Praxis ohne Zahnarzt

Wie geht‘s weiter, wenn SIE ausfallen?

Stabilität für Familie und Team statt Existenzangst

Um Erben schnell ermitteln und benachrichtigen zu können, sollte auch das Testament im Notfallordner abgeheftet sein. „Dessen Bedeutung wird vielfach unterschätzt“, weiß Sobau. Zahlreiche Mediziner leben – wie übrigens rund drei Millionen deutsche Paare – heute ohne Trauschein mit ihren Lebenspartnern zusammen. Bei einem plötzlichen Tod des Arztes geht dessen Partner ohne Testament vollkommen leer aus. Die Praxis geht in die Hände der nächsten lebenden Verwandten. Doch selbst Verheiratete fahren mit einem beglaubigten Letzten Willen besser. „Viele Ärzte irren sich, wenn sie denken, dass im Todesfall die gesetzliche Erbfolge reicht und der Partner die Praxis automatisch erbt“, warnt Sobau. Denn Kinder (auch aus vorherigen Ehen) sind ebenso anteilig erbberechtigt. Und das sorgt oft für Konflikte. Wer also das eigene Lebenswerk und seine Angehörigen schützen will, kümmert sich frühzeitig um ein gültiges Testament.

Für niedergelassene Zahnmediziner ist außerdem eine Unternehmervollmacht Pflicht. Sie erlaubt es  Ehepartnern oder Nachkommen, einen Stellvertreter für die Praxis einzusetzen, sollte der Unterzeichner für unbestimmte Zeit ausfallen. Etwa durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit. Diese Sofortmaßnahme verhindert, dass Patienten mangels freier Termine abspringen, und stabilisiert die Praxis. So laufen die Geschäfte weiter und die Existenz ist gesichert. Ohne Unternehmervollmacht wäre dies erst nach der Testamentsvollstreckung möglich, die sich monatelang hinauszögern kann.

„Kopien von Jahresabschlüssen, Leasingverträgen, Versicherungen, Krediten und Privatdarlehen mit in die Akte zu packen, ist ebenfalls eine gute Idee“, findet der Rechtsanwalt und Experte für Arbeits- und Erbrecht Stefan Schilling. Will der Praxisinhaber Privat- und Geschäftsdokumente trennen, ist das in Ordnung – der Aufwand ist dann aber größer. Da es meist schon an einem Ordner scheitere, plädiert auch Sobau für die Zusammenlegung: „Lieber einmal gründlich, als zwei halbfertige Versionen.“ Telefonlisten mit den Nummern wichtiger Dienstleister, Ansprechpartner, des Versorgungswerks und der Kammer sind ebenfalls hilfreich. Genauso wie Passwörter, PIN-Nummern, ein Schlüsselverzeichnis oder Grundbuchauszüge.

Sonderfall Gemeinschaftspraxis

Achtung! Für Zahnmediziner, die in einer Gemeinschaftspraxis praktizieren, gibt es eine zusätzliche Stolperfalle. Im Normalfall firmieren Gemeinschaftspraxen als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR). Stirbt ein Teilhaber unerwartet, erlischt die Gesellschaft per Gesetz. Schilling skizziert die Folgen: „Sämtliche Miet- und Leasingverträge sind dann fällig und gehen auf die lebenden Partner über.“ Jeder Zahnmediziner haftet dann mit seinem Privatvermögen, persönlich und unmittelbar. Abhilfe schafft hier die Vertragsklausel „Beim Tod eines Gesellschafters gehen dessen Anteile an die Erben über“.


Info

• Beglaubigte Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung: Die Dokumente legen fest, wer im Notfall Entscheidungen für Sie trifft, über Ihre Besitztümer verfügt oder Sie rechtlich vertritt. Angehörige bleiben so handlungsfähig.
• Patientenverfügung: Hierbei geht es um Ihre konkreten Wünsche in Bezug auf die medizinische Behandlung. Beispielsweise unter welchen Umständen Ärzte von einer Wiederbelebung absehen sollen. Die Patientenverfügung hilft Hinterbliebenen in Ihrem Sinn zu entscheiden.
• Unternehmervollmacht: Sie ermächtigt Ehepartner oder Nachkommen, einen Stellvertreter einzustellen, falls Sie ausfallen.
• Bankvollmachten für Geschäfts- und Privatkonten: Viele Banken akzeptieren keine Generalvollmacht. Ein eigenes Dokument muss vor Ort ausgefüllt und unterschrieben werden. Nur damit können Erben Gehälter und Miete bezahlen.
• Testament: Ein Testament im Notfallordner verhindert Chaos und Unsicherheit im Todesfall. Denn die Erben können so schnell ermittelt werden.


Übrigens: Im Netz kursieren diverse Vorlagen für Notfallordner oder einzelne Dokumente. „Meist sind diese für den selbstständigen Zahnarzt eher ungeeignet“, gibt Sobau zu bedenken. Die meisten Vorlagen sind fast ausschließlich für rein private Zwecke gedacht. Es gibt zwar noch Ausführungen für Gewerbebetriebe oder Firmen (etwa GmbHs) – diese sind aber für niedergelassenen Zahnärzte ungeeignet. Grund: Hier fehlen die Unterlagen, Register und Informationen für die Kammer und KZVen und Versorgungswerke. Zusätzlich gehört in einen solchen Ordner auch die besondere Praxisvollmacht des Zahnarztes. Wer trotzdem auf die kleinen Helfer zurückgreifen will, sollte diese unbedingt von einem Fachmann prüfen und an die individuellen Gegebenheiten anpassen lassen. Sobau: „Grundsätzlich gilt: besser schlecht als gar nicht.“

Ronja Gysin, Fachjournalistin

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