist nicht kariogen und für Diabetiker geeignet [Neta, Takada Hirasawa, 2000; van Can, van Loon, Brouns Blaak, 2012]. Das Pulver hat laut Herstellerangaben eine niedrige mittlere Partikelgröße von etwa 30 µm und eine geringere Abrasionstiefe als Glycin. Ihm wird ebenfalls in geringen Mengen Siliziumdioxid zugesetzt [Kruse et al., 2016].

• Andere Pulverarten: Auf dem Dentalmarkt sind außer den bereits genannten Pulversubstanzen auch Kalzium-Natrium-Phosphosilikat, Aluminiumtrihydroxid und Kalziumkarbonat erhältlich. Da diese jedoch nicht wasserlöslich und zum Teil abrasiver sind, werden sie nicht für den subgingivalen Einsatz empfohlen und daher im vorliegenden Text nicht weiter ausgeführt [Petersilka, 2011; Graumann et al., 2013].

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