Digitalisierung in der Zahnarztpraxis

Nutzen, Chancen – und viele offene Fragen

Die To-do-Liste der Akteure

Zuvorderst ist hier die Vernetzung und Interoperabilität der Systeme gefragt – als die große Herausforderung an die Akteure im Gesundheitswesen für die kommenden Jahre. Offen sind noch viele Fragen:

  • Wo verläuft die Grenze zwischen Innovation und dem Missbrauch von Daten? 
  • Wie kann die Datensicherheit in den Praxen gewährleistet bleiben?
  • Wie erfolgt die qualitative Bewertung von Gesundheitsinformationen oder Apps?
  • Was ist in Sachen Datenschutzstandards und Transparenz zu beachten?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus all den Fragestellungen für Kammern und KZVen?

Woran die Kassen arbeiten

Einige Kassen arbeiten an eigenen – speziellen – Versionen einer elektronischen Gesundheitsakte (eGA), als Service für ihre Versicherten.

  • Techniker Krankenkasse: Die TK lässt von IBM eine elektronische Gesundheitsakte (eGA) entwickeln. In einem ersten Schritt sollen Daten eingespielt werden, die die Kasse selbst besitzt (Rezeptdaten, Klinikaufenthalte, ambulante Leistungen). Im zweiten Schritt sollen weitere Funktionen kommen (etwa ein Impfpass). Die eGA und die elektronische Patientenakte der Telematikinfrastruktur sollen sich später ergänzen.
  • AOK: Sie hat ein Gesundheitsnetzwerk entwickelt, zunächst in zwei Testregionen, später soll es bundesweit eingeführt werden. Das Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern startet Anfang November mit zwei Kliniken und dem Ärztenetz „HaffNet“. Dort stehen zunächst vier Anwendungen zur Verfügung: Aufnahme- und Entlassmanagement in den Kliniken, Austausch von Dokumenten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten, das Hochladen eigener medizinischer Dokumente des Patienten (Organspendausweis, Mutterpass) und die Möglichkeit, selbst erhobene Vitaldaten und Messwerte in die eigene Akte einfließen zu lassen. 

Das Pilotprojekt in Berlin startet Anfang 2018 mit der privaten Klinikgruppe Sana Kliniken AG und dem Krankenhauskonzern Vivantes. Zusätzlich zu den Möglichkeiten im ersten Pilotprojekt werden ein digitaler Medikationsplan, die Bereitstellung von Labordaten durch die beteiligten Ärzte und eine Terminvereinbarung mit Kliniken und Ärzten angeboten. 

  • PKV-Verband: Er will Privatversicherten eine App zur Verfügung stellen, die Grundfunktionen einer eGA enthält. Dazu gehören Stamm- und Notfalldaten, Medikamente, Medikationsplan, Arztbrief oder Impfpass und ein Gesundheitsfach für Diverses.

Die Ärzteschaft arbeitet sehr intensiv an diesen Themenkomplexen. Und in der Zahnärzteschaft ist Digitalisierung eines der großen standespolitischen Kernthemen der neuen Legislaturperiode. Sowohl die KZBV wie auch die BZÄK haben sich dazu in ihren gesundheitspolitischen Programmen 2017–2022 positioniert. Strategien sind in Arbeit. So hat sich der Vorstand der KZBV Mitte Oktober bei einer Klausurtagung strategisch weiter aufgestellt. Der BZÄK-Vorstand hat auf seiner Klausurtagung 2015 in Stuttgart in einer Erklärung die Auswirkungen der Digitalisierung auf Praxis und Gesellschaft in den Fokus genommen. Die BZÄK arbeitet derzeit an Strategien, die im Ausschuss Digitalisierung vorbereitet werden. 

Auf der KZBV-Vertreterversammlung und der BZÄK-Bundesversammlung Anfang November in Frankfurt/M. wird sich der Berufsstand dazu weiter positionieren. Ziel der Zahnärzteschaft ist es, die Chancen und den Mehrwert der Digitalisierung für Kollegen, Patienten und für die Gesellschaft herauszuarbeiten und dabei die Risiken zu minimieren.


Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Herausforderungen bei der Digitalisierung in der Zahnarztpraxis?

Foto: KZBV-Baumann

Dr. Karl-Georg Pochhammer, stellvertretender Vorsitzender der KZBV: „Eines der Hauptthemen in der vertragszahnärztlichen Versorgung der nächsten Jahre ist der Ausbau der Telematikinfrastruktur. Die KZBV begleitet diesen Prozess konstruktiv. Für die Zahnarztpraxis müssen praktikable Lösungen gefunden werden: für den elektronischen Medikationsplan, die Arzneimittelsicherheitsprüfung, die sichere elektronische Kommunikation der Leistungs - erbringer (KOM-LE) und die qualifizierte elektronische Signatur (QES). Natürlich haben sich die gematik, und auch die Politik und die Industrie bei der technischen Umsetzung des Projekts nicht mit Ruhm überhäuft. Es kann nicht sein, dass der Berufsstand mit Sanktionen für Umstände bestraft wird, die er nicht zu verantworten hat. Bei der Refinanzierung der Kosten, die den Praxen durch die Anbindung an die Telematikinfrastruktur entstehen geht es darum, dass diese auch in voller Höhe erstattet werden. Eine weitere Heraus - forderung ist es, einheitliche IT-Standards im Gesundheitswesen voranzutreiben. Deshalb fordern wir, im Rahmen der Umsetzung der elektronischen Patientenakte die dringend notwendige Interoperabilität zwischen unterschiedlichen IT-Systemen zu verbessern.“

Foto: Axentis.de

Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der BZÄK: „Das Thema Digitalisierung in der Zahnmedizin beschränkt sich für viele auf digitale Bilder, elektronische Abformungen und maschinell hergestellte Restaurationen. Das verunsichert niemanden, weil hier letztlich nur neuer Wein in alte Schläuche fließt. Problematischer sind drei andere Aspekte: Digitalisierung braucht Netzwerke. Wie steht es mit der Sicherheit, dem Datenschutz, der Kontrollbürokratie und den Kosten (Datenschutzbeauftragter in der Praxis, zertifizierte IT-Techniker)? Ein anderer Aspekt ist „Big Data“ und „Data Mining“, also das Sammeln und Zusammenführen großer Mengen persönlicher Daten unserer Patienten. Entsteht damit wirklich mehr Gesundheit oder doch nur Kontrolle und Gängelung? Und schließlich begegnet uns in der Politik nicht selten die Überzeugung, dass die künstliche Intelligenz Diagnosestellung und Therapieentscheidung besser beherrscht als die natürliche Intelligenz. Werden unsere Patienten bald hören: „Der Computer schlägt diese Therapie vor, warum weiß ich auch nicht?“ Die Bundeszahnärztekammer beobachtet all diese kritischen Aspekte der Digitalisierung und vertritt mit Nachdruck unsere freiberufliche, zahnärztliche Sicht.“

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