Swimming Doctors

"Der wunde Punkt ist die Prophylaxe“

Schon ein Praxisumzug an Land ist schwierig, erst recht ein Umzug eines ganzen Hospitalschiffs. Das Problem kennt der pensionierte Zahnarzt Dr. Dieter Buhtz aus Berlin gut. Er war 2016 mehrfach für die Swimming Doctors der Stiftunglife im Delta des Irrawaddy-Flusses in Myanmar im Einsatz. Die schwimmende Klinik ist auf ein neues Boot gezogen und kurz danach schon kollidiert.

Herr Dr. Buhtz, seit November sind die Swimming Doctors auf einem neuen Schiff. Wie lief der Umzug ab?
Na ja, das war schon ein wenig spannend. Wer schon mal mit seiner Praxis umgezogen ist, weiß um die logistischen Probleme und dass ein solches Unterfangen selten ohne Überraschungen abläuft. Ein Umzug von einem Schiff auf ein anderes ist dann noch mal eine ganz andere Hausnummer.

Im September war ich mit Prof. Wolf Mutschler, Unfallchirurg und Orthopäde sowie einer der Verantwortlichen für die Swimming Doctors, und der Notärztin Dr. Vera Pedersen an Bord der Polli (altes Schiff) unterwegs. Wir hatten die Gelegenheit, die Futura (neues Schiff) zusammen mit dem burmesischen Medical Team auf der Werft zu inspizieren und wichtige und sinnvolle Veränderungen zu veranlassen. Speziell der zahnärztliche Behandlungsraum bietet jetzt mehr Platz als auf den vorherigen Schiffen, es gibt endlich ausreichend Arbeitsflächen und die Behandlungseinheit ist so installiert, dass die Behandler auch ausreichend Bewegungsfreiheit haben.

Während unseres Einsatzes auf der Polli wurde gemeinsam mit dem Medical Team und der Crew geklärt, welche Einrichtungsgegenstände, Geräte und Materialien auf die Futura verbracht werden sollten. Zurück in Deutschland beschloss ich, die Jungfernfahrt der Futura im November zu begleiten, da der junge burmesische Zahnarzt erst seit zwei Monaten an Bord der Polli tätig war und sich bislang verständlicherweise noch als etwas unerfahren zeigte.

Nach unserer Ankunft in Yangon konnten wir jedoch nicht wie erhofft gleich an Bord der Futura gehen, da sie überraschend zu einer weiteren Launching Ceremony nach Pathein ausgelaufen war. Auf der Rückfahrt war sie unverschuldet in eine Kollision verwickelt und traf erst zwei Tage nach unserem eigentlichen Einsatztermin wieder in Yangon ein.

Die zahnärztliche Behandlungseinheit war ohne Medienanschluss, wichtige Bauteile, Mikromotoren, Adapter, ZEG-Handstück mussten erst noch beschafft werden. Unserem Zahnarzt fiel dann kurz vor dem Auslaufen auch noch ein, dass er schon vor Wochen Anästhetika hätte ordern müssen. Dies bedeutete noch einmal Zeitverlust, aber Medical Team, Crew und wir schafften das fast Unmögliche. Bis zu unserer Ankunft im ersten Dorf war alles geputzt, eingeräumt, die Geräte waren auf Funktion geprüft und alle bereit, Patienten zu behandeln.

Wie gut ist die Ausstattung?
Auf dem Hauptdeck der Futura gibt es zwei Untersuchungs-/Behandlungsräume für die beiden Ärzte, einen OP mit Vorbereitungsraum für kleine und mittlere Eingriffe, einen Raum für Injektionen/Infusionen, Blutabnahmen und Impfungen durch die Krankenschwestern, eine Apotheke, ein Labor und den zahnärztlichen Behandlungsraum mit Einheit (zwei Mikromotoren, Turbine, ZEG, Light-Cure-Gerät, Mehrfunktionsspritze), MELAG-Sterilisator, Kompressor und Kapselmischgerät.

Ein Röntgengerät gibt es nicht, auch ein Apex-Locator fehlt noch. Den Ärzten stehen Stethoskope, Blutdruckmessgeräte, Pulsoximeter, Ohren- und Nasenspiegel, Thermometer, Waage und Metermaß, EKG, Ultraschallgerät, ein Doppler und Geräte zur Auswertung von Laborschnelltests zur Verfügung.

Was sind die zehn häufigsten Diagnosen?
Unter den Top 10 der Diagnosen finden sich Erkrankungen des Bewegungsapparats, chronische Schwächezustände, Schwindelgefühle, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hautinfektionen, Atemwegserkrankungen, gastrointestinale Beschwerden, Harnwegsinfektionen und pränatale Betreuung. Aber auch simple Erkältungen, Verletzungen, Augenerkrankungen, Wurmbefall, Erkrankungen der Nieren und Herzprobleme spielen eine Rolle.

Das Behandlungsspektrum orientiert sich am Basic Package of Oral Care der WHO und umfasst in erster Linie Schmerzbeseitigung und Erste Hilfe bei Infektionen und Verletzungen, die Extraktion kariös zerstörter oder parodontal geschädigter Zähne, Trepanationen, Abszessspaltungen/Drainagen, Wundnachbehandlungen, Antibiotika- und Schmerzmittelverordnung.

Sofern kariöse Zähne mittels Füllungstherapie erhalten werden können, werden sie konventionell, vorwiegend mit Composites und Glasionomerzement, oder entsprechend den Empfehlungen des Atraumatic Restorative Treatment (ART) der WHO versorgt.

Welche Rolle spielt die Prophylaxe?
Ein wunder Punkt. Aber wir arbeiten daran. Zunächst stehen ja bei der Klientel der Swimming Doctors die oben skizzierten therapeutischen Maßnahmen im Vordergrund. Bereits bei meinem ersten Einsatz 2012 habe ich mir Gedanken zu überhaupt möglichen Präventionsstrategien gemacht.

Zuletzt stand machbaren Konzepten entgegen, dass das Medical Team auf der Position des Zahnarztes Wechsel zu verkraften hatte. Der von mir seinerzeit eingearbeitete, mittlerweile sehr erfahrene burmesische Zahnarzt hatte nach vierjähriger Tätigkeit an Bord drei Monate vor der Septembermission gekündigt, geheiratet und sich in Yangon niedergelassen. Bedeutete: Zurück auf Los. Status quo: An eine systematische Behandlung der durchgängig diagnostizierten schweren Parodontalerkrankungen ist auch weiterhin erst einmal nicht zu denken.

Stichwort „Nachhaltigkeit“ – wo sind die Grenzen von Swimming Doctors?
Unser großes Plus: Wir laufen alle vier Wochen immer wieder dieselben sieben Dörfer an. Welche Voraussetzungen für eine nachhaltige Medizin/Zahnmedizin könnten besser sein? Um die Wahrnehmung zu erhöhen, fährt das Beiboot täglich mit Lautsprecheransagen durch die weiter verzweigten Kanäle und Ansiedlungen. In der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe wird uns die Kooperation mit den Dorfschullehrern voranbringen. Nachhaltigkeit hängt auch davon ab, inwieweit Patienten zu einer Wiedervorstellung zu motivieren sind, wenn sie einmal ihre Schmerzen losgeworden sind.

Die Fragen stellte Daniela Goldscheck

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