Innovative Architektur

Wie Räume heilen helfen

Eine Zahnarztpraxis mit Kamin und ein ökologischer Vorzeigebau mit Ferienhaus-Charakter, eine Intensivstation unterm Sternenhimmel und ein Kinderspital gegen die Angst vorm Krankenhaus – „Healing Architecture“ heißt das Konzept, das auf die ganzheitliche Wirkung von Räumen setzt.

Mehr Natur, mehr Licht = weniger Neuroleptika

Biophiles Design, heilende Architektur und umweltfreundliches Bauen – bei vielen Gesundheitsbauten der Zukunft vermischen sich diese Aspekte. Healing Architecture ist dabei ohnehin ein interdisziplinäres Feld. Die Wissenschaftler der TU Berlin bringen die Forschungen von Architekten, Ingenieuren und Designern mit denen von Medizinern, Psychologen und Neurowissenschaftlern zusammen. Am Ende soll es gut belegte Standards geben, wie Bauten des Gesundheitswesens idealerweise geplant werden.
„Wenn unser Architekturbüro größer wäre, würde ich noch einen Neurologen dazu holen.“ Das sagt Jason Danziger, der Gründer von „thinkbuild architecture“. Danziger hat gemeinsam mit dem Psychiater Dr. Martin Voss eine ganz spezielle Soteria-Psychiatriestation im St. Hedwig Krankenhaus in Berlin entwickelt. Soteria, das heißt so viel wie Heilung, Wohl, Rettung. Soteria-Stationen stehen für ein ganzheitliches Psychiatriekonzept, inzwischen gibt es mehrere in Deutschland.
Die Berliner Einrichtung soll vor allem junge Menschen auffangen, bei denen zum ersten Mal eine Psychose ausbricht. Die Gestaltung der Räume spielt dabei eine große Rolle. Zentrum der Abteilung ist eine große Wohnküche mit einem langen Eichenholztisch. Hier wird gemeinsam gekocht und gegessen; es herrscht (fast) familiärer Alltag statt Krankenhausanonymität. Das Farbkonzept der Räume hat Danziger nach Befragungen von Psychiatriepatienten und -mitarbeitern entworfen. Grün-, Gelbtöne und ein helles Grau sollen beruhigend wirken. Es gibt auch einen Wintergarten mit Sitzsäcken und ein Beet im Innenhof, das die Patienten beackern. Tatsächlich sinkt der Neuroleptika-Verbrauch in Soteria-Einrichtungen. Viele Patienten geben als Feedback, dass sie die Station weiterempfehlen würden.
Ein kommendes Projekt der Healing Architecture in Deutschland wird wohl die Neue Haunersche Kinderklinik in München werden. Hier gewann der Entwurf von Nickl & Partner den Architekturwettbewerb. Im „Neuen Hauner“ sollen einmal Geburtshilfe, Kinderheilkunde und -chirurgie untergebracht sein. Kindern die Angst vorm Krankenhaus nehmen – das ist eins der Ziele des Baus.

Der Megatrend der Zukunft?

Dabei helfen werden viel Tageslicht innen und Grünflächen außen. Sechs asymmetrische Innenhöfe wirken einladend: Es kann um Bäume flaniert und sich draußen erholt werden. In den Zimmern der Kinderpatienten gibt es gemütliche Bettnischen, viel Holzoptik und Kuschelkissen. Für den Bau werden noch Spenden gesammelt. Der erste Spatenstich ist für 2018 geplant.
„Ich glaube, dass Healing Architecture ein Megatrend werden wird“, meint Willemeit. „In Zukunft wird es dabei nicht nur um Krankenhäuser gehen – was ein schrecklicher Begriff ist –, sagen wir: um Gesundheitshäuser und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens. Insgesamt wird der Gesundheitsaspekt viel wichtiger werden.“
Generell betrifft dies nachhaltige Baumaterialien, Innenluft- und Lichtqualität, die Raumatmosphäre und eine gesündere Baustoffindustrie. Dabei spielen gleichermaßen die großen Energiethemen eine Rolle: Wie kann ich mit einem Bau Energie einsparen oder sogar gewinnen? Mit welchen Ideen reagieren wir auf den Klimawandel? Es muss insgesamt ein holistisches Bild davon entstehen, wie wir Architektur betreiben und dabei eine gesunde Umgebung schaffen.“
Heilende Architektur wirkt im Kleinen, direkt am Menschen. Sie kann ein ganzes Stadtbild beeinflussen. Und sie kann mit der Zeit unser Verständnis von Räumen verändern, in denen wir leben, arbeiten und genesen wollen – mit allen Sinnen. 

Sonja Schultz
Fachjournalistin

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