Repetitorium: Typ-2-Diabetes

Wenn der Zucker im Blut bleibt

Beim Diabetes mellitus werden verschiedene Krankheitsformen unterschieden. In der Zahnarztpraxis weitaus am häufigsten anzutreffen sind Patienten mit einem Typ-2-Diabetes, einer Erkrankung, bei der die Körperzellen zunehmend unempfindlich auf das körpereigene Insulin reagieren. Die Folge: Die Blutzuckerwerte steigen – ebenso das Risiko für Folgeerkrankungen: allen voran Herz- und Gefäßerkrankungen bis hin zum Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Der Begriff „Diabetes mellitus“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „honigsüßes Durchfließen“. Beschrieben wird damit der Urin des Diabetikers, der aufgrund des darin enthaltenen Zuckers einen etwas süßlichen Geschmack bekommt. In früheren Zeiten war es durchaus üblich, dass Ärzte oder auch Apotheker zur Diagnose den Urin der Patienten kosteten. © MEV

Während der Typ-1-Diabetes eine Autoimmunerkrankung darstellt, handelt es sich beim Typ-2-Diabetes um eine Stoffwechselstörung, die auf einer genetisch bedingten multifaktoriellen Krankheitsbereitschaft beruht. Die Manifestation der Erkrankung wird durch Risikofaktoren getriggert. Hierzu gehört neben der familiären Belastung und einem höheren Lebensalter vor allem das Vorliegen eines metabolischen Syndroms – sprich das Zusammentreffen verschiedener Risikofaktoren wie einer Hypertonie, einer Dyslipoproteinämie, einer Adipositas und einer gestörten Glukosetoleranz und/oder einer Insulinresistenz.

Symptome: Häufige Symptome des Typ-2-Diabetes sind starke Durstgefühle, häufiges Wasserlassen, ein Gefühl von Müdigkeit und Abgeschlagenheit, eine trockene, juckende Haut, ein ungewollter Gewichtsverlust, schlecht heilende Wunden und eine erhöhte Infektanfälligkeit. Die Symptome sind allerdings unspezifisch und werden oft nicht als Zeichen einer diabetischen Stoffwechsellage wahrgenommen. Das erklärt, warum der Diabetes häufig als eine Art Zufallsbefund diagnostiziert wird. Dabei handelt es sich um eine Volkskrankheit, die Zahl der Betroffenen wird hierzulande auf etwa acht Millionen geschätzt. Sie steigt seit Jahren stetig an, ohne dass ein Ende dieser Entwicklung abzusehen ist.

Eine Modifikation des Lebensstils ist unerlässlich

Zur Behandlung wie auch zur Prävention der Erkrankung wird von den Experten eine Modifikation des Lebensstils hin zu einer gesunden Lebensweise – mit ausreichend Bewegung, ausgewogener, gesunder Ernährung, Normalisierung des Körpergewichts sowie Nikotinverzicht – empfohlen. Bereits manifeste Begleiterkrankungen wie eine Hypertonie und/oder eine Dyslipoproteinämie sollten zudem konsequent behandelt werden.

Zielkorridore: Davon abgesehen werden (anders als früher üblich) in der aktuellen Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) zum Typ-2-Diabetes nicht mehr einheitliche Behandlungs-Zielwerte formuliert. Die Therapieziele richten sich vielmehr nach der Krankheitskonstellation und der individuellen Situation des Patienten – Lebensalter, Krankheitsentwicklung und bereits vorliegende Folgeerkrankungen des Diabetes.

In der NVL werden daher sogenannte Zielkorridore angegeben. Sie sind als Information für den Arzt, die diabetologisch geschulte Fachkraft und auch den Patienten gedacht und geben Anhaltspunkte darüber, welcher Zielkorridor nach dem derzeitigen medizinischen Wissensstand im Regelfall angestrebt werden sollte. Davon unabhängig kann das Vereinbaren individueller Therapieziele, die möglicherweise sogar vom Zielkorridor abweichen, zwischen Arzt und Patient ratsam sein. Die individuellen Therapieziele sollten jeweils der Lebenssituation des Typ-2-Diabetikers angepasst, mindestens einmal jährlich überprüft und möglicherweise – so heißt es in der NVL – an die sich ändernden individuellen Gegebenheiten adaptiert werden.

Behandlungsziele:
• die Reduktion des Risikos für kardiale, zerebrovaskuläre und sonstige makro- wie aber auch mikroangiopathische Folgekomplikationen wie die Erblindung, die Notwendigkeit einer Dialyse und das Auftreten einer Neuropathie
• die Vermeidung und Behandlung des diabetischen Fußsyndroms
• die Vermeidung und Behandlung von Symptomen durch die Verbesserung der Stoffwechseleinstellung
• das Behandeln und die Besserung von Begleitkrankheiten
• die Reduktion von Morbidität und Mortalität
• der Erhalt und/oder die Wiederherstellung der Lebensqualität
• die Minimierung von Nebenwirkungen der Therapie und der Belastungen des Patienten durch die Therapie
• die Kompetenzsteigerung, also das Empowerment der Patienten im Umgang mit der Erkrankung
• die Verminderung eines Krankheitsstigmas
• die Förderung der Therapieadhärenz

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