Besonderer Fall mit CME

Orale Manifestationen des Morbus Crohn

Dieser Fall schildert einen jungen Patienten, der sich bei mehreren Zahnärzten um Rat bei persistierendem Brennen und „Bläschen“ der Gingiva im Oberkiefer bemüht hatte, bis endlich die Korrelation zwischen dem bekannten Morbus Crohn und der oralen Symptomatik gefunden werden konnte.

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Abbildung 1: Zirkuläre, gerötete Läsionen regio 13–23 mit begleitender Inflammation der vestibulären Gingiva Alle Fotos: P. Kämmerer

Ein 25-jähriger Patient stellte sich zur Abklärung einer schmerzhaften, zyklisch-erosiven, therapierefraktären Veränderung der Gingiva regio 13–23, die anamnestisch bereits seit circa 1,5 Jahren vorhanden gewesen sei, vor. Er gab einen Morbus Crohn als Nebenerkrankung an, wobei dieser – zum Zeitpunkt der Untersuchung – gut unter Kontrolle sei. Durchfälle bestünden aktuell nicht, eine antiinflammatorische Therapie werde auf Wunsch des Patienten nicht mehr durchgeführt. 

Abbildung 2: Hyperplastisch-granulomatöse Veränderung palatinal | Foto: P. Kämmerer

Bei nachgewiesenem Befall des Dünndarms, des Kolons mit Fisteln zum Magen sowie perianal war nach dem ersten Schub 2009 eine immunsuppressive Therapie mit Azathioprin begonnen worden. Da dieses Medikament jedoch eine nur geringe Wirkung gezeigt hatte, wurde 2010 auf Infliximab (Remicade®), einen TNF-alpha-Blocker, umgestellt. 2013 erfolgte eine erneute Umstellung auf Adalimumab (Humira®), ebenfalls ein monoklonaler Antikörper gegen TNF-alpha, bevor der Patient die Therapie beendete. Der Patient vermutete einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der oralen Läsion und einer Infektion mit Rota-Viren, die ebenfalls vor 1,5 Jahren stattgefunden habe. Mehrere alio loco durchgeführte Therapieversuche, unter anderem mit Clindamycin bei mikrobiologischem Nachweis von Prevotella denticolla, einem gramnegativen, obligat anaeroben Bakterium, sowie orale Hygienisierungsmaßnahmen hatten keinen Erfolg gezeigt und waren schließlich unterlassen worden. 

Neben der beschriebenen Läsion fanden sich oral leicht hyperplastische, papulöse Veränderungen der Gingiva vestibulär und palatinal ohne Hinweise auf Ulzerationen (Abbildungen 1 und 2). Vom klinischen Aspekt war der Befund daher gut vereinbar mit oralen Veränderungen infolge eines Morbus Crohn. Weiterhin gab der Patient eine Rötung an der Glans penis an. Der letzte Versuch einer MRT-basierten Dünndarmuntersuchung sowie einer Koloskopie und Gastroskopie scheiterte 2016 an der Compliance des Patienten. 

Zur Diagnosesicherung bei der oralen Läsion empfahlen wir eine Probeentnahme der Mundschleimhaut sowie weiterführende serologische Untersuchungen. Die Stanzbiopsien des Gaumens und der vestibulären Gingiva erbrachten den histologischen Nachweis von oberflächlich perivaskulär gelegenen, kräftig lymphozytären, granulomatösen Infiltraten und passten somit zu einer mukokutanen Manifestation des bekannten Morbus Crohn. Serologisch ließen sich bis auf eine Vitamin-B12-Negativbalance, die in der Folge substituiert wurde, keine Auffälligkeiten nachweisen, insbesondere keine Autoantikörper. 

Die Therapie bestand daher initial nach Abschluss der Wundheilung aus lokalen Steroiden zunächst als Applikation von Triamcinolonacetonid (Volon-A-Haftsalbe) sowie einer begleitenden antimykotischen Therapie mit Amphotericin-B-Lutschtabletten (Ampho Moronal; 3 x d). Bei fehlender Wirksamkeit der Haftsalbe erfolgte bei einem Nachsorgeintervall von zwei Monaten die Umstellung auf ein höherpotentes Glukokortikoid (Clobetasol). Unter dieser Medikation zeigte sich ein schneller Rückgang der Beschwerden und der oralen Manifestation des Morbus Crohn (Abbildung 3). 

 

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