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„Socket Shield“: Neue Technik zur Sofortimplantation in der ästhetischen Zone

Sofortimplantationen in der ästhetischen Zone gelten heutzutage als State of the Art, können jedoch häufig mit ästhetisch auffälligen Geweberesorptionen und Rezessionen behaftet sein. Um dem entgegenzuwirken, verfolgt die „Socket Shield“-Technik eine Primärprävention von Gewebeverlust.

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„Socket Shield“ auf der bukkalen Seite der Alveole Bäumer/Zuhr/Hürzeler

Das Konzept der inzisionsfreien Sofortimplantation hat in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewonnen. Mittlerweile ist belegt, dass die Überlebensrate auf dem Niveau von Implantationen in ausgeheilte zahnlose Kieferabschnitte liegt – und die Sofortimplantation wird heutzutage als State of the Art angesehen. Überzeugende Argumente sind dabei die reduzierte Anzahl an chirurgischen Eingriffen, die verkürzte Behandlungszeit und der insgesamt höhere Patientenkomfort. Auch die postoperative Qualität des Weichgewebes ist hier aufgrund der geringeren chirurgischen Manipulation besser. 

Aktuelle Herausforderungen

Leider gehen Sofortimplantationen auch mit einigen Schwierigkeiten einher, die sich neben dem Erzielen einer ausreichenden Primärstabilität hauptsächlich auf spätere Defektbildungen im Bereich der Alveole beziehen. Der komplette Erhalt der peri-implantären Gewebe in ästhetisch relevanten Bereichen kann bis heute nur in wenigen Fällen erreicht werden. Erschwerend für den Behandler bei seiner Planung kommt hinzu, dass das Ausmaß der zu erwartenden Resorption von Situation zu Situation stark variiert. 

Ein ästhetischer Kompromiss kann durch vertikale Rezessionen im midfazialen oder approximalen Bereich, durch den Verlust der fazialen Kontur in horizontaler Richtung oder auch durch eine abweichende Farbe und Oberflächenstruktur des Gewebes gekennzeichnet sein (Abbildungen 1 bis 3) [Groisman et al., 2003; Kan et al., 2003a; Kan et al., 2003b; Evans and Chen, 2008; Chen and Buser, 2009; Furhauser et al., 2005]. 

Ursächlich für diese Veränderungen sind verschiedene Einflussfaktoren: 

  • mechanisches Trauma bei Zahnextraktion, 
  • Mikroorganismen in der zur Mundhöhle exponierten Alveole, 
  • Unterbrechung der periostalen Blutversorgung nach Lappenbildung oder auch
  • patientenbezogene Risikofaktoren wie Rauchen und 
  • Plaqueakkumulation [Tan et al., 2012]. 

Zwei entscheidende ätiologische Faktoren in diesem Zusammenhang sind eine dünne bukkale Knochenlamelle und der resultierende Verlust des Parodonts nach Zahnentfernung [Ferrus et al., 2010; Lee et al., 2014; Botticelli et al., 2004]. 

Konventionelle Lösungswege

Um den zu erwartenden Gewebeverlusten entgegenzuwirken, wurden verschiedene unterstützende Maßnahmen vorgeschlagen. Heute weiß man, dass das Inserieren eines Implantats direkt nach der Extraktion als kammprophylaktische Maßnahme nicht ausreichend ist, wie tierexperimentelle und klinische Untersuchungen gezeigt haben [Araujo et al., 2005; Botticelli et al., 2004]. Daher wurde beispielsweise die Kombination der GBR-Technik mit Sofortimplantaten [Becker et al., 1994a; Lang et al., 1994; Bragger et al., 1996; van Steenberghe et al., 2000; Hammerle and Lang, 2001] vorgeschlagen. Diese ist jedoch technisch vergleichsweise schwierig anzuwenden, und es hat sich als problematisch erwiesen, eine geschlossene Einheilung der Membranen zu erzielen [Becker et al., 1994b].

Abbildung 1: Peri-implantäre Rezession an Implantat 21, die das Abutment freilegt. | Bäumer/Zuhr/Hürzeler

Abbildung 2: Konturverlust am Sofortimplantat 21 nach fünf Jahren | Bäumer/Zuhr/Hürzeler

Abbildung 3: Volumenverlust nach fünf Jahren, digital volumetrisch visualisiert | Bäumer/Zuhr/Hürzeler

Als Alternative dazu erhoffte man sich durch das Auffüllen der Leerräume zwischen Implantat und Alveolenwand mit Knochenersatzmaterial – in Kombination mit einer nach palatinal orientierten Implantatpositionierung – einen positiven Effekt auf die Dicke und das vertikale Niveau des bukkalen Knochens und machte in tierexperimentellen Untersuchungen vielversprechende Beobachtungen [Araujo et al., 2011]. 

In der klinischen Anwendung erweist sich dieser Schritt als technisch sehr einfach durchführbar und wenig komplikationsbehaftet. Die Vorhersagbarkeit bezüglich des Volumenerhalts der knöchernen Strukturen ist bei diesem Vorgehen gemäß klinischer Erfahrung jedoch nicht hoch genug, um den hohen Anforderungen in der ästhetischen Zone gerecht zu werden.

Um seitens des marginalen Weichgewebes Volumenverluste zu kompensieren, stellt die Augmentation mit Bindegewebstransplantaten auf der bukkalen Seite eine beliebte Maßnahme dar, die aus der subjektiven Erfahrung heraus für eine harmonische Kontur sorgen kann. Allerdings sind Weichgewebeaugmentationen bezüglich ihrer Effektivität und vor allem bezüglich ihrer Langzeitstabilität kaum wissenschaftlich untersucht [Zuhr et al., 2014] und gehen mit einer erhöhten Patientenmorbidität und Behandlungsdauer einher, solange es noch keine gleichwertigen Ersatzmaterialien gibt. 

Mit den aktuell zur Verfügung stehenden chirurgischen und restaurativen Behandlungsprotokollen wurde bis heute leider kein Weg gefunden, die zu erwartenden Resorptionsprozesse vollständig und vorhersagbar zu umgehen. Der Kliniker muss bei der Planung einer Sofortimplantation einen bukkalen Knochenverlust von bis zu 1 mm in vertikaler und in horizontaler Richtung [Lee et al., 2014] sowie nachfolgende Weichgeweberezessionen [Slagter et al., 2014] im ersten Jahr nach Implantation mit einberechnen [Lin et al., 2014].

 

Seite 1: „Socket Shield“: Neue Technik zur Sofortimplantation in der ästhetischen Zone
Seite 2: Schlüsselfaktor: der Erhalt des Bündelknochens
Seite 3: Literaturverzeichnis
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