Innovative Architektur

Wie Räume heilen helfen

Eine Zahnarztpraxis mit Kamin und ein ökologischer Vorzeigebau mit Ferienhaus-Charakter, eine Intensivstation unterm Sternenhimmel und ein Kinderspital gegen die Angst vorm Krankenhaus – „Healing Architecture“ heißt das Konzept, das auf die ganzheitliche Wirkung von Räumen setzt.

„Alles, was klinisch weiß ist, ist zu vermeiden“

„Der Einfluss von Licht auf unser Wohlbefinden ist gut messbar“, erklärt Willemeit. „Der Zusammenhang zwischen der Lichtqualität, die wir im Tagesverlauf erhalten, und dementsprechend unserer Melatoninausschüttung und der Schlafqualität nachts spielt auf Intensivstationen eine besonders große Rolle. Denn ein tagsüber wacher und nachts gut schlafender Patitent hat einen viel besseren Heilungsverlauf als jemand, der den ganzen Tag in einem immer gleich beleuchteten Krankenhauszimmer liegt und permanent müde ist.“ Wie sich das Pilotprojekt auf die Patienten auswirkt, wird weiter erforscht. Die ersten Ergebnisse einer jüngst veröffentlichten Studie dokumentieren schon mal die deutliche Geräuschreduktion in den beiden Zimmern gegenüber einer herkömmlichen Intensivstation.
Das Konzept der heilenden Architektur ist in Deutschland noch vergleichsweise neu. Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin wollen das ändern. Dort gibt es das Fachgebiet „Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens“ unter der Leitung von Prof. Christine Nickl-Weller. Zum Schwerpunkt Healing Architecture arbeitet dort auch die Architektin Stefanie Matthys. „In den skandinavischen Ländern oder im angelsächsischen Raum existieren schon gut etablierte Forschungsinstitute, in denen die Wechselwirkung zwischen Architektur und Design untersucht und in praktikable Konzepte umgesetzt wird“, so Matthys. „Da sind wir in Deutschland noch weit zurück. An der TU Berlin arbeiten wir aber daran, das ‘European Network Architecture for Health‘ (ENAH) aufzubauen, um europäische Wissenschaftler und Institutionen zusammenzubringen.“
Für Betreiber von Krankenhäusern, Inhaber von Praxen und Gesundheitseinrichtungen wird es immer mehr zum Anliegen, eine mitarbeiter- und patientenfreundliche Umgebung zu schaffen. Einerseits. Andererseits ist die Landschaft der Gesundheitsbauten hierzulande noch stark von den 1960er- bis 70er-Jahren geprägt. Damals standen Funktionalität und Effizienz bei der Planung an erster Stelle. Das Ergebnis waren klotzähnliche Krankenhausmaschinerien, in denen sich die Patienten auf den immer gleichen Fluren verirrten. Auch heute werden bei Investitionsentscheidungen nicht immer unbedingt die Erfahrungen von Ärzten, Pflegepersonal oder gar Patienten und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse einbezogen. Und wenn dann noch das Kostenargument kommt ...
Healing Architecture ist Qualitätssicherung
„Gute Architektur ist nicht unbedingt teurer als schlechte“, sagt Matthys. „Bei Gesundheitsbauten fallen die Baukosten gegenüber den langfristigen Betriebskosten wenig ins Gewicht. Mit einem Patienten, der in einer gesundheitsfördernden Umgebung schneller genesen kann und weniger Rückfälle erleidet, sparen die Häuser auf lange Sicht Geld.“ Studien und mehr Aufmerksamkeit für das Thema können helfen, damit sich eine ganzheitliche Denkweise beim Bauen immer mehr durchsetzt.
Matthys: „Letztlich müssen alle am Entscheidungsprozess Beteiligten den Gedanken gemeinsam unterstützen. Das heißt Betreiber, Bauherren, Behörden und Nutzervertreter. Healing Architecture, beziehungsweise der Einfluss der gebauten Umwelt auf die Gesundheit, sollte in der allgemeinen Diskussion über Qualitätssicherung im Gesundheitswesen berücksichtigt werden.“
Als eine der größten Herausforderungen bei der Planung von Gesundheitsbauten nennt Matthys die Aufgabe „High-Tech-Ausrüstung und höchste Effizienz in eine angenehme, wohnliche Umgebung zu integrieren“. Wie das bei einer Zahnarztpraxis aussehen kann, beweist die Praxis Mondzorg im niederländischen Middenmeer (siehe Kasten). Sie wurde im Auftrag von Zahnarzt Gijs Wermenbol vom Architekturbüro ORGA errichtet. ORGAs Spezialgebiet ist biophiles Design – eine Gestaltung nach dem Vorbild der Natur. Der Blick auf freie Natur zählt zu den wesentlichen Merkmalen der Healing Architecture. Die Praxis in Middenmeer lässt durch große, hohe Fenster so viel Tageslicht wie möglich in alle Räume. Innen wie außen verwendeten die ORGA-Architekten das Holz heimischer Bäume. Biobasierte Materialien wie Holz oder Muscheln und Holzfaser als Dämmung ersetzen hier Baustoffe wie Kunststoff, Stahl oder Beton, die fossile Rohstoffe verbrauchen. „In den meisten Fällen gibt es eine biobasierte Alternative zur Verwendung von traditionellen Materialien, außer vielleicht beim Hochhausbau“, sagt Gijs Bruggink von ORGA. Zusätzlich tragen ein isolierendes Gründach und dämmender Efeu zur Energieeffizienz der Zahnarztpraxis bei.

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