Fortbildung: Toxikologie und Allergologie

Zahnkunststoff-Materialien

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Abbildung 2: Periorale Dermatitis nach Applikation eines Keramik-Inlays mit einem Adhäsiv (b). © Reichl

Abbildung 1: Einteilung von Zahnrestaurationsmaterialien (a) und Inhaltsstoffe von Komposit-Zahnfüllungen (b) © Reichl
Abbildung 2: Periorale Dermatitis beim Kind (a) nach Applikation eines Keramik-Inlays mit einem Adhäsiv © Reichl
Abbildung 3: Symptome bei Unverträglichkeiten gegenüber Kunststoffmaterialien. 3a und b: typische Lingua plicata (Faltenzunge); © Reichl
Abbildung 3: Symptome bei Unverträglichkeiten gegenüber Kunststoffmaterialien. 3a und b: typische Lingua plicata (Faltenzunge); © Reichl
Abbildung 3: Symptome bei Unverträglichkeiten gegenüber Kunststoffmaterialien. 3c und d: typische Lingua geographica (Landkartenzunge). © Reichl
Abbildung 3: Symptome bei Unverträglichkeiten gegenüber Kunststoffmaterialien. 3c und d: typische Lingua geographica (Landkartenzunge). © Reichl
Univ.-Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl - Studium der Mikrobiologie 1975 bis 1980 an der TU München, 1980 Diplom, 1983 Promotion, 1983 bis 85 Studium der Humanmedizin in München, 1994 Habilitation (Fach Pharmakologie/Toxikologie mit dem Thema Amalgam). 2000 apl. Professor in München, 2002 Berufung zum C3 Univ.-Professor an der Poliklinik für Zahnerhaltung u. PA, dort Leiter der Abteilung Dental-Toxikologie. Seit 2012 Leiter des Internationalen Beratungszentrums für die Verträglichkeit von Zahnmaterialien (BZVZ). Hauptarbeitsgebiete: Verträglichkeit von Zahnmaterialien; In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen zum Einfluss toxischer Substanzen (Zahnmetalle, Zahnkunststoffe, Nanopartikel, Fluoride) in menschlichen und tierischen Zellen. © privat

Nebenwirkungen bei Patient und Zahnarztteam

Zunehmend treten Atemwegserkrankungen, allergischen Reaktionen und Überempfindlichkeitsreaktionen bei zahnärztlichem Personal und den Patienten auf.

Denn Methacrylate gelten als potente Allergene. Die Nebenwirkungen können von unangenehmen lichenoiden Reaktionen bis hin zu schwerwiegenden allergischen Symptomen (wie Asthma) reichen [Lindstrom M et al., 2002; Piirila P et al., 2002; Kanerva L. ,2001; Hamann CP, Rodgers PA, Sullivan KM., 2004] (Abbildungen 2 und 3).

Mittlerweile konnten als Auslöser solcher Reaktionen die in der Zahnmedizin häufig verwendeten Methacrylate, wie zum Beispiel HEMA und TEGDMA, eindeutig identifiziert werden.

Dabei sind nicht nur Patienten, sondern zunehmend auch Zahntechniker, zahnärztliches Personal und natürlich Zahnärzte betroffen, die mit diesen Stoffen während der Arbeit ständig exponiert sind. In Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass zum Beispiel das in der Zahnmedizin sehr häufig eingesetzte Methylmethacrylat (MMA) in der Raumluft in Zahnarztpraxen Konzentrationen bis zu 30 mg/m3

erreichen kann, was bereits einem Siebtel des Arbeitsplatzgrenz-(AGW)-Wertes entspricht [Marquardt W, Seiss M, Hickel R, Reichl, 2009]. Die maximalen Konzentrationen in der Luft beim Legen von Füllungen lagen bei 45 µg/m3 für HEMA, 13 µg/m3 für EGDMA und 45 µg/m3 für TEGDMA [Marquardt W, Seiss M, Hickel R, Reichl FX, 2009]. Gutes Lüften und Aufbewahrung/Entsorgung von Zahnkunststoff-kontaminiertem Müll in gasdichten Behältnissen reduziert ganz massiv das Expositions- und Allergierisiko für Betroffene in Zahnarztpraxen und Labors.

Die Allergien bei Beschäftigten in Dentalberufen in Deutschland gegenüber Methacrylaten beträgt heute rund 45 Prozent. Die Allergien gegen zahnärztlich verwendete Methacrylate stiegen in den letzten zehn Jahren beim zahnärztlichen Personal um etwa das Doppelte an.

Es fällt auf, dass insgesamt nur sehr wenige Studien (vorwiegend aus skandinavischen Ländern) in der Literatur zur Allergie von Zahnkunststoff-Materialien verfügbar sind. Als Hauptursache für die Zunahme der allergischen Reaktionen wird in diesen Studien übereinstimmend die starke Zunahme der Verwendung zahnfarbener kunststoffbasierter Materialien angegeben [Andrews LS, Clary JJ., 1986]. Manche Autoren nehmen dies nun zum Anlass, diese Ergebnisse zusammen mit den toxischen Effekten auf Zellebene auch auf die Entstehung von anderen Krankheiten zu übertragen [Neiss J., 2012]. Hier besteht die Gefahr, dass die „Laienpresse“ dies nun zum Anlass nimmt, auch ein Gefahrenpotenzial sogar für die Auslösung schwerer Erkrankungen bei Betroffenen ‚heraufzubeschwören‘, so wie dies bereits für Amalgam damals geschehen war.

In weiteren eigenen Untersuchungen wurde von vielen kommerziell verfügbaren Komposits/Dentinadhäsiven/Prothesenwerkstoffen und Vielem mehr die Freisetzungsrate solcher Inhaltsstoffe qualitativ und quantitativ bestimmt. Durch diese Untersuchungen konnte die weltweit größte Datenbank zur Freisetzungsrate dieser Inhaltsstoffe aus Kunststoff-Zahnmaterialien aufgebaut werden.

In Zusammenarbeit mit Kliniken an der LMU München wurde ein Allergie-Testverfahren entwickelt, zum Nachweis einer eventuell bestehenden Allergie gegenüber Inhaltsstoffen aus Zahnmaterialien. Patienten mit nachgewiesener Allergie gegenüber solchen Stoffen, sollten kein Zahnersatz- material erhalten, das diese Stoffe in den Körper freisetzen kann. Unter Nutzung dieser Datenbank ist es auch möglich festzustellen, ob der Patient ein Zahnersatzmaterial im Mund trägt, das verantwortlich ist für seine bestehende Symptomatik. Heute ist es für den betroffenen Patienten möglich, nach einer Allergietestung das für ihn optimalste, das heißt verträglichste Zahnmaterial vor einer anstehenden Zahnrestauration auszuwählen.

Hilfe bietet das „Internationale Beratungszentrum für die Verträglichkeit von Zahnmaterialien (BZVZ)“ an der LMU in München (www.dentaltox.com).

Univ.-Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl,
Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der LMU
und Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU
Nussbaumstr. 26, 80336 München, reichl@lmu.de

Ergänzt durch den Autor am 9. Februar 2017. [Link auf reichl@lmu.de]

 


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