Ein literarischer Briefwechsel

Der Dichter und sein treuester Freund

Zwei Männer, eine Frau und ein Doktorand: Der Dichter Gottfried Benn und der Bremer Kaufmann Friedrich Wilhelm Oelze sind verbunden durch eine Brieffreundschaft – „ein Jahrhundertdialog“ jubelte die Presse. Die Frau ist Zahnärztin und mit Benn verheiratet. Der Doktorand darf den Nachlass des Dichters verwalten. Ihm vertraut die Witwe die Manuskripte aus dem Zahnarztschrank an. Dazu gibt es Omelett und einen Zehner für die Bahnfahrt.

© Benn-Gesellschaft

Gottfried Benn und Friedrich Wilhelm Oelze bei der Feier zum 70. Geburtstag des Schriftstellers 1956 © Deutsches Literaturarchiv Marbach
Gottfried Benn: "Ich sage nicht mehr, als was in meinen Büchern steht." © Benn-Gesellschaft
Gottfried Benn und seine dritte Frau Ilse © Benn-Gesellschaft
In Eltville am Rhein ist im historischen Stadtturm ist eine Gedenkstätte für Benn eingerichtet. © Benn-Gesellschaft
Prof. Dr. Harald Steinhagen © privat

Gottfried Benn, Arzt, Lyriker, Essayist, Prosaschriftsteller und neben Thomas Mann und Bertolt Brecht einer der großen Autoren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde am 2. Mai 1886 geboren. Er studierte Medizin, arbeitete als Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Seine große Liebe galt jedoch der Literatur. Vor allem seine frühen Gedichte befassen sich oft mit medizinischen Themen. So in seinem Gedicht „Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke“ von 1912:

Der Mann:
Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.

Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Manne groß
und hieß auch Rausch und Heimat.

Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.

Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat so viel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.

Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. – Den Neuen
sagt man: Hier schläft man sich gesund. – Nur Sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.

Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.

Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort.
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.

Benn starb am 7. Juli 1956, kurz nach seinem 70. Geburtstag. Das vergangene Jahr (2016) war für ihn also ein Gedenkjahr, obgleich die Medien, die sonst aus allem einen Rummel machen, diesen Anlasss ignoriert haben. Aber dieses Gedenkjahr wurde auf andere Weise gewürdigt – durch das Erscheinen der vierbändigen Ausgabe des Briefwechsels zwischen Gottfried Benn und seinem Bremer Freund Friedrich Wilhelm Oelze.


Schriftprobe

Sehr verehrter Herr Grossmann,
als ich aus Wiesbaden zurückkam, wohin mich mein Verleger zum Geburtstag eingeladen hatte, und ich Ihren freundlichen Glückwunsch vorfand mit dem Bezug auf den Grafen Podewils, zuckte es mir in den Fingern, Ihnen zur gleichen Stunde für Ihr liebenswürdiges Gedenken meinen Dank zu sagen. Aber die Ermüdung der langen Reise zwang mich zu warten. Und nun kommen heute Ihre herrlichen Flaschen Riesling Sylvaner aus Bingerbrück- welche Überraschung, welch reizendes Geschenk! Ich bedanke mich tausendmal und bin beschämt, Ihnen nichts Gleichrangiges zu Füßen legen zu können. Wenn ich die erste der drei Flaschen öffne – und es wird bald sein – werde ich eine Rose auf den Tisch stellen und des unbekannten Spenders gedenken.
Mit Dank und Empfehlungen, Ihr sehr
ergebener Gottfried Benn


Enthielt die alte, erste Ausgabe aus den Jahren 1978–1980 einseitig nur die Briefe von Benn an Oelze, da Oelze die Publikation seiner Briefe an Benn untersagt hatte, liegt mit der neuen Ausgabe der gesamte erhaltene Briefwechsel vor: Während Oelze die Briefe von Benn von Anfang an so gut wie vollständig gesammelt und über den Krieg gerettet hat, gibt es bei den Briefen von Oelze an Benn mehrere Lücken, größere und kleinere.

So hat Benn in den 30er Jahren bestimmmte Briefe von Oelze aus Sorge vor der Gestapo vernichtet, auch hat er wohl 1945 bei seiner Flucht aus Landsberg an der Warthe dort Briefe von Oelze zurücklassen müssen.

Auch so bleibt der Umfang des Austauschs beachtlich: Die neue Ausgabe enthält 748 Briefe von Benn und – immerhin – trotz der Lücken 569 Briefe von Oelze, außerdem die Briefe von den und an die Frauen der beiden Briefpartner, insgesamt 1.349 Briefe.


2.5.1886: Gottfried Benn wird in Mansfeld (Westprignitz) als Sohn eines lutherischen Pfarrers geboren: „Als ich ein halbes Jahr alt war, zogen meine Eltern nach Sellin in der Neumark; dort wuchs ich auf. Ein Dorf mit 700 Einwohnern in der norddeutschen Ebene, großes Pfarrhaus, großer Garten, drei Stunden östlich der Oder. Das ist auch heute noch meine Heimat, obgleich ich niemanden mehr dort kenne, Kindheitserde, unendlich geliebtes Land. Dort wuchs ich mit den Dorfjungen auf, sprach platt und wenn es nicht die Arbeiterjungen waren, waren es die Söhne des ostelbischen Adels, mit denen ich umging. Diese alten preußischen Familien, hier besaßen sie ihre Güter, und mein Vater hatte einen ungewöhnlichen seelsorgerischen Einfluß gerade in ihren Kreisen. Brandenburg blieb auch weiter meine Heimat. Das Gymnasium absolvierte ich in Frankfurt a. d. Oder, zum Glück ein humanistisches, studierte dann auf Wunsch meines Vaters Theologie und Philologie, zwei Jahre lang entgegen meiner Neigung; endlich konnte ich meinem Wunsch folgen und Medizin studieren. Es war das dadurch möglich, daß es mir gelang, auf die Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin aufgenommen zu werden. Eine vorzügliche Hochschule, alles verdanke ich ihr! Virchow, Helmholtz, Leyden, Behring waren aus ihr hervorgegangen, ihr Geist herrschte dort mehr als der militärische, und die Führung der Anstalt war mustergültig. Ohne den Vater stark zu belasten, wurden für uns alle die sehr teuren Kollegs und die Kliniken belegt. Dazu bekamen wir eine Reihe von Vorträgen und Vorlesungen über Philosophie und Kunst und allgemeine Fragen und die gesellschaftliche Bildung des alten Offizierskorps. Rückblickend scheint mir meine Existenz ohne diese Wendung zur Medizin und Biologie völlig undenkbar.” (Lebensweg eines Intellektualisten, 1934)
1903: Benn beginnt sein Theologie- und Philosophiestudium in Marburg.
1905: Beginn des Medizinstudiums an der Kaiser-Wilhelms-Akademie in Berlin. Dienstzeit beim 2. Garderegiment.
1908: Physikum
1910: Königlicher Preis der medizinischen Fakultät der Universität Berlin für die Schrift „Ätiologie der Pubertätsepilepsie“
1911: Er wird Unterarzt in einem Prenzlauer Infanterieregiment.
1912: Promotion mit der Dissertation „Über die Häufigkeit des Diabetes mellitus im Heer“. Zunächst aktiver Militärarzt. Dann Assistenzarzt am Krankenhaus Charlottenburg-Westend. Er führt annähernd dreihundert Sektionen aus. Mit dem Gedichtband „Morgue“ erregt Benn in avantgardistischen Kreisen großes Aufsehen, da er die herkömmliche Vorstellung von Lyrik radikal infrage stellt.
1913: Die Gedichtsammlung „Söhne“ ist der Dichterin Else Lasker-Schüler gewidmet, mit der er ein Liebesverhältnis hat.
1914: Als Schiffsarzt fährt er von März bis Juni auf dem Doppelschrauben-Postdampfer „Graf Waldersee“ nach New York. In München heiratet er die Schauspielerin Edith Osterloh: „Eine ganz charmante elegante Dame von Welt, viel gereist, mir weit überlegen, 8 Jahre älter als ich, sehr wohlhabend, aus einer Dresdener Patrizierfamilie.” (An Oelze, 29.6.1938)
1914–1917: Im Ersten Weltkrieg wird Benn Oberarzt im besetzten Brüssel, wo die sogenannten Rönne-Novellen entstehen: „Ich war Arzt an einem Prostituiertenkrankenhaus, ein ganz isolierter Posten, lebte in einem konfiszierten Haus, elf Zimmer, allein mit meinem Burschen, hatte wenig Dienst, durfte in Zivil gehen, war mit nichts behaftet, hing an keinem, verstand die Sprache kaum; strich durch die Straßen, fremdes Volk; eigentümlicher Frühling, drei Monate ganz ohne Vergleich.” (Epilog, 1921)
1917: Benn läßt sich als Dermatologe und Venerologe in Berlin nieder.Veröffentlichung der Prosasammlung „Gehirne“ sowie der Gedichtsammlung „Fleisch“, die in ihrer schroffen Menschenverachtung seine Reaktion auf die Gräuel des Krieges zeigt.
1931: „Bin heute wieder von der Steuer mit Pfändung bedroht, wenn ich nicht sofort 500 M. zahle. Die Leute sind irre, der Staat muß zertrümmert werden. Die freien Berufe, die kein festes Einkommen, keine Pension, keine Ferien und keine Bürostunden nach der Uhr kennen, die müssen wieder ran, den verkrachten u. verlumpten Staat zu finanzieren.” (An Thea Sternheim, 18.8.1931)
1932: Wahl in die Preußische Akademie der Künste. Die Auseinandersetzungen mit Egon Erwin Kisch um das Verhältnis von Politik und Kunst machen ihn bekannt.
1933: Obwohl bedeutende Künstler die Akademie nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler verlassen, bleibt Benn. In den Rundfunkvorträgen „Der neue Staat und die Intellektuellen“ und „Antwort an die literarischen Emigranten“ verteidigt er den Nationalsozialismus, von dem er eine Wiedergeburt der deutschen Nation erhofft.
1934: „Der neue Staat ist gegen die Intellektuellen entstanden. Alles, was sich im letzten Jahrzehnt zu den Intellektuellen rechnete, bekämpfte das Entstehen dieses neuen Staates. Sie, die jeden revolutionären Stoß von Seiten des Marxismus begrüßten, ihm neue Offenbarungswerte zusprachen, ihm jeden inneren Kredit einzuräumen bereit waren, betrachteten es als ihre intellektuelle Ehre, die Revolution vom Nationalen her als unmoralisch, wüst, gegen den Sinn der Geschichte gerichtet, anzusehen. Welch sonderbarer Sinn und welch sonderbare Geschichte, Lohnfragen als den Inhalt aller menschlichen Kämpfe anzusehen.” (Der Neue Staat und die Intellektuellen, 1933).
Nach dem Röhm-Putsch am 30.6.1934: „Ich lebe mit vollkommen zusammengekniffenen Lippen, innerlich u. äußerlich. Ich kann nicht mehr mit. Gewisse Dinge haben mir den letzten Stoß gegeben. Schauerliche Tragödie! Wie groß fing das an, wie dreckig sieht es heute aus. Aber es ist noch lange nicht zu Ende.” (An Ina Seidel, 27.8.1934)
1935: Benn wird Sanitätsoffizier in Hannover.
1936: Zu seinem 50. Geburtstag erscheint der Band „Ausgewählte Gedichte“, die von der SS-Zeitschrift „Das Schwarze Korps“ als „widernatürliche Schweinereien“ attackiert werden.
1938: Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer und Schreibverbot. Heirat mit Hertha von Wedemeyer: „Was für eine unerschöpfliche dumme, tierische Menschheit das, die das alles hinnimmt u. dabei gröhlt! Ist sie auf dem Holzweg oder wir, Herr Oelze?” (24.4.1938)
1942: „Die Zukunft muss man sich wohl sehr grausig vorstellen. Die Frage ist nur, ob man Stalin Deutschland bis zur Oder oder bis zur Elbe versprochen hat.” (An Oelze, 4.1.1942)
1943–1945: In Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski) lässt er illegal „Zweiundzwanzig Gedichte 1936–1943“ drucken, arbeitet am Roman „Phänotyp“ und den „Statischen Gedichten“, in denen er das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit reflektiert.
1945: Flucht nach Berlin, Wiederaufnahme der Praxis. 2. Juli: Benns Frau nimmt sich in Neuhaus an der Elbe das Leben: „Haben Sie Dank für Ihre Worte der Teilnahme zum Tod meiner Frau. Nichts in meinem Leben hat mich so getroffen, so tief getroffen wie dieser Tod. Dies Grab u. der Tag dort! Mit jedem neuen Tag jetzt wird der Kummer unerträglicher, es trifft wohl garnicht zu, dass die Zeit einen Verlust lindert.” (An Oelze, 7.11.1945)
18. Dezember: Benn heiratet Dr. Ilse Kaul. „Dass diese Ehe, die nicht leicht – von beiden Seiten – zu Stande kam, für mich ein ausgesprochenes Glück bedeutet, mit dem das Leben mich überraschenderweise beschenkt hat. Ich habe meine inneren u. äusseren Erfahrungen, die geistigen, die menschlichen u. die erotischen einsetzen müssen, um diese reizende Person zu gewinnen, die – wollen Sie das bitte für sich behalten – 27 Jahre jünger ist als ich. Es ist von beiden Seiten eine ausgesprochene Liebesheirat.” (An Oelze, 10.1.1947)
1948: In der Schweiz erscheint die Lyriksammlung „Statische Gedichte“, die seinen späten Ruhm begründet.
1949: Benn beeinflusst mit seinem Spätwerk die deutsche Nachkriegslyrik maßgeblich. Während ihn die nachfolgende Schriftstellergeneration bewundert, wird er von den Exilschriftstellern wegen seiner Haltung im Nationalsozialismus kritisiert: „Das ist also mein Come-back nach 15 Jahren. Nun geht also das Gefrage wieder los: Haben Sie was damit zu tun? Ist das ein Verwandter von Ihnen? Das hängt wohl garnicht mit ihnen zusammen? Ich antworte immer, das ist mein Urgroßvater, den sie wieder ausgebuddelt haben.” (An Frank Maraun, 7.3.1949)
1950: In seiner Autobiografie „Doppelleben“ rechtfertigt er sein Verhalten im Nationalsozialismus.
1951: Georg-Büchner-Preis: „Nun, es wird Zeit, daß man einpackt; das Leben war manchmal schwer, aber ich habe es ertragen und im wesentlichen würde ich nichts anders machen als ich es machte.” (An Gertrud Zenzes, 23.4.1951)
1952: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse: „Ablehnen wäre Angeberei, also nehme ich es hin. Tragen werde ich es nicht.” (An Oelze, 16.12.1952)
1956: Zahlreiche Ehrungen zu seinem 70. Geburtstag. 7. Juli: Gottfried Benn stirbt in Berlin an Krebs.

Quellen: Gottfried-Benn-Gesellschaft e. V. und Lebendiges Museum Online



Prof. Dr. Harald Steinhagen lehrte Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bonn. Als Doktorand lernte er 1964 die Zahnärztin Dr. Ilse Kaul-Benn, Gottfried Benns dritte Ehefrau, in Tübingen kennen. Sie half ihm bei der Aufarbeitung von Benns Nachlass. Zwischen der Zahnärztin und Steinhagen entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung.
Auch zu Friedrich Wilhelm Oelze hatte Steinhagen noch persönlichen Kontakt. In einem letzten Telefonat vor seinem Tod im Jahr 1978 vertraute Oelze Steinhagen an, dass er gegen eine Veröffentlichung seiner Briefe, entgegen früherer Äußerungen, nichts mehr einzuwenden habe.
Im vergangenen Jahr gab Steinhagen dann den viel beachteten Briefwechsel zwischen Benn und Oelze heraus.
Gottfried Benn, Friedrich Wilhelm Oelze: Briefwechsel 1932–1956; hrsg. von Harald Steinhagen, Stephan Kraft und Holger Hof, Klett-Cotta und Wallstein Verlag, Göttingen 2016.


Der letzte Brief von Benn aus Schlangenbad im Taunus, wohin man ihn zur Kur geschickt hatte, liegt nur in einer stark verkürzten Abschrift von Oelze vor, zu der dann aber während der Arbeit an der neuen Ausgabe eine Kopie des vollständigen Briefes auftauchte, die, weil es keinen Beweis für ihre Echtheit gibt, nur im Nachwort des vierten Bandes wiedergegeben wurde. Sollte der Text der Kopie echt sein, dann wäre dieser Brief ein erstaunliches Dokument, weil er die Vermutung nahelegt, dass Benns Frau Ilse, von Beruf Zahnärztin, ihm auf seinen Wunsch Sterbehilfe geleistet hat. Bemerkenswert ist auch, wie offen die beiden Briefpartner sich, obwohl Benn mehrfach zur Vorsicht mahnt, über Ereignisse und Zustände im Dritten Reich und über den Kriegsverlauf austauschen, auch wenn sie es vermeiden, zum Kriegsbeginn, zum Einmarsch in die Sowjetunion, zur Invasion der Alliierten in der Normandie und zum 20. Juli 1944 direkt Stellung zu nehmen. Aber immerhin schreibt Benn einmal, am 14. Dezember 1941, in einem langen Brief über die Kriegslage und aus dem OKW:

‘Es knistert im Gebälk‘, sagte kürzlich – authentisch – einer der berühmtesten Namen, den jeder kennt, in kleinstem Kreis, ‘nur gut, dass erst wenige wissen, dass das Schlusskapitel längst begonnen hat‘. Dass wir als Soldaten fallen werden, wie Sie schreiben, halte auch ich für möglich. Es wird wahrscheinlich das Schlimmste noch nicht sein.

Für beide war es ein großes Glück, dass keiner ihrer Briefe geöffnet und kontrolliert wurde. Was geschehen wäre, wenn die Gestapo misstrauisch geworden wäre, mag man sich gar nicht ausmalen.

Großes Glück für Benn war es aber auch, dass die Manuskripte aus den Kriegsjahren – allesamt nur in einem Exemplar vorhanden –, die er als Nachlass des angeblich bei Stalingrad gefallenen Dr. Werff Rönne deklarierte und in einem Dienstpaket mit Dienstsiegel am 23. Januar 1945 aus Landsberg an Oelze schickte, trotz der chaotischen Verhältnisse in den letzten Kriegsmonaten unversehrt ankamen. Ausdrücklich bat er Oelze, das (in wasserdichtes gelbes Wachstuch eingeschlagene) Paket zu öffnen und in den Manuskripten zu lesen: „Sie werden mein einziger und vielleicht mein letzter Leser sein.“

64903116489121648912764891286490312 6490313 6489130
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen