Volker Looman über finanzielles Unkraut

Was junge Zahnärzte wirklich brauchen

Der finanzielle Start ins Berufsleben ist kein Honigschlecken: Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Privathaftpflichtversicherung, Erwerbsunfähigkeitsversicherung und Hinterbliebenenversicherung.

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der BILD und in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Das sind sieben Policen auf einen Streich, die bei manchem Betrachter den Eindruck erwecken, das Leben sei eine gefährliche Sache. Viel größer ist die Gefahr, vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen und sich von Banken, Bausparkassen und Versicherungen finanzielles Unkraut auf die Nase binden zu lassen, das nun wirklich kein Mensch braucht. Was in meinen Augen nötig ist, will ich Ihnen am Beispiel eines 30 Jahre alten Zahnarztes schildern.

Der Bursche steht seit zwei Jahren in Lohn und Brot. Das jährliche Brutto-Einkommen beträgt 60.000 Euro. Das ist auf den ersten Blick viel Geld, doch bei genauem Hinsehen schmilzt der Lohn wie Schnee in der Sonne. Dreimal Steuer plus viermal Versicherung sorgen jeden Monat für Ernüchterung. Die Lohnsteuer beträgt 1.051 Euro. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 58 Euro. Die Kirchensteuer liegt im Süden dieser Republik bei 84 Euro. Die Krankenversicherung kostet 365 Euro. Die Pflegeversicherung schlägt mit 66 Euro zu Buche. In die Arbeitslosenversicherung sind 75 Euro einzuzahlen. Die Rentenversicherung zieht 468 Euro ein.

Die Summe aller Abzüge beträgt 2.167 Euro. Das ist ärgerlich, aber kaum zu ändern. Ansatzpunkte für Einsparungen bieten Kirche und Krankenkasse. Was einem Glaube und Kirche wert sind, muss jeder Jungakademiker für sich entscheiden. Die knapp 100 Euro sind bestimmt nicht die schlechteste Anlage. Die flotte Freundin auf Kredit oder das schnelle Motorrad auf Pump sind größere Sünden, weil Kontoüberziehungen – für die Freundin – und Ratenkredite – für das Motorrad – schnell 10 bis 12 Prozent pro Jahr kosten. Das größte „Sparpotential“ bietet die gesetzliche Krankenkasse. Wer zurzeit mehr als 57.600 Euro pro Jahr verdient, kann von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln.

Das kann zu Vorteilen von 300 Euro pro Monat führen. Der Wechsel kann aber auch mit Nachteilen verbunden sein. Falls – zu gegebener Zeit – die Freundin gegen eine Frau und (gemeinsame) Kinder eingetauscht wird, können die Prämien gewaltig steigen, und wenn im Alter die Ausgaben in die Höhe schießen, können die Kosten zahnärztliche Renten ganz schön anfressen.

Nicht viel zu überlegen gibt’s bei den privaten Versicherungen. Nötig ist die Privathaftpflichtversicherung, sinnvoll ist die Rente bei Berufsunfähigkeit, alle anderen sind fragwürdig, zum Teil sogar vom Übel. Die erste Police sichert Berufsanfänger bei Schäden ab, die sie als Privatleute verursachen. Verträge mit einer Deckungssumme von 50 Millionen Euro kosten keine 100 Euro im Monat.

Die zweite Police bietet Schutz, falls die Zahnärzte ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Möglich ist die Absicherung von 90 Prozent des Nettolohns. Das sind im vorliegenden Fall etwa 2.500 Euro pro Monat. Die Prämie für einen Vertrag bis zum 67. Geburtstag kostet 80 bis 90 Euro pro Monat. Die Police muss aber keine 37 Jahre durch-gehalten werden. Sie kann jeden Monat gekündigt werden. Falls das Vermögen zu gegebener Zeit so hoch sein wird, dass die Absicherung nicht mehr nötig ist, kann die Police zu den Akten gelegt werden.

In meinen Augen ist mehr Absicherung nicht nötig. Ich gehe sogar einen Schritt weiter und sage in aller Deutlichkeit: Hände weg von Erwerbsunfähigkeits-, Hausrat-, Lebens-, Rechtsschutz- und Unfallversicherungen. Das ist alles Hokuspokus und zieht Geld aus der Tasche, das für andere Dinge sinnvoller eingesetzt werden kann!

Genauso fragwürdig sind Gedanken über die Altersversorgung. Folglich will ich die „Giftliste“ um folgende Verträge erweitern: Hände weg von Kapitalversicherungen, Rentenpolicen und Riesterverträgen. Kurzum: Lassen Sie sich auf keine „Diskussionen“ mit Verkäufern und Vertretern ein, machen Sie einen Bogen um die Verkaufstruppen, die sich darauf spezialisiert haben, junge Zahnärzte mit Versicherungen und Sparverträgen abzufüllen. Das kostet Sie – mit Verlaub gesagt – ein Schweinegeld, und nach meinem Empfinden sind Sie einfach noch nicht reich genug, um sich solche Ausgaben leisten zu können.

Ich kann Ihnen als Vater von vier Kindern nur den Rat geben, sich auf drei Dinge zu konzentrieren. Geben Sie beruflich Vollgas, finden Sie den richtigen Partner, und halten Sie das Geld zusammen. Das ist wichtiger als jeder Sparvertrag. Beruf und Liebe sind nicht meine Fächer, beim Aufbau des Vermögens kann ich Ihnen aber mit ein paar Hinweisen behilflich sein. Fangen Sie mit dem Aufbau einer Reserve an, legen Sie fünf bis sechs Monatslöhne auf die hohe Kante. Das sind im vorliegenden Fall etwa 15.000 Euro, so dass Sie sich in den nächsten 24 Monaten keine Gedanken über weitere Geldanlagen machen müssen. Bitte stecken Sie jeden Monat einfach 625 Euro in ein Sparschwein und vergessen Sie jede Form von Zins. In zwei Jahren werden wir uns dann Gedanken über die nächste Etappe machen. Das kann ein Sparvertrag für die eigene Praxis oder das schöne Eigenheim sein. Im Augenblick kümmern Sie sich aber bitte nur um den Notgroschen. Einverstanden?

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


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Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens.

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